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Die älteste Tochter der Vulkangöttin

Von: Dirk Förger, dapd
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Das 60 Kilometer lange und 45 Kilometer breite Eiland Kauai hat wahrlich mehr zu bieten als nur ein tiefes Tal. Fast scheint es so, als habe der Schoepfer ein Fuellhorn aller Attraktionen Polynesiens ueber diesem kleinen pazifischen Eiland ausgegossen. Foto: ddp

Lihue. Plötzlich tut sich die Schlucht vor dem Reisenden auf: Über einen Kilometer tief ist der „Grand Canyon des Pazifiks”. Ähnlich wie bei seinem Namensvetter im viele Tausend Kilometer entfernten Arizona ist die Erde leuchtend rot.

Doch das tropische Grün an den steilen Hängen des Waimea Canyons erinnert daran, dass sich der Besucher in einer ganz anderen Region der Erde aufhält. Die Schlucht liegt auf Kauai (auch Kauai geschrieben), der ältesten Insel des Hawaii-Archipels.

Dieses 60 Kilometer lange und 45 Kilometer breite Eiland hat wahrlich mehr zu bieten als nur ein tiefes Tal. Fast scheint es so, als habe der Schöpfer ein Füllhorn aller Attraktionen Polynesiens über diesem kleinen pazifischen Eiland ausgegossen. Hinzu kommt eine perfekte Infrastruktur, die der Tourist aus den USA gewohnt ist. Dennoch ist Kauai die ursprünglichste und am wenigsten überlaufene Insel Hawaiis.

Lihue, der Hauptort Kauais mit dem Flughafen, hat gerade einmal 6.500 Einwohner. Auf der gesamten Insel sind es lediglich zehnmal so viele. Doch nicht nur die geringe Bevölkerung unterscheidet das Eiland von den anderen Ferieninseln Hawaiis. Kauai ist mehr ländlicher. Zwar wurde der Zuckeranbau vor wenigen Jahren eingestellt. Aber an vielen Stellen kreuzen Hühner die schmale Hauptstraße, die nicht einmal um die ganze Insel herumführt. Gerade einmal zehn Prozent Kauais sind per Straße erreichbar. Dafür hat die Insel den einzigen schiffbaren Fluss Hawaiis. Weil der Tourismus hier später ankam als auf dem restlichen Archipel, wurde die Höhe von Gebäuden auf Palmen-Größe begrenzt. Es gibt keine Wolkenkratzer oder Mega-Resorts wie auf den anderen Inseln.

Aber trotz des übersichtlichen Straßennetzes ist ein Mietwagen unbedingt zu empfehlen, um die Insel zu erkunden. Auf diese Weise erlebt man die blendend weißen Strände von Poipu, die weltberühmte Bucht von Hanalei und einen der regenreichsten Punkte der Erde: Nachdem die Wolken auf ihrem langen Weg über den Pazifik viel Wasser gesammelt haben, regnen sie über dem 1.569 Meter hohen Waialeale ab. Dadurch sind die Wind zugewandten nördlichen und östlichen Seiten der Insel üppig grün, was Kauai den Beinamen „Garteninsel” einbrachte. Dagegen haben der Süden und Westen der Insel ein trockenes Mikro-Klima, weil die Wolken ihre Last bereits vorher entluden.

Die Witterung und die Kräfte des Meeres hatten viel Zeit, um die sechs Millionen Jahre alte Insel zu formen und erodieren. Dadurch entstand neben dem bereits erwähnten 16 Kilometer langen Waimea Canyon die nicht minder spektakuläre Na Pali Küste. Beide Ziele kann der Besucher nicht nur von Aussichtspunkten aus bestaunen, sondern auch erwandern.

Dabei bietet die Na Pali Küste, die nur per Pedes, per Boot oder Hubschrauber zu erreichen ist, zwei Möglichkeiten: Der Besucher kann die zwei Tage dauernden Hin- und Rückwanderung den ganzen Küstenabschnitt entlang auf sich nehmen. Oder er beschreitet nur den sechs Kilometer langen ersten Abschnitt vom Kee Beach am Ende der Route 580 aus. Dabei ist schon der kürzere Weg durchaus anspruchsvoll und kann bei feuchtem Wetter eine recht rutschige Angelegenheit werden. Dafür wird der Wanderer mit einsamen Südseestränden, dramatischen Wasserfällen und beeindruckenden Tropenlandschaften belohnt. Kein Wunder, dass die Na Pali Küste immer wieder als Kulisse für atemberaubende Filmszenen diente - etwa in „Jurassic Park” von Steven Spielberg.

Beeindruckend sind auch zwei andere Attraktionen Kauais: Vom Hanalei Aussichtspunkt bietet sich ein unvergesslicher Rundblick über das gleichnamige Tal im Norden der Insel. Und nur wenige Kilometer davon entfernt trotzt seit 1913 der Kilauea-Leuchtturm auf seinem hohen Felsen den heranrollenden Riesenwellen des Pazifiks.

Wer Abwechslung zum Strandleben sucht, der findet im dichter besiedelten Abschnitt zwischen Lihue und Kapaa Museen, Kinos, Golfplätze und relativ ansehnliche Shopping Center. Im ohnehin nicht billigen Hawaii haben sie allerdings ihren Preis. Es ist schon eine Herausforderung, in der Hauptsaison zwischen Dezember und März, der schönsten Jahreszeit auf Hawaii, günstigere Angebote zu finden. Aber auch hier sticht Kauai die anderen Inseln aus. Etwas einfacher wird es mit den Schnäppchen von März bis Juni, wenn viele Studenten vom Festland herüberjetten.

Einstmals besiedelten Seefahrer der Südsee das fast 4.000 Kilometer von Kalifornien und über 6.000 Kilometer von Japan entfernte Hawaii-Archipel. Auf den Bergspitzen riesiger unterseeischer Vulkane - denn nichts anderes ist Hawaii - werden immer noch die alten Tänze der polynesischen Kultur gepflegt. Zumindest einmal sollte sich der Besucher daher eine Vorführung des „Hula” anschauen, der bis heute in speziellen Schulen gelehrt wird. Hula ehrte einst die Götter - unter denen Pele, die Herrscherin der Vulkane, eine zentrale Stellung einnahm.

Auch andere Bräuche der Inselgruppe haben eine lange Tradition: So soll der Lei, ein Kranz aus Blumen oder anderem Material, die Schönheit Hawaiis symbolisieren. Der Kranz kann um den Hals oder um den Hut getragen werden. Jede Insel hat dabei ihre eigene Farbe - die von Kauai ist violett. Ein weiterer Brauch ist der Gruß „Aloha”, was „Hallo” oder „Tschüs” bedeuten kann - aber auch „locker drauf”. Schließlich ist es nicht Stil der Hawaii-Inseln, sich Sorgen zu machen oder in Hektik auszubrechen. Und das gilt vor allem für das verträumteste Eiland des Archipels, für Kauai.
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