Bewerber dürfen bei unzulässigen Fragen lügen

Von: dpa
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Köln/Bochum. „Wollen Sie demnächst eine Familie gründen?” Bei solchen Fragen im Vorstellungsgespräch dürfen Bewerber ruhig die Unwahrheit sagen. „Das Recht zur Lüge gibt es immer dann, wenn der potenzielle Arbeitgeber eine Frage stellt, die rechtlich nicht zulässig ist.”

Fragen nach einer Schwangerschaft seien generell verboten, erklärt der Rechtsanwalt Uwe Schlegel aus Köln. In der Regel gingen den Arbeitgeber auch die politische Einstellung und die Religionszugehörigkeit des Bewerbers nichts an. „Es gibt jedoch Ausnahmen.”

Wie Schlegel in der Zeitschrift „Unicum” (Ausgabe 6/2010) erläutert, dürfen kirchliche Einrichtungen Bewerber nach ihrer Konfession fragen. Denn sie sind - ähnlich wie Parteiorganisationen - sogenannte Tendenzbetriebe. Das sind Betriebe, die nicht nur wirtschaftliche Ziele verfolgen, sondern etwa auch politische oder religiöse. Daher dürfen sie verlangen, dass ihre Mitarbeiter mit diesen Zielen übereinstimmen.

In solchen Fällen kann es sich rächen, im Vorstellungsgespräch zu lügen. Denn der Chef kann das Arbeitsverhältnis wegen arglistiger Täuschung anfechten, wenn sich nach der Einstellung herausstellt, dass ein Bewerber eine zulässige Frage wissentlich falsch beantwortet hat. „Das kann eine sofortige Beendigung des Arbeitsverhältnisses nach sich ziehen”, warnt Schlegel.

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