Auf Sylt und Föhr gegen den Wind golfen

Von: Dagmar Garbe, dpa
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Golfen gegen den Wind: An Sylts Südzipfel hat im vergangenen Jahr der Platz des GC Budersand eröffnet - der Landschaftsarchitekt Rolf-Stephan Hansen hat einen Links-Kurs geschaffen, wie er bislang nur in Schottland oder Irland zu finden war. Foto: dpa

Hörnum/Leck. Sandstrände, Leuchttürme, Bauernhöfe unter Reet, Schafe auf dem Deich und die Nordsee - das ist das Postkarten-Image des nördlichsten Kreises Deutschlands.

Nordfriesland mit dem Nationalpark Wattenmeer, den Halligen und seinen Inseln Sylt, Föhr und Amrum ist aber nicht nur eine der beliebtesten Ferienregionen des Landes, sondern hat sich auch zu einer attraktiven Golfdestination entwickelt.

Acht Anlagen gibt es in der Region - vier auf Sylt, eine auf Föhr, dazu die Plätze in Hof Berg in der Nähe von Leck, der GC Husumer Bucht und der Nordsee-GC in St. Peter-Ording (9 Löcher). Besonders die Plätze auf Sylt und Föhr erfreuen sich bei Golf-Touristen steigender Beliebtheit. Beide Inseln haben ihr Angebot in diesem beziehungsweise im vergangenen Jahr erweitert.

In Hörnum an Sylts Südzipfel ist ein Golfplatz entstanden, der hierzulande seinesgleichen sucht. Der GC Budersand, 2008 eröffnet, ist einzigartig. Dieser Platz wird geliebt oder gehasst, gelobt oder gnadenlos zerrissen werden, aber mit Sicherheit keinen Golfspieler kalt lassen.

Der bis dahin in Golfkreisen weitgehend unbekannte Sylter Golf- und Landschaftsarchitekt Rolf-Stephan Hansen hat einen waschechten Links-Kurs geschaffen, wie er bislang nur in Schottland oder Irland zu finden war. Auf 42 Hektar Land, wo bis vor kurzem 26 Kasernengebäude die Landschaft um die Budersand-Düne verschandelten, hat er die für einen Links-Kurs notwendige Dünenlandschaft aufgeschüttet und 94 Topfbunker strategisch platziert.

Die 18 Löcher wirken so harmonisch, als gehörten sie seit Jahrzehnten hierher. Die rund 6000 Meter langen, fordernden Bahnen werden einen an manchen Tagen allerdings zur Verzweiflung treiben, wenn der Wind die Bälle ins silbrig schimmernde Dünengras, in die berüchtigten Bunker oder in die Heckenrosen weht.

Vor allem an Loch 15, dem Lieblingsloch der Anlagen-Eigentümerin mit der Vorliebe für Links-Kurse, Claudia Ebert, darf man sich von dem faszinierenden Blick übers Wasser nicht ablenken lassen: Fünf Bunker umrahmen das Grün des kurzen Par-3-Lochs, dahinter lauern Rough und - nicht viel weiter - die Nordsee.

Eine Drivingrange oder spezielle Übungsanlagen sucht man in Budersand vergeblich, das empfohlene Handicap von 28 ist gut durchdacht. Das Greenfee liegt bei 80 Euro. Wer im vor kurzem eröffneten, unmittelbar am Platz gelegenen Fünf-Sterne-Hotel Budersand nächtigt, spielt für 30 Prozent weniger.

Spieler mit höherem Handicap sollten es sich auf Sylt allerdings lieber bequemer machen und sich für den GC Sylt oder den Marine Golf-Club entscheiden. Der GC Sylt zwischen Wenningstedt und Kampen ist der älteste Platz der Insel und trotz seiner diversen Wasserhindernisse und den naturbelassenen Roughs gut zu spielen.

Besonders idyllisch sind die Löcher drei und vier, von denen ein herrlicher Blick über die Braderuper Heide auf das Wattenmeer verdeutlicht, warum es Jahr für Jahr Heerscharen von Gästen nach Sylt zieht. Ein reetgedecktes Clubhaus und ausgezeichnete Übungsanlagen runden das Angebot ab.

Der Marine GC neben dem Westerländer Flughafen ist vor drei Jahren auf 18 Löcher ausgebaut worden. Der Schotte Kenneth Moodie ist im Links-Kurs-Stil geblieben, dennoch hat der Platz einen vollkommen anderen Charakter als der GC Budersand: auch schwierig, auch schön, aber nicht so spektakulär.

Rund 600 Mitglieder und an die 15.000 Greenfeespieler jährlich zeigen, wie gut der Platz angenommen wird. Es gibt auf Sylt noch einen vierten Platz: In Morsum ließ einst der Verleger Axel Springer einen privaten 9-Loch-Platz bauen. Die Anlage, die in diesem Jahr auf 18 Löcher erweitert wurde, ist allerdings pro Tag nur wenigen Greenfee-Spielern zugänglich.

Auf Sylts grüner Nachbarinsel Föhr steht dem Golfspieler nur ein Platz zur Verfügung. Der 1926 gegründete GC Föhr ist allerdings nicht nur der drittälteste Club Schleswig-Holsteins, sondern auch einer der schönsten des Landes. Kaum jemand kann sich dem Flair dieses schicki-micki-freien Clubs entziehen, in dem es in den Sommermonaten von Stammgästen zuzüglich zu den 740 Mitgliedern nur so wimmelt.

Es war allerdings nicht nur diese Beliebtheit im Sommer, die den Vorstand zu einer Erweiterung der Anlage auf 27 Löcher veranlasste. „Wir wollten uns von den künftigen Generationen nicht vorwerfen lassen, wir hätten die Entwicklung verschlafen”, sagt Präsident Joachim Schweim.

Am 18. Juli sind die neuen Bahnen auf Föhr eingeweiht worden, und auch Christian Althaus vom Designbüro Städler ist ein Meisterstück gelungen. Auf nur 20 Hektar Land hat der passionierte Golfspieler die Löcher 19-27 mit den alten 18 verwoben und eine 27-Löcher-Anlage entstehen lassen, die Links-Stil mit Parklandschaft verbindet.

Jedes Loch hat seine eigene, unverwechselbare Optik bekommen, und Christian Althaus hat es sich bei seinem ersten, komplett eigenen Objekt nicht nehmen lassen, beim Einpflanzen der erforderlichen rund 20 000 Strandhafer- und 5000 Ginsterbüsche mitzuhelfen.

Wer sich mit dem Auto auf den Weg zu den nordfriesischen Inseln macht, muss kurz vor dem Ziel entweder auf die Fähre nach Föhr oder in den Zug nach Sylt umsteigen. Wem die Anfahrt in einem Stück zu lang ist oder wer die letzte Fähre nicht mehr erreicht, dem sei ein Abstecher nach Gut Apeldör in Dithmarschen kurz vor Nordfriesland empfohlen.

Hier kann man übernachten und gerne auch eine Runde in dem individuell, persönlich geführten Golfclub spielen. Für Anfänger steht eine 9-Löcher-Anlage zur Verfügung, Fortgeschrittene finden eine echte Herausforderung auf dem 18-Löcher-Kurs.

In Schleswig-Holstein gibt es die „golfküsten-card”, mit der man für 149 Euro 5 mal 18 Löcher auf einer Auswahl von mehr als 40 Anlagen spielen kann. Bis auf die Plätze auf den Inseln sind alle genannten Anlagen angeschlossen.
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