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Daher der Name „blu”: Erste Brauerei auf einem Kreuzfahrtschiff

Von: Julia Spurzem, ddp
Letzte Aktualisierung:
AIDAblu
Das Kreuzfahrtschiff „AIDAblu” passiert in Leer die Jann-Berghaus Bruecke. Das 252 Meter lange Schiff ist das vierte von insgesamt sechs Schiffen, die die Rostocker Reederei AIDA-Cruises in Papenburg bei der Meyer-Werft bauen lässt. Foto: ddp

Hamburg/Rostock. Von seinem jetzigen Arbeitsplatz konnte Andreas Hegny früher nicht einmal träumen. „Köche können vielleicht mit so etwas rechnen, aber wenn man Bier braut, denkt man gar nicht erst daran”, sagt der 27-Jährige. Hegny ist Deutschlands erster Braumeister auf hoher See.

Er stellt täglich bis zu 600 Liter Bier in der Brauerei des Kreuzfahrtschiffes „AIDAblu” her - egal ob das Schiff gerade im Mittelmeer in Richtung Mallorca fährt oder durch die Ostsee schippert.

„Man kommt wohl schon ziemlich rum in der Welt”, sagt Hegny voller Vorfreude. Denn eine genaue Vorstellung von dem, was ihn eigentlich erwartet, hat der Braumeister, der zuvor im hessischen Michelstadt Bier gebraut hat, im Moment noch nicht. Schließlich wird die „AIDAblu” erst am Dienstag (9. Februar) im Hamburger Hafen getauft.

Seinen Arbeitsplatz kennt Hegny aber schon. Seit Dezember, als das Schiff noch in der Meyer-Werft in Papenburg lag, braut der 27-Jährige bereits Bier an Bord. Als er anfing, Malz, Hefe, Hopfen und Wasser in Bier zu verwandeln, war vieles auf dem Kreuzfahrtschiff noch eine Baustelle. „Ich hätte nie gedacht, dass das alles mal fertig wird”, sagt Hegny.

Gebraut werden an Bord insbesondere zwei Sorten Bier, darunter das „AIDA Zwickel”. „Das ist ein helles, unfiltriertes Bier mit einer leichten Karamellnote”, erzählt der Braumeister. Hinzu kommen diverse Aktionsbiere, derzeit etwa ein Eisbock. Das habe aber nichts mit dem Wetter zu tun. Insgesamt können in den Kesseln 13.000 Liter Bier lagern.

Für die Herstellung des Bieres nach dem deutschen Reinheitsgebot wird das Malz direkt an Bord geschrotet. Dazu sind auf dem Schiff zwei verschiedene Malzlager untergebracht. „Um die optimalen Mischungen herzustellen, verwenden wir etwa sieben verschiedene Malzsorten”, erklärt Hegny.

Vorwürfe, man würde auf dem Schiff kein richtiges Bier herstellen, will er nicht zulassen. Denn auch die Hefe, die für den rund vierwöchigen Brauprozess gebraucht wird, wird an Bord des 252 Meter langen und 32,2 Meter breiten Schiffes gezüchtet. „Es ist also eigentlich alles so wie auch bei einer normalen Brauerei”, sagt Hegny.

Etwas ist aber doch anders: Bei der Konstruktion der Kessel mussten die Ingenieure die Bewegungen des Schiffes auf hoher See besonders beachten und mit einer speziellen Konstruktion arbeiten, um den sensiblen Brauprozess nicht zu gefährden. Wie das Prinzip genau funktioniert, will Hegny nicht verraten - schließlich könnten andere Kreuzfahrtunternehmen das Konzept übernehmen.

Auch andere Kreuzfahrtunternehmen bauten inzwischen solche Angebote an Bord verstärkt aus, um den Reisenden zusätzliche Anreize zu offerieren, sagt Kreuzfahrtexperte Helge H. Grammerstorf vom Beratungsunternehmen SeaConsult. „Es geht darum, etwas zu bieten, was den Cluburlaubern entgegenkommt”, sagt er. „Ob das dann immer eine Brauerei sein muss, ist die andere Frage.”

„Wir sind immer dankbar, wenn sich Dritte um das deutsche Nationalgetränk bemühen", sagt Marc-Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund. Schließlich sinke der Bierkonsum in Deutschland seit vielen Jahren. Während im Jahr 2000 der Bierabsatz der deutschen Brauereien laut Statistischem Bundesamt noch rund 110 Millionen Hektoliter betragen hat, waren es 2009 gerade noch 100 Millionen Hektoliter. Inzwischen hat der Brauer-Bund deshalb auch eine Imagekampagne ins Leben gerufen.

Hegny will nun seinen Gästen den Brauprozess mit Hilfe der gläsernen Kessel täglich näherbringen und so mehr über das Bier vermitteln. Doch im Moment muss sich der 27-Jährige noch etwas gedulden und sich im Hamburger Hafen auf Büroarbeit beschränken.

Eigentlich hätte das Schiff zwar am Wochenende mit ersten Gästen auf eine Erkundungsfahrt in die Nordsee starten sollen. Wegen der starken Eisbildung in der Elbmündung jedoch wurde die Fahrt abgesagt, das Schiff blieb im Hamburger Hafen. Und dort, so wie auch in anderen deutschen Häfen, darf Hegny wegen der Zollvorschriften kein Bier brauen.
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