Abseits der „Rad-Autobahn”: Der Donauradweg auf dem Balkan

Von: Thomas Brey, dpa
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Radfahren Donau
Nicht immer ist der Fluss im Blick: Der Donauradweg durch den Balkan führt gelegentlich über bergige Nebenrouten. Foto: dpa

Belgrad. Früher war in Wien Schluss. Jetzt können Radfahrer, die genug Ausdauer mitbringen, auf dem Donauradweg auch durch die Balkanländer fahren. Eine „Rad-Autobahn” - wie die 330 Kilometer von Passau nach Wien oft beschrieben werden - mit Wegen im Top-Zustand, vielen touristischen Angeboten und einem engmaschigen Netz von Unterkünften und Werkstätten dürfen sie dort zwar nicht erwarten.

Dafür stoßen sie auf enthusiastische Kleinunternehmer und großartige Natur.

Vor zwei Jahren hat sich die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) aufgemacht, den Radweg durch Kroatien, Serbien und Rumänien bis zum Donaudelta und zum Schwarzen Meer zu verlängern. Gemeinsam mit den nationalen Tourismusverbänden wurde der Radweg beschildert.

Hochglanzbroschüren mit vielen Privatunterkünften gingen in Druck. In Deutschland wurden exakte Landkarten erstellt. Und tatsächlich bieten erste deutsche Reiseveranstalter organisierte Donauradtouren auch durch die Balkanländer an.

Trotz aller Bemühungen ist die neue Radverbindung bisher eine Herausforderung für wenige Enthusiasten geblieben. Abenteuerlust und vor allem Ausdauer sind die Voraussetzung, um die 136 kroatischen, 665 serbischen und 1075 rumänischen Kilometer zu meistern. Auf 500 bis 600 Ausdauer-Radfahrer wird die Zahl der Unentwegten geschätzt. Ein Problem sind die großen Distanzen, die kaum in den normalen Ferien zu schaffen sind. Viele Radfahrer teilen sich die Strecke in Etappen ein, die dann in mehreren Jahren abgefahren werden.

Die zweite Schwierigkeit ist die Strecke selbst, die teilweise über viel befahrene Transitstraßen geht. Abseits befinden sich einige Wege in so schlechtem Zustand, dass sie bei Regen fast unpassierbar sind. Unterkünfte sind entlang des Radweges immer noch rar gesät, so dass sich viele mit dem Zelt behelfen. In Deutschland, Österreich und Ungarn hat sich jedoch gezeigt, dass vor allem ältere Radfahrer nicht auf Hotelkomfort verzichten wollen. Schließlich verläuft die Route wider Erwarten nicht immer am Fluss entlang, sondern quält sich manchmal abseits über Steigungen von mehreren hundert Metern Höhe.

Wer sich dennoch nicht abschrecken lässt, den erwartet abschnittsweise eine grandiose Landschaft. Da ist zum Beispiel das Naturreservat Kopacki rit in der Nähe der kroatischen Stadt Osijek unmittelbar hinter der ungarischen Grenze. Hier mündet der mächtige Drau-Fluss in die noch mächtigere Donau und hat eine großartige Urwald-Wasserlandschaft geschaffen. Radfahrer können auf einem ausgezeichneten, ebenerdigen Wege-Netz fast ohne Autoverkehr dieses Wunder der Natur erkunden.

In den vergangenen Jahren sind hier am Rande des Donauradweges viele Genossenschaften entstanden, die im Radtourismus ihre Zukunft sehen. Eine davon ist die „Agro-Tourismus-Kooperative” in der Gemeinde Bilje. Ankica Bilandzic, die als Juristin mit ihrem Monatsgehalt von umgerechnet 400 Euro nicht auskommt, hat sich zusammen mit ihrer Freundin Marija Stipetic ein zweites Standbein aufgebaut. Ihre kleine Radfahrerpension mit Namen „Crvendac” - Rotkehlchen - ist ganz in Rot gehalten.

Gemeinsam mit vier anderen Familien haben sie einen Kombi mit 20 Plätzen sowie Fahrradanhänger gekauft, um organisierte Radtouren anzubieten. Sie sind stolz, dass in den vergangenen zwei Jahren Radfahrer und Touristen aus nicht weniger als 37 Ländern bei ihnen zu Gast waren. Die Gegend rund um Osijek ist im Bürgerkrieg (1991-1995) verwüstet worden: Fast alle hier mussten noch einmal von vorn anfangen. Der Radtourismus ist für sie die größte Hoffnung.

Ein weiterer landschaftlicher Höhepunkt der Strecke ist das Eiserne Tor in Serbien, wo die Donau das mächtige Gebirge durchbricht. Die Ausblicke sind immer noch atemberaubend, auch wenn der Bau des Djerdap-Kraftwerkes 1972 den Fluss auf 80 Meter Tiefe hat anstauen lassen. Und dann gibt es natürlich das Donau-Delta am Schwarzen Meer, das allein für ein einwöchiges touristisches Programm gut ist. Inzwischen haben dort viele kleine Hotels eröffnet, deren Besitzer die Gäste mit ihren Bötchen stundenlang durch das Wasserlabyrinth lotsen.

Ende Juni haben sich in Belgrad 400 begeisterte Radfahrer aus 25 Ländern getroffen. Ein Trupp war eine Woche zuvor in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, der zweite in der ungarischen Hauptstadt Budapest gestartet, um für den Donauradweg auf dem Balkan Reklame zu machen.
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