Beten mit den Füßen: Neue Karten zum Start der Pilgersaison

Von: Veronika Schütz (kna)
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Gehen und gehen, bis an die Grenzen oder darüber hinaus: Pilgern ist Jahrhunderte alt und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Bei der Wahl der richtigen Route hilft das Buch von Stephan Hormes. Er hat erstmals fast alle Wege und Wallfahrtsorte des Christentums zusammengefasst. In zwei Karten: eine für Deutschland und eine für Europa. Foto: dpa

Bonn. Sie gehen und gehen, bis an ihre Grenzen oder darüber hinaus. Sie suchen sich, oder Gott, oder beide. Und dafür machen sie sich auf den Weg - entweder zum nächsten Wallfahrtsort oder auch quer durch Europa.

Am Wochenende eröffnet die katholische Kirche in Deutschland die Pilgersaison, und dann sind die Pilger wieder scharenweise unterwegs.

Nicht erst seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg” ist Pilgern „in”. Seit jeher gehen die Menschen dem Bedürfnis nach, aus religiösen Gründen in die Fremde zu gehen. Früheste Dokumente gibt es aus dem Jahr 333. Peregrinus - von diesem lateinischen Wort für Fremde leitet sich das heutige Pilgern ab. Pilgern - das ist Beten mit den Füßen sagen manche.

Doch bevor es losgehen kann, sind einige Vorbereitungen nötig: gutes Schuhwerk, körperliche Fitness und vor allem die Planung der Route. Denn allein auf Gott zu vertrauen, der einem den Weg weist, wäre in diesem Fall wagemutig. „Angesichts einer Fülle von weit mehr als hundert historischen Pilgerwegen in Deutschland und Europa, die von Tausenden heiliger Stätten gesäumt werden, fällt die Wahl der richtigen Route mitunter schwer”, sagt Stephan Hormes von Kalimedia.

Er hat erstmals fast alle Wege und Wallfahrtsorte des Christentums zusammengefasst. In zwei Karten: eine für Deutschland und eine für Europa. Von Trondheim bis Rom, von Santiago de Compostela bis Jerusalem werden die unterschiedlichen Wege in verschiedenen Farben hervorgehoben. So ist der Jakobsweg mit seinem dichten Netz aus 40 Wegen orange und Wege nach Rom rot gekennzeichnet. Nach Trondheim zum Schrein des heiligen Olav gehts auf grünen Pfaden, und die braunen Wege beschreiben die Reise nach Jerusalem. „Wichtig war eine ausgeglichene Darstellung der klassischen und der weniger bekannten Wege”, sagt Hormes.

Als Grundlage für die Karten dienten Pilgerberichte und Reisehandbücher. Die Hauptvariante des Jerusalemwegs basiert etwa auf dem ältesten bekannten Reisebericht aus den Jahren 333-334. Ein unbekannter christlicher Pilger dokumentierte im „Itinerarium Burdigalense” seine Reise auf dem Landweg von Burdigala (Bordeaux) nach Jerusalem. Ein Dialog zweier Mönche, festgehalten vom Abt von Stade in der Weltchronik „Annales Stadenses” aus dem Jahr 1204, beschreibt sehr genau verschiedene Wege nach Rom. Auch die wurden in die Karten eingezeichnet.

Auch die heiligen Stätten der Christenheit finden ihren Platz in den Karten. Ob Kirchen, Klöster, Kapellen, Schwarze Madonnen oder Dome: Hormes hat für sie eigene Zeichen und Signaturen entwickelt, so lassen sie sich sofort erkennen. Ergänzt werden die Einträge im Verzeichnis durch Angaben der Termine für Messen, Wallfahrten und Prozessionen. Geschichtsträchtig wie das Pilgern ist auch die Gestaltung des Kartenwerks: in Antikoptik. Hormes fotografierte dafür original handgeschöpftes Papier, digitalisierte es und nutzte es als Grundlage für die Karten.

Nach Monaten der Arbeit ist diese Übersicht pünktlich zur Pilgersaison erschienen. Und wenn zum diesjährigen Jakobusjahr eine Viertelmillion echte Pilger und Millionen Besucher auf dem Jakobsweg erwartet werden, könnte es eng werden unterwegs. Da lohnt sich der Blick in die Karte nach einer Alternative abseits des Hauptweges vielleicht umso mehr: Nicht, dass sich die Pilger im Weg stehen.
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