Berlin - Die Motivklingel trainieren: Tipps für Foto-Amateure auf Reisen

Die Motivklingel trainieren: Tipps für Foto-Amateure auf Reisen

Von: Juliane Mroz, dpa
Letzte Aktualisierung:
Foto-Amateur/ Fotografieren
Ein Fest für Fotografen: Hier schlägt die Motivklingel Alarm. Foto: dpa

Berlin. Fröhliches Knipsen am Strand - und zu Hause eine Diaschau mit Freunden und Nachbarn: Für viele gehört der Fotoapparat zum Urlaub einfach dazu. „Für ein gutes Foto ist deutlich weniger Technik nötig, als es uns Kamerahersteller glauben machen wollen”, sagt Claudia Thomas, Fotografin und Fotografie-Dozentin in Berlin.

Vor allem braucht der Hobby-Knipser die Fähigkeit, ein gutes Motiv zu erkennen. Er braucht die Motivklingel, wie es oft heißt. Gerade ein Urlaub bietet viele Gelegenheiten, das fotografische Auge zu schulen.

„Bewegen sie sich! Ein Motiv kann völlig anders wirken, wenn man sich vom üblichen Standpunkt wegbewegt”, lautet Thomas erster Tipp für spannendere Urlaubsfotos. Es lohnt sich, Motive aus verschiedenen Perspektiven aufzunehmen. „Küsst sich gerade ein Pärchen vor der Akropolis? Dann stellen sie darauf scharf, die Sehenswürdigkeit wird auch so noch zu erkennen sein.” Oft sei das Verhalten von Menschen rund um touristische Attraktionen spannender als diese selbst.

„Die Porträtfotografie ist eine der schönsten Möglichkeiten, Menschen in einem Land kennenzulernen”, sagt Claudia Thomas. Wer Respekt zeigt und um Erlaubnis fragt, erzielt die besten -Resultate. Wer sich beliebt machen will, bietet an, dem Porträtierten einige Fotos zu schicken. „So hat man auch eine Kontaktadresse - man weiß ja nie! Oft sind so schon Freundschaften fürs Leben entstanden.”

„Nutzen sie auch schlechte Wetterverhältnisse”, rät Thomas. „Wie viele Fotos kennen sie von der Kathedrale von Palma de Mallorca im Regen? Der Moment nach einem Regenguss kann sehr reizvolle Motive mit sich bringen.” Das gilt auch für die Morgenstunden. „Selten sind Schattenspiele spannender, Farben reicher, Städte leerer. Stellen sie im Urlaub ruhig mal den Wecker - es lohnt sich.”

In die Reisetasche gehört das Kamera-Handbuch. „Im Urlaub hat man Muße, es zu lesen”, sagt Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband in Frankfurt/Main. Wer die Technik des Fotoapparats beherrscht, hat davon nicht nur auf Reisen etwas. „Vor allem Kompaktkamera-Besitzer sollten sich einmal im manuellen Modus mit der Belichtungskorrektur auseinandersetzen”, empfiehlt Claudia Thomas.

Wird die Belichtung ein wenig in den negativen Bereich geregelt, sehen auch sonnige Strandfotos nicht überstrahlt aus. „Tun sie das auch, wenn die Kamera Probleme mit Gelb- und Rottönen hat”, empfiehlt Thomas. Aufgehellt wird das Motiv später am PC - wobei man es dabei nicht übertreiben sollte. Generell gilt: Ein unterbelichtetes Foto ist am Computer leichter zu retten als ein überbelichtetes.

Soll es für die Reise eine Kompaktkamera sein, rät Thomas: „Gönnen sie sich eine mit etwas Weitwinkel - zum Fotografieren von Sehenswürdigkeiten ist das sinnvoll.” Allerdings ist der Weitwinkel mit Vorsicht zu genießen. Denn die Optik suggeriert mehr Entfernung zum Motiv, als vorhanden ist. „Sie landen mit einem Weitwinkel schneller im Hafenbecken, als Sie das hinter dem Sucher glauben.”

Constanze Clauß rät Sommerurlaubern, auf einen Sucher statt auf ein Display zu setzen. „Da sieht man in der hellen Sonne wesentlich mehr.” Die Kamera wird besser nicht erst auf dem Weg zum Flughafen gekauft. „Ein bisschen Eingewöhnung sollten sie sich schon gönnen, das minimiert den fotografischen Ausschuss im Urlaub”, erläutert Thomas.

Wird der Speicher knapp, löschen viele Hobbyfotografen einige Bilder von der Kamera, um Platz zu schaffen. „Das sollte man nicht tun - oft entpuppen sich scheinbar missratene Fotos erst am Bildschirm als Schätze”, sagt Constanze Clauß. Urlauber sollten also lieber ausreichend Speichermedien einpacken.

Was sonst noch in die Fototasche sollte, sind nach Thomas Worten eine bis zwei Plastiktüten. Sie schützen vor dreckigen Knien, und bei Regen halten sie die Kamera trocken. „Ich bin oft zu bequem, den externen Blitz mitzuschleppen. Für den ausklappbaren Blitz habe ich mir einen Diffusor aus einer weißen Filmdose geschnitzt, den habe ich ebenfalls immer dabei.” Auf keinen Fall fehlen sollten „Akkus, Akkus, Akkus”, zudem ein Ladegerät - „und falls das nicht mitgenommen werden soll, noch einmal Akkus”.

Diebe kennen die gängigen Kamerataschen und erahnen, welche Werte sich darin verbergen. „Gleiches gilt für Kamera-Nackenriemen und Handschlaufen”, warnt Claudia Thomas. Eine unauffällige Verpackung ist daher zu empfehlen. Beim Fliegen gehört die Kamera ins Handgepäck - auch Filmen schadet das Durchleuchten heute nicht mehr. Ersatzakkus packt man besser ins aufgegebene Gepäck. Denn theoretisch können sie bei den Sicherheitskontrollen einbehalten werden.

Wer Angst um seine Ausrüstung hat, kann eine Kameraversicherung für Amateurfotografien abschließen. Doch das ist ein Nischenprodukt: Laut Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg bieten in Deutschland nur vier Firmen eine solche Police an. Unter Umständen deckt auch die Hausratversicherung Kameradiebstahl ab. Boss rät zu einer Beratung beim unabhängigen Versicherungsmakler. „Was Reisende aber unbedingt beachten sollten: Ohne Anzeige bei der örtlichen Polizeistation gibt es bei einem Diebstahl keinen Versicherungsschutz.”
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