Daun - Die Augen der Erde: Eine Reise zu den Eifelmaaren

Whatsapp Freisteller

Die Augen der Erde: Eine Reise zu den Eifelmaaren

Von: Heidemarie Pütz, dpa
Letzte Aktualisierung:
pulvermaar / vulkaneifel
Das Pulvermaar in der Vulkaneifel ist fast kreisrund. Sein Wasser reicht 74 Meter tief, das ist Eifelrekord. Foto: dpa

Daun. Aus der Vogelperspektive wirken sie wie geheimnisvolle Zeichen aus einer anderen Welt. Wie unergründliche dunkle Augen starren die Eifelmaare aus der Landschaft.

Chefpilot Bernd Hein fliegt mit seinem Viersitzer dicht darüber hinweg und dreht gekonnt eine Schleife, um noch besser so manche Besonderheit dieser Laune des Vulkanismus zeigen zu können. Mehr als 70 Maare gibt es in der Vulkaneifel. Nirgendwo sonst in Deutschland gewährt die Erde so tiefe Einblicke in ihre Entstehungsgeschichte wie in dem Herzstück der Eifel um die kleine Kreisstadt Daun herum.

Mit ihren weiten Höhen, dichten Wäldern, Wiesen und Dörfern wirkt die Region zwischen Gerolstein, Manderscheid und Ulmen fast lieblich. Dabei blubberte, brodelte und explodierte es hier einst ununterbrochen. Vor rund 45 bis 35 Millionen Jahren spuckten feuerspeiende Schlote zum ersten Mal Gestein aus dem Erdinneren heraus und prägten so die Landschaft. Auf engstem Raum erzählen 350 kleine und große Vulkane, Maare, erkaltete Lavagänge und -ströme sowie sprudelnde Quellen von der feurigen Entstehung der Eifel.

Der letzte Ausbruch ist gerade 10.000 Jahre her - erdgeschichtlich nur ein Wimpernschlag. Aus der unruhigsten Gegend Mitteleuropas wurde eine seiner geologischen Schatzkammern. „Die Vulkaneifel ist von unten durchschossen wie ein Schweizer Käse”, sagt Andreas Schüller, wissenschaftlicher Leiter des Vulkaneifel European Geoparks. Dass der Vulkanismus unter der dünnen Eifel-Erdkruste noch aktiv ist und nur eine Ruhepause eingelegt hat, ist heute wissenschaftlicher Konsens. Ungewiss bleibt, wann ein erneuter Ausbruch zu befürchten ist. Messstationen haben über Jahrzehnte hinweg nichts Beunruhigendes mehr dokumentiert.

Fachleute wie Schüller widmen sich deshalb ganz gelassen dem Vulkan-Tourismus in ihrer Region. Seit 1994 hat sich hier die Idee des Vulkanparks mit Museen, Infozentren und Geo-Wanderwegen rasant entwickelt. Damit soll der einzigartige Charakter der Landschaft bewahrt und Besuchern das fragile Naturerbe nahegebracht werden. Das Vulkangebiet der Westeifel um Daun herum ist 2004 von der UNESCO zum Global Geoparc ausgerufen worden. Das ist ein weltweites Netz von geschützten Regionen mit geologisch seltenen Phänomenen.

Das Markenzeichen der Vulkaneifel sind die im höllischen Spiel von Feuer und Wasser entstandenen Maare. Sie lehren den Betrachter, dass nicht alle Vulkane „Berge” sind. Denn die runden bis ovalen Krater sind in die Erde eingesenkt. Sie entstanden dort, wo heißes Magma beim Aufstieg auf Wasser traf. Schlagartig verdampfte dieses, massive Explosionen waren die Folge. Zurück blieb ein in die Erde gesprengter Trichter mit einem ringförmigen Wall aus zerborstenem Gestein, der sich mit Grundwasser füllte.

Die Eifler gaben ihm den Namen „Maar”. Die einen sagen, er komme vom lateinischen Wort für See, andere verweisen auf Moor oder Morast. „Nur noch in 8 der mindestens 75 Maare steht noch immer ständig Wasser. Sie sind jüngeren Ursprungs”, erklärt Schüller. Die meisten sind im Laufe der Zeit verlandet, Moore und Wiesen mit seltenen Pflanzen entstanden dort. Einige andere hat natürliche Erosion eingeebnet. Sie sind nur noch als flache, schüsselartige Vertiefungen in der Landschaft zu erkennen.

Am eindrucksvollsten präsentieren sich die vulkanischen Augen beim Rundflug vom Flugplatz Daun-Senheld über die Maare zwischen Daun, Gillenfeld und Manderscheid. In der Maschine von Bernd Hein, der in seiner mehr als 50-jährigen Zeit als Hobbypilot und Fluglehrer auf rund 8000 Flugstunden und etwa 23.000 Landungen kommt, wird der Höhenflug unvergessen bleiben.

Daun weist in seiner Umgebung gleich drei der Eifeler Wahrzeichen auf: Gemündener, Weinfelder und Schalkenmehrener Maar. Letzteres bestand ursprünglich aus mehreren Maaren, die verlandeten. Sie sind inzwischen Trockenmoore. Die Dauner Vulkanaugen mit ihren Seen sind die berühmtesten der Eifel. Das Weinfelder oder Totenmaar ist mit seinem einsamen Kirchlein und dem Friedhof am Ufer eine melancholische Idylle. Die Kapelle erinnert an das einstige Dorf Weinfelden, dessen Bewohner die Pest dahinraffte. Im Unterschied zu den beiden anderen ist Wassersport hier verboten.

Während des Fluges zeigt Bernd Hein etliche Rekorde, darunter das kleinste Maar, die „Hitsche” bei Gillenfeld. Die mit Binsen bestandene Senke führt nur bei Starkregen Wasser. Nicht weit entfernt liegt das tiefste, das fast kreisrunde Pulvermaar. Sein Wasser reicht 74 Meter tief. Im ältesten Eiflermaar, dem Eckfelder Maar bei Manderscheid, fanden Geologen Aufsehen erregende Fossilien: ein schwangeres Urpferdchen und die älteste Honigbiene der Welt, die vor 45 Millionen Jahren im tropischen Klima am Rande des Sees lebten. Sie sind im Maarmuseum Manderscheid zu bewundern.

Dass der Tanz auf dem Vulkan noch lange nicht zu Ende ist, beweist der im 35-Minuten-Takt aufwallende „Brubbel”, eine Quelle in Wallenborn. Die Magmaküche im Innern der Erde lässt grüßen.

Informationen: Tourist Information Daun, Leopoldstraße 5, 54550 Daun (Tel.: 06592 - 95 13 00, E-Mail: gaesteinfo@forum.daun.de).
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert