Verhandeln statt streiten: Mediation hilft bei Konflikten

Von: Falk Zielke, dpa
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Verhandeln statt streiten: Mediation hilft bei Konflikten
Streit in der Familie ist nicht selten. Ernsthafte Probleme landen oft vor Gericht. Eine Mediation kann helfen, Konflikte schon frühzeitig zu entschärfen. Foto. dpa

Berlin. Der Kampf um das Sorgerecht für das Kind, der Ärger mit dem lärmenden Nachbarn oder die hitzige Debatte über die gerechte Verteilung des Erbes: Anlass für Streit gibt es genug. Oft landen solche Fälle vor Gericht.

Doch soweit muss es nicht kommen: „Mit einer Mediation können viele Konflikte frühzeitig entschärft werden”, sagt Michael Plassmann, Vorsitzender des Ausschusses für außergerichtliche Streitbeilegung der Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin. Einzige Voraussetzung: „Die Parteien müssen bereit sein, sich an einen Tisch zu setzen.”

Anders als in Gerichtsprozessen, wo sich die Streitparteien oft unversöhnlich gegenüberstehen, müssen hier beide Seiten im Mediationsverfahren mitarbeiten. „Der Mediator entscheidet nicht über den Konflikt, sondern die Parteien finden mit seiner Hilfe zu einer Lösung”, erklärt Plassmann. „Die Parteien sind selbst oft überrascht, welche Ergebnisse in der Mediation im Gegensatz zum Gerichtssaal möglich sind”, weiß der erfahrene Mediator.

Im Unterschied zu einem Richter verfügen Mediatoren über keine Entscheidungskompetenz und machen auch keine direkten Lösungsvorschläge. Allerdings können erfahrene Mediatoren das Verfahren durch geschickte Fragen oder Anregungen in eine bestimmte Richtung lenken.

Dieses Vorgehen bietet für die Streitparteien viele Vorteile. „Wenn ich eine Forderung vor Gericht einklage, entscheidet der Richter, ob der Beklagte zahlen muss oder nicht”, erklärt Christian Duve, Vorsitzender des Ausschusses Außergerichtliche Konfliktbeilegung im Deutschen Anwaltverein. „In Verhandlungen gibt es mehr Gestaltungsspielraum: So kann etwa eine Ratenzahlung oder ein Abschlag vereinbart werden.”

Die Palette der Gebiete, in denen Mediationsverfahren eingesetzt werden können, ist breit. Sie reicht von Familienstreitigkeiten, etwa bei Trennung, Scheidung oder Erbschaft, über Arbeitsrechts- oder Wirtschaftsfälle bis hin zu Baurechtsfällen. „Immer wenn sie auch nach dem Verfahren mit der anderen Partei noch zu tun haben, lohnt sich eine Mediation”, rät Fachanwalt Plassmann.

Allerdings gibt es auch Fälle, in denen Mediation keine Aussicht auf Erfolg hat: Etwa, wenn die Parteien eine Grundsatzentscheidung herbeiführen wollen, von ihren jeweiligen Erfolgsaussichten überzeugt sind oder den Rechtsstreit als Frage des Prinzips betrachten. Solche Verfahren kosten Zeit, Nerven und Geld. „Ein Rechtsstreit ist für den Einzelnen eine Belastung”, sagt Plassmann. „Der Leidensdruck kann sehr hoch sein.”

Deshalb bieten inzwischen auch immer mehr Rechtsschutzversicherungen ihren Kunden an, die Kosten für Mediationsverfahren zu übernehmen. „Die Mediation führt oftmals schneller zur Konfliktlösung und schlichtet einen Streit nachhaltig und im gegenseitigen Einvernehmen”, erklärt Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin. „Der klassische Rechtsweg kennt nur Gewinner und Verlierer.”

Dennoch ziehen viele noch immer vor Gericht. Der Grund: Viele kennen Mediation noch nicht. Zwar hat die gesellschaftliche Akzeptanz in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen, wie sich etwa an dem Vermittlungsbemühungen um das Bauprojekt Stuttgart 21 zeigt. „Aber in den USA sind solche Verfahren bereits etabliert”, sagt Christian Duve.

Nach dem Willen der Bundesregierung soll das nun auch in Deutschland geschehen. Mit einem Gesetzentwurf, der in dieser Woche von den Abgeordneten beraten wird, soll die Mediation gestärkt werden. „Der Bundesregierung geht es auch um einen Wandel der Streitkultur”, erklärt Duve.

Nach den neuen Regelungen sollen Rechtsanwälte künftig unter anderem vor einer Klage prüfen, ob nicht auch eine Mediation sinnvoll sein kann. Zudem sollen Vereinbarungen, die in solchen Verfahren getroffen werden, in Zukunft für vollstreckbar erklärt werden können. Das heißt etwa: Bei Zahlungsverzug kann der Gerichtsvollzieher direkt losgeschickt werden. Gerichte könnten auf diese Weise entlastet werden.

Doch das ist nicht der einzige Vorteil: „Mediation weitet die Handlungsmöglichkeiten der Bürger aus”, sagt Duve. Auseinandersetzungen mit einem kleinen Streitwert etwa lassen sich so leichter lösen. Deshalb ist der Anwalt auch überzeugt: „In zehn Jahren wird Mediation zum Alltag gehören.”
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