Eine Baustelle am Strand ist ein Grund für Entschädigung

Von: dapd
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Wiesbaden. Baustellen kosten schon zu Hause oder am Arbeitsplatz Nerven. Noch verheerender können sie dort wirken, wo man eigentlich Ruhe und Erholung erwartet: am Strand des Urlaubsortes.

Wer auf Reisen die unangenehme Erfahrung einer Baustelle am Strand machen müsse, könne die angestrebte Erholung zwar vergessen - aber immerhin in vielen Fällen Geld zurückfordern, sagen Reiserechtler.

„Ob ich Geld verlangen kann, hängt in der Regel davon ab, ob mir ein Strand als Leistung mit versprochen worden ist”, sagt Ronald Schmid, Anwalt für Reiserecht in Wiesbaden. „Wer einen Stadturlaub gebucht hat und am Strand eine Baustelle vorfindet, wird in der Regel keine Ansprüche geltend machen können, ist der Strand hingegen Teil der Leistungsbeschreibung, liegt ein Reisemangel vor.” Dabei sei es unerheblich, ob es sich um einen öffentlichen oder privaten Strand handele. „Bei einer Beschreibung wie sehr schöner Sandstrand können Sie Geld zurückverlangen”, sagt Schmid.

Höhe der Entschädigung richtet sich nach Art des Urlaubs

Durchschnittlich 10 bis 20 Prozent des Reisepreises können enttäuschte Urlauber im Falle einer Baustelle zurückverlangen, schätzt Anwalt Schmid. Wie viel genau, das hängt von mehreren Faktoren ab - der wichtigste sei die Art der gebuchten Reise. „Relevant ist unter anderem, wie sehr die Reise als Badeurlaub gedacht ist”, sagt er. Die größten Hoffnungen können sich demnach Reisende machen, die ein Familienhotel direkt am Strand gebucht haben - wer weiter entfernt residiere und den Strandbesuch nur als Teil, aber nicht als einzigen Grund des Urlaubes gedacht habe, müsse mit entsprechend weniger Geld rechnen.

Neben der Art der Reise richte sich die zu erwartende Zahlung auch nach der Größe der Baustelle, erläutert Schmid: „Wenn der ganze Strand unbenutzbar ist oder überall Lärm herrscht, ist das natürlich etwas anderes, als wenn in irgendeiner Ecke unauffällig ein Rohr verlegt wird.” Ebenfalls zu beachten sei, inwiefern der Urlauber ausweichen könne - ob es also noch ruhige Ecken gebe oder zumindest einen alternativen Strand.

Eine Videoaufnahme hilft bei der Beweisführung

Wer sich entschließt, für eine Rückzahlung zu kämpfen, dem rät Reiserechtler Ronald Schmid, noch am Urlaubsort den Veranstalter auf den Mangel hinzuweisen und Abhilfe zu verlangen - wenn irgend möglich in Anwesenheit eines Zeugen. Darüber hinaus muss der Mangel dokumentiert werden, um später im Zweifel ausreichende Beweise zu haben, etwa mittels Fotos. „Bei dem Lärm einer Baustelle kann man auch eine Videoaufnahme machen”, sagt er.

Nach dem Urlaub bleiben dem Reisenden vier Wochen Zeit, seine Ansprüche beim Reiseveranstalter geltend zu machen, am besten per Einschreiben mit Rückschein oder Telefax. „Die Höhe kann offen bleiben. Es ist aber zweckmäßig, eine bestimmte Mindestvorstellung anzugeben.” Reagiere der Veranstalter nicht oder mache er kein vernünftiges Angebot, habe man ein Jahr Zeit, Klage zu erheben, sagt Schmid.
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