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Deutschlands geografisch tiefster Punkt liegt in Schleswig-Holstein

Von: André Klohn, ddp-Korrespondent
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"Tiefste Landstelle der B.R. Deutschland" steht in Neuendorf-Sachsenbande auf einem Holzschild, das die geografisch tiefste Stelle Deutschlands markiert. Exakt 3,539 Meter unter Normalnull befindet sich Deutschlands geografisch tiefster Punkt im schleswig-holsteinischen Neuendorf-Sachsenbande. Foto: ddp

Neuendorf-Sachsenbande. Das Pendant zur höchsten Erhebung in Deutschland, der 2962 Meter hohen Zugspitze, in der Wilstermarsch ist unscheinbar und nicht leicht zu finden. „Ja, danach erkundigen sich viele”, antwortete der freundliche junge Mann auf die Frage zu dem Weg dorthin.

Dann zeigt er die Richtung: immer geradeaus, bis es nicht mehr weiter geht, dann rechts. Schließlich liege sie linkerseits der Straße, die tiefste Landstelle Deutschlands.

Exakt 3,539 Meter unter Normalnull befindet sich dieser Punkt im schleswig-holsteinischen Neuendorf-Sachsenbande. Fast der gesamte Ort mit seinen knapp 500 Einwohnern liegt unterhalb oder auf der Höhe des Meeresspiegels. Nur kleine Hinweisschilder machen auf das direkt an der Landstraße 135 bei Kilometer 6,4 gelegene Areal aufmerksam.

An einem Holzpfahl prangt die Aufschrift „Tiefste Landstelle der B.R. Deutschland”. Links und rechts davon wehen die Farben Schleswig-Holsteins und Deutschlands. Wenig Meter daneben veranschaulicht ein mehr als acht Meter hoher Pfahl die Relation. Er zeigt die Höhe der Elbdeiche an und auch Markierungen für die Sturmfluten vergangener Jahrzehnte.

Den höchsten Stand erreichte das Wasser mit 6,16 Meter über Normalnull am 3. Januar 1976. Hätte es die acht Meter hohen Elbdeiche nicht gegeben, hätte das Wasser dort knapp zehn Meter hoch gestanden. Im Hintergrund drehen sich die Windräder in der Wilstermarsch.

Tausende Menschen machen hier jedes Jahr Rast. Bei Regen finden sie in einem kleinen Häuschen Unterschlupf. Dort hängt auch ein unscheinbares schwarzes Ringbuch. Etwa 1850 Seiten hat die knapp 500 Einwohner zählende Gemeinde in den vergangenen sechs Jahren archiviert.

„Etwa zehn Menschen tragen sich darin jeden Tag ein”, sagt Sonderschullehrer Hartmut Meinke. Der 60-Jährige hat die Einträge vergangener Jahre ausgewertet. Er schätzt, dass bereits 57 000 Menschen an der tiefsten Landstelle gewesen sind. „Wat ne schöne Gegend ihr hier habt”, schreibt in dem Gästebuch etwa die „Berliner Göre” Linda nach ihrem Besuch.



„Ach, was sind wir tief gesunken”, findet eine Radfahrer-Gruppe aus Salzgitter. Das schwarze Ringbuch wird regelmäßig mit frischem Papier bestückt. Die Besucher in der Wilstermarsch kommen teilweise von weit her, wie die jüngsten Eintragungen beweisen. „Very interesting”, schreibt Judy „all the way from Connecticut” in den USA hinein.

Axel Krohn sitzt auf einer Bank aus massivem Holz und blickt zum Holzpfahl hinüber. Die eigentliche Senke liegt auf privatem Grund in Sichtweite dahinter. „Seit 1987 haben wir es schwarz auf weiß”, sagt der Bürgermeister des kleinen Ortes. Am 3. September 1987 ließ das Katasteramt Itzehoe die Gegend amtlich vermessen.

Vorausgegangen war ein Streit mit der ostfriesischen Gemeinde Krummhörn. Die Ostfriesen beanspruchten den tiefsten Punkt der Republik für sich, wollten die in Freepsum ausgewiesenen 2,30 Meter unter Normalnull marketingtechnisch nutzen. „Die Ostfriesen argumentierten, dass ihre tiefgelegene Fläche größer sei”, sagt der 45-jährige Krohn.

Das Ergebnis der behördlichen Messungen vor Ort war jedoch eindeutig. „Knapp 20 Hektar Land liegen hier tiefer als 2,30 Meter unter Normalnull”, sagt der Kommunalpolitiker. Nach einigem Streit der Behörden darüber, wo ein entsprechendes Hinweisschild aufgestellt werden darf, kaufte die Gemeinde 1991 das kleine Stück Land an der Landstraße und stellte den Pfahl auf.

Touristisch vermarktet wird die tiefste Landstelle von der Gemeinde Neuendorf-Sachsenbande nicht. ”Bis jetzt ist uns noch nicht der richtige Weg eingefallen„, sagt Krohn. Dennoch finden viele Touristen den Ort. ”Hocherfreut war ich heute am zweiten tiefsten Punkt in Deutschland. Vor Jahren besuchte ich meinen ersten Punkt, der lag aber in Ostfriesland", lässt Thomas Anfang Juli per Gästebucheintrag wissen.
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