Bremen - Die braunen Bohnen von Bremen: Zum Kaffeeseminar an die Weser

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Die braunen Bohnen von Bremen: Zum Kaffeeseminar an die Weser

Von: Bernd F. Meier, dpa
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Kaffee
Glänzendes Geschäft: Bremens Röstereien verdienen seit vielen Jahrzehnten an den braunen Bohnen. Foto: dpa

Bremen. Dieser Duft! Er durchzieht die Räume und dringt tief in die Nasen der Besucher ein. „Der typische Kaffeeduft entsteht beim Rösten”, erklärt Christian Ritschel in der kleinen Privatrösterei Lloyd Caffee im Bremer Holzhafen.

Jeden Montagmorgen und jeweils am ersten Freitagnachmittag im Monat erläutert der Experte Besuchern von nah und fern bei „Kaffeeseminaren”, was es mit den braunen, anregenden Bohnen auf sich hat, und er erzählt auch viel über die Geschichte und die Bedeutung Bremens als „Kaffee-Hauptstadt” Deutschlands.

Welche weite Reise von den Plantagen in Äthiopien, Brasilien, Costa Rica und Nicaragua legt die Kaffeefrucht zurück, bis aus ihr duftender Kaffee oder Espresso wird? Wie viele Arbeitsgänge sind notwendig, bevor der Kaffee in Jutesäcken oder in Containern nach Bremen kommt? Alles das erfahren die Besucher während des Kaffeeseminars.

Im Holzhafen wandeln die Gäste auf historischem Terrain: 1906 beherbergte der riesige Gebäudekomplex mit Kaffee HAG die erste Kaffeefabrik Europas.

Deren Besitzer, der Kaffeehändler Ludwig Roselius, brachte vor 105 Jahren erstmals einen entkoffeinierten Kaffee auf den Markt. Mit den braunen Bohnen wurde er so reich, dass er die Böttcherstraße restaurieren ließ, die heute für ihren einzigartigen Stilmix aus Backstein und Art Déco berühmt ist.

Aber auch das Fabrikgebäude von Kaffee HAG galt damals in Fachkreisen als ungewöhnlich: „Es war das erste in Stahlbetonbauweise errichtete Bauwerk”, sagt Christian Ritschel. Bei Lloyd Caffee dauert die Röstung rund 20 Minuten. „In dieser Zeit entwickeln die Kaffeebohnen das sortentypische Aroma.”

Die Besucher staunen, wenn der Kaffeekenner berichtet, dass heutzutage jede zweite in Deutschland getrunkene Tasse Kaffee aus den Großröstereien in Bremen und dem Umland stammt: Azul, Kraft Foods Deutschland mit den Marken Jacobs, Kaffee HAG und Onko sowie Melitta und Gebrüder Westhoff verarbeiten die braunen Bohnen allesamt an der Weser. Und außerhalb des Bremer Stadtgebietes lässt Aldi-Nord im niedersächsischen Weyhe seine Kaffeemischungen rösten.

„Noch mehr Superlative gefällig?”, fragt Ritschel. „Jede zweite koffeinfreie Tasse Kaffee, die weltweit getrunken wird, hat ihren Ursprung hier bei uns an der Weser.” Dafür sorgt zum Beispiel in Bremen-Hemelingen das Unternehmen Coffein Compagnie, das in diesem Bereich als Weltmarktführer gilt.

Von der Rösterei Lloyd Caffee nur wenige Autominuten entfernt, wird das anregende Getränk auch im Hafenmuseum Speicher XI in der Überseestadt erlebbar. „Wir zeigen 120 Jahre Bremer Hafengeschichte, die auf das Engste mit dem Kaffee verbunden ist”, sagt die Kuratorin Claudia Seidel.

Welche Berufe gab es einst im Hafen rund um das Anlanden des Kaffees? Wie viele Säcke schleppten die Hafenarbeiter von Bord der Stückgutfrachter? „Bis zu 1000 Kaffeesäcke pro Schicht, das war Knochenarbeit”, erzählt Seidel. „Immer im eingespielten Team zu zweit, schließlich wiegt jeder Kaffeesack 60 oder 70 Kilo.” Während die Tagelöhner damals am unteren Ende der Lohnskala standen, waren die Küper angesehene Hafenbeschäftigte.

Als Qualitätskontrolleure entnahmen sie mit speziell geformten Stichwerkzeugen den Jutesäcken Kaffeeproben. „Daher stammt der bekannte Begriff: eine Stichprobe nehmen”, erklärt Seidel. Das geschieht auch heute noch wie zur Blütezeit des Hafens in den 1920er Jahren. Heute füllt der „Kaffeesack” allerdings einen kompletten Seecontainer mit dem Ladungsgewicht zwischen 21 und 27 Tonnen.

Container haben die einzelnen Jutesäcke längst verdrängt. „1966 legte das erste Containerschiff am Schuppen 18 des Überseehafens an”, erzählt Seidel. „Ab diesem Jahr war der Hafen ständig im Wandel, bis 1998 das Überseehafenbecken zugeschüttet wurde.” Dort verschwanden auch bekannte Kaffeeunternehmen von der Bildfläche.

„Zur Blütezeit zwischen 1920 und 1938 gab es in Bremen um die 250 Kaffeeröstereien. Wir sind heute die letzte Rösterei in Familienbesitz, die mit vielen Details im Original erhalten blieb”, erzählt Ilse Münchhausen-Prüße, die zusammen mit ihrer Tochter Natalie die 1935 gegründete Kaffeemanufaktur im Stephani-Viertel führt.

Zweimal pro Woche können Besucher nach vorheriger Anmeldung hier die große Welt der kleinen Kaffeebohnen kennenlernen und ein wenig von den Geheimnissen rund ums Rösten erfahren.

150 Liter Kaffee pro Person

150 Liter Kaffee tranken die Deutschen nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes im Jahr 2009. Der durchschnittliche Verbrauch pro Kopf lag bei 6,4 Kilogramm Rohkaffee. Mineral- und Heilwasser kam auf 131 Liter pro Kopf, Bier auf 109 Liter.

Ilse Münchhausen-Prüße lassen diese Zahlen unbeeindruckt: „Wir sehen Kaffee als hochwertiges Lebensmittel an. Deshalb bringen wir den Besuchern näher, wie viel Arbeit hinter jeder Tasse Kaffee steht.”

Bei einer Probe verschiedener Sorten erleben die Gäste darüber hinaus die unterschiedlichen Geschmacksnoten der Herkunftsländer wie Guatemala und Kenia. Tipps zur Zubereitung des Muntermachers vervollständigen den Besuch im Kontor der Kaffeerösterei.

Ilse Münchhausen-Prüßes Rat an die Genießer: „Hartes Wasser verlangt nach einer kräftigen Kaffeemischung. Es hat sauerstoffreich zu sein, deshalb sollte man es in den Vollautomaten ständig erneuern.”

Bremen hat nicht allein bei der Kaffeeproduktion und Veredlung eine lange Tradition aufzuweisen: Auch die erste Kaffeestube im deutschsprachigen Raum stand keineswegs in Wien, sondern gleich gegenüber des historischen Rathauses am Markt. Bereits 1673 erhielt der Niederländer Jan Jantz von Huesden die Erlaubnis, das damals neue und exotische Gebräu im Haus Schütting zu servieren, dem heutigen Sitz der Bremer Handelskammer.

Informationen: Bremer Touristik-Zentrale, Findorffstraße 105, 28215 Bremen (Tel.: 0421/30 80 00, info@bremen-tourism.de).
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