London - Auf den Spuren des Meisterdetektivs

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Auf den Spuren des Meisterdetektivs

Von: Julia Häglsperger, dpp
Letzte Aktualisierung:
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Wo sonst sollte man am besten die Faehrte der brillanten Spuernase aufnehmen als in der Baker Street. Sherlock Holmes Wohnsitz im Haus Nummer 221 B machte die Strasse Ende des 19. Jahrhunderts beruehmt. Foto: www.sherlock-holmes.co.uk

London. Seine Markenzeichen sind eine Pfeife im Mundwinkel, eine große goldene Lupe und eine karierte Deerstalker-Mütze: Sherlock Holmes. Mit dieser Figur erschuf der schottische Autor Arthur Conan Doyle vor 130 Jahren den berühmtesten Detektiv der Literaturgeschichte.

Doyle gelang es mit seinen 56 Geschichten und vier Romanen eine so authentisch wirkende Welt zu schaffen, dass viele Leser glaubten, Sherlock Holmes sei tatsächlich auf Verbrecherjagd durch die Großstadt gestreift.

Briefe aus aller Welt stapelten sich beim Autor, damit er sie an den Detektiv weiterleite. Man erzählt sich sogar, dass sich eine ältere Dame für die Stelle als Haushaltshilfe bei Sherlock Holmes bewarb. Kein Wunder, dass man sich noch heute auf einer Tour durch London auf die Spur des Meisterdetektivs machen kann.

Wo sonst sollte man am besten die Fährte der brillanten Spürnase aufnehmen als in der Baker Street. Sherlock Holmes Wohnsitz im Haus Nummer 221 B machte die Straße Ende des 19. Jahrhunderts berühmt. Allerdings konnte man diese Adresse zur Entstehungszeit der Geschichten noch gar nicht finden. Erst seit im Jahr 1990 das Sherlock Holmes-Museum eröffnete, pilgern Fans aus aller Welt hierher, um die Räume des Meisterdetektivs und seines Partners Doktor Watson zu besichtigen.

Das dreistöckige Haus sieht genauso aus wie es Doyle beschrieben hat: Sherlock Holmes kleiner Salon wird von großen Fenstern zur Straße erhellt, neben dem Kamin stehen zwei große Ohrensessel. Gerade eben sitzt darauf ein japanisches Pärchen, das sich für ein Erinnerungsfoto als Holmes-Watson-Gespann rüstet. Die Frau zieht sich die Deerstalker-Mütze tief ins Gesicht, während der Mann sich den schwarzen Bowler-Hut von Doktor Watson aufsetzt.

Kenner der Geschichten erkennen überall im Haus liebevoll drapierte Details: Sherlock Holmes Pfeifentabak steckt in dem persischen Pantoffel, in der Ecke steht seine Geige, darum herum verstreut zerknitterte Notenblätter. Gern erliegt man der Illusion, in die Welt des Detektivs einzutauchen.

Beim Verlassen des Hauses würde man sich deshalb am liebsten - wie seinerzeit Sherlock Holmes - eine von Pferden gezogene Kutsche heranwinken. Dass auf der Fassade der links und rechts angrenzenden Häuser seltsamerweise die Nummern 237 und 241 stehen, stört niemanden.

Nie hätte sich Doyle wohl erträumt, dass seiner Romanfigur einmal ein eigenes Museum gewidmet werden würde. Eigentlich wollte der Autor stets historische Romane schreiben, aber die immer neu in Auftrag gegebenen Detektivgeschichten ließen ihm dafür nicht die nötige Zeit.

Auf einer Reise in die Schweiz fand Doyle für dieses Problem die Lösung: In den Reichenbach-Wasserfällen sah er das perfekte Grab für Sherlock Holmes. Wenig später inszenierte er in „Das letzte Problem” einen erbitterten Kampf des Detektivs mit seinem Erzfeind Professor Moriarty, bei dem beide dort hinabstürzen.

Triumphierend notierte der Autor in seinem Tagebuch: „Habe Holmes ermordet!” Allerdings hatte er nicht mit der darauffolgenden Welle der Entrüstung gerechnet: Geschäftsmänner stülpten sich schwarzen Trauerflor über die Anzugärmel, eine Frau ohrfeigte Doyle auf offener Straße für den Mord an seinem Romanhelden.

Der große Protest sorgte schließlich dafür, dass der Autor Sherlock Holmes zurückkehren ließ - die Grundlage dafür, dass der Meisterdetektiv bis heute aktiv ist. Erst Anfang 2010 lockte ein actiongeladener Film von Regisseur Guy Ritchie Millionen von Zuschauer in die Kinos, um dem Detektiv beim Lösen eines neuen Falles zuzusehen.

Dass das Interesse an der brillanten Spürnase ungebrochen ist, zeigt auch die rund 40-Mann-starke Gruppe, die sich an einem sonnigen Freitagnachmittag an der U-Bahn-Station Embankment trifft, um auf den Spuren Sherlock Holmes durch London zu streifen.

Die ausgebildete Schauspielerin Corinna führt die Krimifans zu vielen Originalschauplätzen: Das Lyceum-Theater, vor dessen mächtigen Säulen Mary Morstan in „Eine Studie in Scharlachrot” auf den Absender des geheimnisvollen Briefes wartet, das Royal Opera-Haus, in dem Holmes im „Der Hund der Baskervilles” die Oper besucht und das Lieblingsrestaurant des Detektivs „Simpsons in the Strand” sind nur einige Beispiele.

Wirklich beeindruckend wird es, als Corinna von der Vergnügungsmeile „The Strand” plötzlich nach links abbiegt. Schon befindet sich die Truppe in einem winzigen, dunklen Gässchen. An dem heruntergekommenen Mauerwerk der Häuser befinden sich schwarze, verschnörkelte Straßenlaternen.

Obwohl sie heute statt mit Gas elektrisch betrieben werden, versprühen sie einen ganz eigenen Charme, der die Gruppe sichtlich packt. Als Corinna dann noch eine Originalillustration herumreicht, fühlen sich alle gänzlich ins viktorianische London des Detektivs zurückversetzt. Die Zeichnung zeigt Sherlock Holmes und Doktor Watson vor exakt derselben Kulisse.

Solch verwinkelte Gassen und die Menschenmassen der Großstadt erklären, dass selbst der gewiefte Holmes die Spur so manches Verbrechers verlor. So erfordert es durchaus Aufmerksamkeit seine Gruppe im Getümmel nicht aus den Augen zu verlieren.

Letztlich kommen aber doch alle an der Endstation des Rundganges, dem Sherlock Holmes-Pub auf der Northumberland Avenue, an. Nach gut zwei Stunden Streifzug durch das Terrain des Detektivs, ist dies genau der richtige Ort, um sich zu erfrischen. Natürlich ganz nach dem Geschmack Sherlock Holmes mit einem nach ihm benannten Ale.
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