San Juan - Brüllfrösche und Blasmusik: Puerto Rico für Entdecker

Brüllfrösche und Blasmusik: Puerto Rico für Entdecker

Von: Bernd Kubisch, dpa
Letzte Aktualisierung:
Brüllfrösche und Blasmusik - Puerto Rico für Entdecker
Die Insel Culebra ist mit ihren Palmen, Agaven, Kakteen und Oleandern ein kleines Paradies. Auf dem Nachbareiland Vieques leben sogar Wildpferde. Foto: dpa

San Juan. Palmen, Piña Colada, Sonne, Sand und warme Wellen gehören zu jedem Puerto-Rico-Aufenthalt. Wer es mag, steigt in einem Hochhaushotel mit Kasino und vollem Stadtstrand wie in San Juan ab. Doch die Insel in der Karibik hat noch mehr zu bieten: Regenwälder und Kaffeefarmen, Taco-Stuben mit WLAN und Blasmusik-Stadl, schreiende Minifrösche und wilde Pferde.

Die Straße wird enger, steiler und kurviger. Wolken treiben über den Regenwald. Bambusstauden und Riesenfarne wölben sich über den Weg. Einsam ist es hier in den Bergen, 40 Kilometer nördlich der Küstenstadt Ponce im Süden der Insel. Das Tor zur Hacienda Patricia steht offen. Kaffeesäcke türmen sich in einer Lagerhalle. Gäste schenken sich dampfenden Kaffee aus einer großen Kanne ein. „Nur zu, probieren kostet nichts”, ermuntert Manager Luis Vélez. Es mundet. Ein kalifornisches Ehepaar kauft reichlich. Ein Pfund Kaffee kostet auf der Hacienda umgerechnet zwölf Euro. Das ist preiswert. Denn die Bohnen in der Region sind höchster Qualität.

Auch die wenige Kilometer entfernte Hacienda Pomarrosa bietet hochwertigen Kaffee im Direktverkauf an. Etwa 4000 Kilo pro Jahr werden auf der zwischen den Hügeln verborgenen Farm produziert. „Der Tourismus wird langsam zum zweiten Standbein”, sagt Sebastian Legner Santiago. Der junge Deutsch-Puerto-Ricaner und seine Familie bauen gerade ein paar Bungalows zwischen Kaffeepflanzen, Kokospalmen und Helikonien. Etliche Urlauber schätzen das Landleben ohne Discos, glitzernde Kasinos und Fernseher auf dem Zimmer.

„Coquiiii” schallt es immer wieder durch die Landschaft. Sebastian kann sich ein Lachen nicht verkneifen, wenn er die verwunderten Gesichter seiner Gäste sieht, die das seltsame Quäken des Coqui-Frosches nicht einordnen können. „Die sind so winzig, kaum zu sehen”, sagt der junge Mann und zeigt auf seinen Daumen. Trotzdem sind die braunen Zwerge bis zu einem Kilometer weit zu hören. Besonders laut ist das Konzert im Yunque-Nationalpark, der gut eine Autostunde von San Juan entfernt liegt.

Auch in den eher abgeschiedenen Dörfern gibt es die typischen Satt- und Dickmacher vom Burger über Tacos bis hin zu Quesadillas. Viele Imbisse bieten sogar Gratis-WLAN an. Auch das kann Karibik-Urlaub sein: den Kaffee aus dem Plastikbecher, die Bundesliga-Ergebnisse auf dem Laptop und der Blick aus 1000 Meter Höhe auf knallrot blühende Afrikanische Tulpenbäume, Täler, Wälder und den Ozean.

Sogar eine handfeste Überraschung wartet in den Bergen: Die „Casa Bavaria” mit Blasmusik, schicken Señoritas im Dirndl, Bratwurst, Haxe, Sauerkraut und Fassbier. „Das mögen die Insulaner”, sagt Mike Lopez aus Franken. Zum Oktoberfest hat der Wirt 3000 Gäste pro Tag - und eine blockierte Landstraße. Auch Bill Clinton und Felix Magath haben es sich in dem bayerischen Restaurant angeblich schon schmecken lassen, erzählen Stammgäste.

Klassik und Art Déco statt spanischer Architektur bietet Ponce, die zweitgrößte Stadt der Insel. Puerto-Ricaner und nicht etwa die Kolonialherren erbauten die „Perle des Südens”, zu deren Besuchermagneten etwa das alte Feuerwehrhaus Parque de Bombas gehört. Kolumbus landete 1493 auf der Insel, die Spanien nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 an die USA abtreten musste. Die Insulaner sind heute stolz auf ihren US-Pass, bevorzugen aber weiter ihren traditionellen Lebensstil. Familie, Freunde und Freizeit sind wichtiger als Überstunden. Privat wird Spanisch gesprochen, beim Geschäftlichen meist Englisch.

Viele Besucher zieht es ins Fischerdorf Boquerón im Westen Puerto Ricos. Dort gibt es frische Limetten und Austern, das Dutzend zu umgerechnet neun Euro. Zahlreiche Destillerien sorgen dafür, dass der Insel der Rum nicht ausgeht. Viele der Schnapsbrennereien haben kubanische Wurzeln, wie der auf der Insel beliebte Mojito aus hellem Rum, Limettensaft, frischer Minze, Zucker, gestoßenem Eis und Sodawasser. „Aber die Piña Colada kommt aus Puerto Rico”, betont Charles Rodriguez, der durch eine der Destillen führt.

