Bekannteste Schlucht im Outback: Zu Fuß um den Kings Canyon

Von: Christian Röwekamp, dpa
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Unterwegs in der „Lost City”: Hier haben die Kings-Canyon-Wanderer den anstrengenden Aufstieg schon hinter sich. Foto: dpa

Alice Springs. Es ist erst zwanzig vor sieben am Morgen, doch die ersten Busreisegruppen sind längst da: Wer den Kings Canyon mitten in Australien im besten Licht sehen will, darf den Wecker nicht zu spät stellen.

Kurz nach Sonnenaufgang leuchten die steilen Sandsteinwände besonders intensiv in Rot, Orange, Gelb und Ocker. Der Canyon ist die bekannteste Schlucht im Outback und ein beliebtes Ziel für Touristen, die auf dem Weg von Alice Springs zum Ayers Rock einen Abstecher einlegen möchten. Viele gehen in die Schlucht hinein und bestaunen die enormen Felsen von unten. Noch interessanter aber ist der „Rim Walk”, der auf einem Plateau einmal um sie herumführt.

„Willkommen am Herzinfarkt-Hügel”, sagt der Reiseleiter, grinst und schiebt seinen Hut in den Nacken. „Cardiac hill” nennen manche Einheimische den steilen Aufstieg zum „Rim walk”. Hier sind auf kurzer Distanz rund 100 Höhenmeter zu meistern - ein weiterer Grund für einen Ausflug am Morgen, denn mittags wird es oft heiß. Das gilt vor allem für den Outback-Sommer von Oktober bis April, wenn außerdem unzählige Fliegen den Besuchern in Nasen und Ohren kriechen.

So anstrengend wie erwartet ist der Aufstieg dann aber nicht - der Weg ist gut ausgeschildert und befestigt. Und tritt doch einmal ein Problem auf, stehen am „Rim Walk” vier Notruftelefone bereit, mit denen die Ranger des Watarrka Nationalparks alarmiert werden könnten.

440 Millionen Jahre alt sind einige Gesteinsschichten des Kings Canyon, der zum Gebirgszug George Gill Range gehört. Die Geschichte der Schlucht begann vor etwa 20 Millionen Jahren mit einem feinen Riss im Felsplateau, der durch Regen und Wind immer breiter wurde. Zum bisher letzten größeren Feststurz kam es in den 1930er Jahren an der Nordwand. Einige Brocken im Canyon sind größer als ein Reihenhaus. Sie sind nicht alle aus der Nähe zu sehen, denn die Orte im Inneren der Schlucht sind den lokalen Luritja-Aborigines zum Teil heilig - nur mit ihren Riten vertraute Männer dürfen dorthin.

Solche Beschränkungen gibt es am „Rim Walk” nicht. Gut zweieinhalb Stunden dauert der Marsch, der zum Teil nahe an die Abbruchkante heranführt - ein Terrain nur für Schwindelfreie ohne Höhenangst. Der Schweiß rinnt von der Stirn, aber immer wieder gibt es Interessantes zu entdecken. Manche Formationen auf dem Plateau haben Namen erhalten - die „Lost City” zum Beispiel erinnert ein wenig an große steinerne Bienenstöcke, zwischen denen sich die Hitze staut. Zum „Garten Eden” gehört ein eiskaltes Wasserloch, um das herum sich etwas Vegetation sammelt.

Benannt wurde der Canyon nicht nach einem englischen König, wie in Australien vielleicht zu vermuten wäre. Als Ernest Giles 1872 als erster gebürtiger Europäer hierher kam, entschied er sich für seinen Bekannten Fiedler King als Namensgeber. Wie ein kleiner König fühlen darf sich allerdings jeder, der wieder zum Parkplatz heruntersteigt, wo die Tourbusse bereits mit laufender Klimaanlage warten. Die nächsten Ziele warten schon, meist Alice Springs oder der Ayers Rock.

Das Outback zeigt sich in diesem Teil von seiner zahmen Seite, die Straßen sind durchgehend asphaltiert, auch die zum Kings Canyon. Seit Anfang 2008 gilt im Northern Territory außerhalb von Ortschaften sogar ein Tempolimit: Maximal 130 Stundenkilometer sind jetzt erlaubt. Kurios erscheinen die Schilder an manchen Kreuzungen im Nirgendwo. Als stehe er gerade direkt an der Staatsgrenze, wird der Autofahrer daran erinnert, dass er in Australien bitte links zu fahren hat. Oder dass es auch im Northern Territory verboten ist, rote Ampeln zu missachten - dabei ist die nächstgelegene Möglichkeit dazu mehr als 300 Kilometer entfernt.

Einen Stopp auf dem Weg nach Alice Springs sollten Touristen auf jeden Fall einlegen: In der Gaststätte in Stuarts Well wartet „Dinky the Dingo” auf Publikum. Der Wildhund wurde vom Besitzer Jim Cotterill großgezogen, dessen Töchter einst Klavierstunden nahmen. Noch heute springt „Dinky” deshalb gern auf das alte Piano im Gastraum und heult gnadenlos, während er die Tasten bearbeitet.
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