Der Kick im Canyon: Zu Fuß durch die Saklikent-Schlucht

Von: Carina Frey, dpa
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Sakklikent-Schlucht
In der Sakklikent-Schlucht ragen die Felswände rechts und links in die Höhe. Erst sprudelt das Wasser nur unter den Füßen, dann wird die Strömung schnell stärker.

Saklikent. Den Weg weisen handgemalte Schilder. „Saklikent” steht in krakeliger Schrift auf einem grob gezimmerten Holzpfeil. Die Schlucht gehört zu den Hauptsehenswürdigkeiten der türkischen Südwestküste.

Auf dem Weg dorthin merkt man allerdings wenig davon. Die Straße führt durch duftende Pinienwälder und kleine Orte, in denen ein paar Männer vor dem Teehaus sitzen und vorbeifahrenden Autos hinterhergucken. Als wäre sie für Touristen bestellt, treibt eine alte Bäuerin ihre Kühe und Ziegen am Straßenrand entlang.

Einmal angekommen zeigt sich aber schnell, dass Saklikent ganz auf den Tourismus eingestellt ist: Parkplätze reihen sich aneinander, ebenso Souvenirläden mit imitierten Marken-T-Shirts und Hosen. Restaurants haben ihre Sitzkissen auf hölzernen Pontons über dem Fluss ausgelegt, man kann in Baumhäusern übernachten.

Kurz dahinter liegt der Eingang zur Schlucht. Die ersten 200 Meter geht man bequem auf einem Holzsteg entlang. Steil ragen die Felswände rechts und links in die Höhe. Das Wasser sprudelt unter den Füßen, es ist schlammig grau vom lehmigen Untergund. Dann öffnet sich die Schlucht zu einer Art felsiger Lichtung. Ein paar Bäume stehen dort, dazwischen wächst Gras, türkische Familien picknicken.

Spätestens hier fallen die klitschnassen Touristen auf - manche in Bikini und Badehosen, andere mit triefenden T-Shirts und Shorts. Denn hier, wo sich die Schlucht noch einmal breit macht, ist Schluss mit der bequemen Besichtigung. Wer tiefer in den Canyon hinein möchte, muss ins Wasser. Und das ist nicht nur kalt, sondern hat ordentlich Druck - vor allem im Frühjahr.

Die erste Passage führt über eine Art Stromschnelle, die von außen betrachtet harmlos wirkt. Bis ein junger Mann versucht, sie zu überwinden. Nach wenigen Schritten versinken die Knie im Wasser, dann auch Bauch und Brust. Er rudert mit den Armen, wird mitgerissen, findet mit den Füßen Halt, stemmt sich gegen den Druck und gelangt schließlich ins flachere Wasser. Wer ihm zugesehen hat, wundert sich nicht mehr über die herumstehenden Schilder, die raten, die Schlucht nur mit einem Führer zu erkunden.

Einer von ihnen ist Salih. Er ist klein und hat einen runden Bauch, und beides ist ideal für seinen Job. Denn er steht in der Stromschnelle wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Hand in Hand mit ihm spürt man zwar immer noch den Wasserdruck, fühlt, wie man droht, nach unten gespült zu werden, bleibt aber auf den Beinen.

Danach geht es ein paar Meter harmlos am Felsrand entlang, das Wasser umspielt die Knöchel. Dann muss man wieder mitten in den Fluss, der sofort mit Wucht gegen Bauch und Brust drückt. Salih legt den Arm um den Rücken seines Schützlings, damit der nicht mitgerissen wird. Es geht über Felsbrocken - hoch auf Salihs Hand gestützt, runter auf dem Hintern. Das Kraxeln macht großen Spaß, Selbstzweck ist es aber nicht. Wenn sich der Fluss mal wieder etwas breiter macht und sanft die Waden umplätschert, ist Gelegenheit, nach oben zu blicken - und zu staunen.

Senkrecht ragen die Felswände in den Himmel, bis zu 700 Meter geht es hinauf. Mal sind sie glatt wie von Menschenhand beschlagen, mal durchbrochen von Felsvorsprüngen, Höhlen und Ausbuchtungen. Der Canyon verjüngt sich und beult aus, führt um Kurven und bergauf. Einen Kilometer in die Schlucht hinein führt Salih, zweieinhalb der insgesamt 17 Kilometer wären möglich. Aber langsam frieren die Beine, das Steinchensammelsurium in den Schuhen pikst bei jedem Schritt.

Auf dem Rückweg - wieder über Felsen, wieder durch den Fluss - hält Salih an einer Schlammmulde an. Er nimmt eine Handvoll des graubraunen Zeugs und verteilt es auf Gesicht und Armen seines Schützlings. Angeblich ist es gut gegen alle möglichen Leiden, vom Sonnenbrand bis zum Insektenstich.

Triefend nass endet der Ausflug in die Saklikent-Schlucht, Salih bekommt ein Trinkgeld in die Hand gedrückt, und die Souvenirhändler am Eingang reiben sich die Hände. Denn nur die gut organisierten Touristen haben ein Handtuch am Picknickplatz deponiert. Alle andere kaufen jetzt ein trockenes T-Shirt und Shorts zum Touristenpreis.
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