Sowohl das Hotel „Hilton Caribe” als auch das Restaurant „Barrachina” - beide in San Juan - reklamieren die Erfindung des cremig-süßen Cocktails aus Rum, Kokosnusscreme und Ananassaft für sich. Das Hotel nennt das Jahr 1954, das Restaurant wirft die Jahreszahl 1963 in den Ring. Allerdings hatte der Cocktail bereits vorher auf Kuba viele Freunde, berichtete zum Beispiel die „New York Times” 1950. „Das kann doch nicht wahr sein”, entfährt es Führer Rodriguez, als ihm ein Spanier davon erzählt.

„Ist doch egal, Hauptsache das Zeug schmeckt”, sagt später Busfahrer José Morales, als er von der Diskussion erfährt. Anstatt zu streiten, gibt der 45-Jährige lieber noch ein paar Tipps für preisbewusste Touristen: Vom Flughafen San Juan fährt für umgerechnet 0,55 Euro ein Bus bis in die historische Altstadt, die Weltkulturerbe ist. Endstation ist direkt zwischen Fort San Cristóbal und den weißen Ozeanriesen am Pier. 20 Fußminuten sind es von dort aus zur Festung El Morro. Vom Altstadthafen schippern Fähren für 40 Cent auf die andere Seite der Bucht nach Cataño. Auch die Stadtbahn, die Tren Urbano, bringt Reisene günstig ans Ziel.

Puerto Rico gehört zu den ärmsten Regionen der USA. „Aber in der Karibik gehören wir zu den Reicheren”, sagt José Morales. „Und reich sind wir sowieso, menschlich gesehen, die meisten von uns sind froh über Familie, Freunde und die vielen Feste.”

Für US-Amerikaner vom Festland ist Puerto Rico eine feste Reisegröße. Viele Insulaner wünschen sich aber auch mehr Touristen aus anderen Teilen der Welt. Neuerdings verbringen immer mehr Deutsche, die von San Juan aus auf Karibik-Kreuzfahrt gehen, einige Tage auf der Insel. Das hat die Deutsche Ute Spengler festgestellt. Die 53-Jährige ist Simultandolmetscherin am höchsten Gericht Puerto Ricos, führt nebenbei aber auch Passagiere von Kreuzfahrtschiffen durch die Stadt. „Puerto Rico sollte verstärkt mit seiner üppigen Natur, Gastfreundschaft, familiären Hotels und Haciendas werben”, sagt Spengler. Das komme bei den Europäern an.

Die schönen Strände an der Nordküste verschmähen die Besucher aber oft noch. Besonders schön und feinsandig ist es in Luquillo, wenige Kilometer östlich von San Juan. Trotzdem bleiben Urlauber meist lieber an ihrem Hotelstrand. So trifft man in Luquillo fast nur Einheimische an. An den Bars und Snackbuden am Wasser gibt es Bier, Rum-Cocktails, Tacos, Empanadas und Hühnerbein vom Grill.

Wer einsame Strände und karibisches Dorfleben kennenlernen möchte, sollte Culebra und Vieques besuchen. Die kleinen Inseln liegen wenige Kilometer vor Puerto Ricos Ostküste und sind schnell mit dem Propellerflugzeug oder der Fähre zu erreichen. Auf Vieques leben mehr als 300 Wildpferde, die Paso Fino. Einst wurden die kräftigen Tiere in der Landwirtschaft eingespannt und waren für den Ritt von Dorf zu Dorf gefragt. Heute ziehen die Tiere vom Menschen unbehelligt von Wiese zu Wiese - es sei denn, jemand folgt dem Ratschlag von Keith Gumbs, einem der Piloten, der die Inseln anfliegt: „Wenn Du ein Pferd brauchst und reiten kannst, dann nimmst Du eins und lässt es an Deinem Haus oder an der Bar wieder laufen.”

REISEZIEL: Mit knapp 9000 Quadratkilometern Fläche ist Puerto Rico ungefähr halb so groß wie Sachsen. Die Insel mit vier Millionen Einwohnern ist die östlichste der Großen Antillen. Puerto Rico ist ein Überseegebiet der USA, zählt aber nicht zu deren Bundesstaaten.

ANREISE UND FORMALITÄTEN: American Airlines, Continental Airlines, United Airlines oder Iberia fliegen San Juan an, meist mit Umsteigen in den USA. Tickets kosten ab 700 Euro. Deutsche benötigen kein Visum, müssen sich aber vor ihrer Anreise im Internet anmelden (https://esta.cbp.dhs.gov).

KLIMA, REISEZEIT UND ZEITVERSCHIEBUNG: Puerto Rico ist ein Ganzjahresziel. Hauptreisezeit ist von Dezember bis April. Die Temperaturen betragen im Jahresschnitt 28 bis 30 Grad. Die Insel ist der deutschen Zeit fünf Stunden hinterher, während der Sommerzeit beträgt der Unterschied sechs Stunden.

WÄHRUNG UND SPRACHE: Gezahlt wird mit dem US-Dollar. Für einen Euro gibt es derzeit 1,36 Dollar (Stand: Ende Februar). Amtssprache ist Spanisch. Gesprochen und verstanden wird meist auch Englisch.

UNTERKUNFT UND PREISE: Der Einkauf ist meist preiswerter als in Deutschland. Dies gilt nicht für die Unterkunft, vor allem nicht in der Hochsaison im Winter. In einfachen Hotels kostet das Doppelzimmer ab 60 US-Dollar die Nacht, Luxushotels starten bei 250 Dollar. Die Stromspannung beträgt 110 Volt (60 Hertz), es werden US-Stecker (Typ A und B) verwendet.

GESUNDHEIT: Impfungen sind nicht notwendig. Eine Reisekrankenversicherung fürs Ausland ist empfehlenswert.

INFORMATIONEN: Puerto Rico Tourism Company, Schenkendorfstraße 1, 65187 Wiesbaden (Tel.: 0611/26 76 710).
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