Auf Hippokrates Spuren: Die Strände von Kos

Von: Michael Winckler, dapd
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Das Wasser ist kristallklar und hat schon in der dritten Mai-Woche angenehm erfrischende Bade-Temperatur: Die kilometerlangen Sandstraende von Kos zaehlen zu den schoensten Bade- und Surfplaetzen der griechischen Inseln. Foto: dapd

Kos-Stadt. Der helle, feine Sand am Strand blendet schon in der Morgensonne. Die Farbe der Ägäis changiert von azurblau in Strandnähe bis zu Tiefblau weiter draußen. Das Wasser ist kristallklar und hat schon in der dritten Mai-Woche angenehm erfrischende Bade-Temperatur: Die kilometerlangen Sandstrände von Kos zählen zu den schönsten Bade- und Surfplätzen der griechischen Inseln.

Aber Kos hat viel mehr zu bieten als Wassersportmöglichkeiten. Zahlreiche antike Stätten wie griechische Tempel, römische Theater und Thermen sowie türkische Moscheen zeugen von einer reichen kulturellen Vergangenheit. Wanderer können auf guten Wegen die Berge der Insel erkunden. Und Nachtschwärmer vergnügen sich in der beschaulichen Hauptstadt Kos-Stadt in Bars und Diskotheken.

Kos ist nach dem sechsmal so großen Rhodos sowie Karpathos das drittgrößte Eiland der Inselgruppe Dodekanes. Und es ist die Heimat von Hippokrates, dem berühmten Arztes der Antike, der um 460 v. Chr. auf Kos geboren wurde. Von der sehr sehenswerten archäologischen Stätte des Asklepieion, ein heiliger Ort der Heilkunst des Hippokrates, scheint die türkische Küste mit dem Badeort Bodrum zum Greifen nah. Nur vier Seemeilen beträgt die Entfernung.

Dagegen ist der Hafen Piräus bei Athen mit 370 Kilometern sehr weit weg. „Athen und die griechischen Inseln sind zwei vollkommen verschiedene Welten”, sagt der Tourismus-Präsident der Dodekanischen Inseln, Nikos Sofos.

Die Inselbewohner fühlten sich oft alleingelassen mit ihren Sorgen und fremdbestimmt, weil alle Angelegenheiten vom politischen Zentrum in Athen gesteuert würde, klagt Sofos. Er hofft, dass die Zahl der Buchungen noch anzieht, denn der Saisonbeginn verlaufe schwächer als im vergangenen Jahr, als Griechenland ein starkes Gästeplus verzeichnet habe.

„Wir haben keine Ressentiments gegen Urlauber aus Deutschland”, versichert Sofos mit Blick auf die aktuellen politischen Diskussionen. „Im Gegenteil, wir sind den Deutschen seit langem sehr verbunden und heißen sie als Gäste immer willkommen.” In Athen sei die deutsche Politik im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise kritisiert worden, räumt der Tourismuschef ein, aber deswegen habe niemand etwas gegen Urlauber aus Deutschland.

„Athen mag weit entfernt sein”, sagt auch ein Taxifahrer. „Aber auch bei uns ist die Staatskrise das Hauptthema in den Cafés und Tavernen.” Zur Drachme zurückkehren? „Niemals”, sagt er. „Wir müssen den Euro behalten, sonst wird alles noch schlimmer.

Der Tourist, der die Landessprache nicht spricht, bekommt vom Inhalt der erregten Stammtischgespräche nichts mit und soll davon auch nichts mitbekommen. Denn der Urlauber soll sich rundherum wohlfühlen. Schließlich ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle Griechenlands. Und auf Kos machen alle im Tourismus Beschäftigten dem guten Ruf der Griechen für ihre herzliche, unaufdringliche Gastfreundschaft alle Ehre.

Mittagspause während der Inselrundfahrt am Marktplatz im beschaulichen Dorf Platani: An den Tischen unter großen Platanen vor der Taverne ”Serif„ sitzen hauptsächlich Einheimische. Als Getränk ein Klassiker: mild geharzter Retsina. Außer dem am häufigsten hergestellten weißen gibt es auch roten oder roséfarbenen Retsina. Die Speisekarte bringt der Wirt persönlich.

Zunächst sollten wir bitte einen Blick in seine Küche werfen, dann könnten wir wählen, sagt er. Dort herrscht Hochbetrieb. Eltern, Söhne und Töchter bereiten die feinsten griechisch-türkischen Speisen zu, die die kleine Insel womöglich zu bieten hat. Bei den Vorspeisen trifft die Wahl auf Zucchiniblüten mit Weichkäse gefüllt, süß eingelegte Tomaten, in Rotwein gereiften Ziegenkäse und gegrillten Oktopus. Als Dessert gibt es Joghurt mit Thymianhonig - eine Spezialität aus Kos. Womit das Vorurteil widerlegt wäre, dass die griechische Küche nur aus Tzatziki und Gyros besteht.

Mit einem weiteren Vorurteil wird am späten Nachmittag aufgeräumt. Der Besuch auf den Triantafyllopoulos Vineyards überzeugt von der Qualität des Weinanbaus auf Kos. Schon Hippokrates empfahl maßvollen Weinkonsum zur Erhaltung der Gesundheit. Der Weinanbau wurde auf Kos zwar lange vernachlässigt, aber inzwischen besinnen sich junge Winzer ihrer Tradition. Mit erstaunlichem Ergebnis. Gekeltert werden Weiß-, Rot- und Roséweine aus insgesamt zehn Rebsorten, darunter Chardonnay, Sauvignon Blanc, Syrah und Merlot. Der Wein wird zum Meer hin angebaut, im Hintergrund des Weinguts ragen bis zu 846 Meter hohe Berge auf.

Nicht weit entfernt von den Touristenhochburgen führen Serpentinen zum höchsten Punkt der Insel hinauf. Kleine Häuser und Kirchen schmiegen sich an die Hänge des Dikeos-Gebirges. Dem Wanderer bieten sich auf dem Gebirgszug schöne Ausblicke auf die Ägäis und die türkische Küste.

An Souvenirständen in den Dörfern werden neben Nippes auch der exzellente Thymianhonig sowie wilde Kräuter und Schwämme verkauft. Die Schwämme holten früher Taucher in lebensgefährlichen Einsätzen vor der Küste der Nachbarinsel Kalymnos vom Meeresboden herauf. Heute sind die einheimischen Fanggründe weitgehend abgeerntet.

Zwar verlassen heute noch zu Ostern ein paar Boote mit Tauchern den Hafen von Pothia, um den Sommer über vor der afrikanischen Küste nach Schwämmen zu suchen. Aber da es auch dort nicht mehr genug zu holen gibt, bleibt die genaue Herkunft der Schwämme oft im Dunkeln. Sie werden häufig aus der Karibik oder Asien importiert und im Hafen von Pothia gebleicht. Ein schönes Mitbringsel sind sie trotzdem.

Der Hafen von Kos in Kos-Stadt ist die Drehscheibe auf dem Weg vom griechischen Festland zu den Inseln des Dodekanes. Der optimale Ausgangspunkt, um von Kos nach Patmos und weiter über Leros, Kalymnos und Pserimos nach Nissiros zu hüpfen. Tourismus-Chef Solos nimmt die Fähre nach Rhodos. Eine wunderschöne Fahrt, zweieinhalb Stunden teils entlang der türkischen Küste mit Zwischenstopp im malerischen Hafen der Insel Symi, deren Häuser wie Schwalbennester an den steil abfallenden Klippen kleben.
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