ADAC-Fährentest: Kritik an griechischen „Seelenverkäufern”

Von: Jürgen Balthasar, dpa
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Das Schiff „Ionian King” wurde Sieger in einem Test, bei dem der ADAC 14 Autofähren im östlichen Mittelmeer getestet hatte. Foto: dpa

München. Im Notfall muss der Rettungsplan wie am Schnürchen ablaufen. Doch beim ADAC-Fährentest 2009 waren die Mannschaften auf griechischen Autofähren zum Teil mit den einfachsten Sicherheitsmaßnahmen überfordert.

So habe es auf einem Schiff ewig gedauert, bis ein Löschschlauch korrekt angeschlossen und einsatzbereit war, berichtet Testleiterin Sabine Zuschrott am Donnerstag in München. Auch wegen anderer Sicherheitsmängel fielen beim Fährentest 2009 von den 14 überprüften griechischen Schiffen vier - oder knapp ein Drittel - glatt durch.

Die Liste der beanstandeten Mängel ist lang: Mal war ein Rettungsboot defekt, mal waren Löschstationen und Hydranten schlecht gewartet, und in einem Fall fehlten sogar die vorgeschriebenen Querschotten im Autodeck. Schlechte Noten gab es auch für verrostete Schlösser an Notausgängen oder - wegen der erhöhten Brandgefahr - für Müll und Farbeimer im Autodeck.

Zuschrott nennt das Ergebnis der ADAC-Stichprobe „enttäuschend und alarmierend”. Nach früheren Auffälligkeiten mit verrosteten „Seelenverkäufern” in der Ägäis hatte der Autoclub den diesjährigen Fährentest allein auf Griechenland beschränkt.

Als Tester waren Ende Mai und Anfang Juni unabhängige nautische Sachverständige unterwegs. Nach einem ersten Inkognito-Test gaben sie sich beim Kapitän zu erkennen, ließen sich Schiffspapiere und Maschinenraum zeigen und möglichst auch Notfallübungen vorführen.

In einem Fall war die Feuerbrigade nicht in der Lage, den Löschschlauch rasch an den Hydranten anzuschließen - obwohl das laut Logbuch angeblich regelmäßig geübt wurde. „Vorne kam sozusagen nur ein dünner Pinkelstrahl aus dem Schlauch, während hinten am Hydranten das Wasser in einem dicken Schwall austrat”, erzählt die Testleiterin. Natürlich habe die Crew das dann noch hinbekommen, aber im Ernstfall könne eine solche Panne lebensrettende Sekunden kosten. „Solche simplen Dinge müssen funktionieren.”

Von den getesteten Fähren fielen eine mit der Gesamtbewertung „sehr mangelhaft” und drei mit „mangelhaft” durch, vier Schiffe erhielten lediglich die Note „ausreichend”. Fünf Fähren schnitten mit „gut” ab, aber nur für eine gab es ein „sehr gut”.

Testverlierer war die „Sardinia Vera” der Reederei Kallisti Ferries, die zwischen Piräus auf dem griechischen Festland und Vathi auf der Insel Samos unterwegs war. Den technischen Zustand der 34 Jahre alten Fähre, aber auch das Sicherheitsbewusstsein der Mannschaft nennt der ADAC besorgniserregend. Vor allem fehlten die vorgeschriebenen Querschotten, die bei Wassereinbruch das Fluten des Autodecks verhindern sollen.

„Wenn da was passiert - das läuft voll, so schnell können Sie gar nicht schauen”, betont Zuschrott. Und dann verliere das Schiff seine Stabilität und kentere. Deshalb gebe es in der Seemannssprache ja den Ausdruck „Schotten dicht” - so solle ein Schiff auch bei Notfällen möglichst lange schwimmen können.

Testsieger war nach ADAC-Angaben die „Ionian King” der Reederei Agoudimos Lines, die zwischen Patras auf dem Peloponnes und Igoumenitsa auf dem griechischen Festland verkehrt. Die 18 Jahre alte Fähre bekam in vier von fünf Kategorien Bestnoten, ein dickes Lob gab es auch für „die sehr gut ausgebildete und verantwortungsbewusste Crew”.

Bei Fährunglücken sind in den vergangenen Jahren immer wieder viele Menschen ums Leben gekommen. In Griechenland unvergessen ist der Fall der Fähre „Express Samina”, die im Jahr 2000 mit 534 Menschen an Bord vor der Ferieninsel Paros ein Riff rammte und binnen Minuten unterging - 76 Menschen kamen ums Leben. Und trotzdem investieren die griechischen Reeder immer noch zu wenig in die Sicherheit ihrer Passagiere.
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