Zigarettenkonsum beeinträchtigt ganze Gen-Netzwerke

Von: ddp
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Zigaretten sind gesundheitsschädlich. Foto: dpa

London. Regelmäßiger Zigarettenkonsum richtet möglicherweise mehr Schaden an, als bisher angenommen. US-Forscher haben in einer großangelegten Studie den Einfluss des Rauchens auf die Erbgutaktivität untersucht. Dabei konnten sie mehr als 300 Gene identifizieren, deren Funktion durch das Rauchverhalten gestört wird. Zudem werden durch den blauen Dunst ganze Gen-Netzwerke beeinträchtigt.

In dieser bisher größten Studie ihrer Art wurden insgesamt mehr als 1200 Personen untersucht, von denen knapp ein Viertel regelmäßige Raucher waren.

Ihre Ergebnisse stellen die Wissenschaftler um Jac Charlesworth von der Southwest Foundation for Biomedical Research in San Antonio im Fachmagazin „BMC Medical Genomics” vor (Onlinevorabveröffentlichung vom 14. Juli 2010).

Der Rauch einer Zigarette enthält mehr als 4000 Inhaltsstoffe, darunter fünf, die beim Menschen Krebs auslösen können, sowie eine Vielzahl anderer giftiger Substanzen.

Diese Gifte gelangen durch die Lungenbläschen in den Blutkreislauf und können sich so über den ganzen Körper verteilen. Die Auswirkungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand des Rauchers sind verheerend.

Nach Angaben der WHO stirbt alle sechs Sekunden ein Mensch an den Folgen des Zigarettenkonsums. Die „Tabak-Epidemie” fordert jährlich mehr Opfer als AIDS, Tuberkulose und Malaria zusammen.

Die durch den blauen Dunst verursachten Krankheiten sind weitestgehend bekannt: Erkrankungen der Atemwege, Herzschwäche, ein geschwächtes Immunsystem und diverse Krebserkrankungen wie Lungen-, Rachen-, Magen-, Nieren- oder Blasenkrebs sind nur einige wenige Beispiele für die lange Liste an Leiden, die durch die inhalierten Chemikalien hervorgerufen werden.

Wie genau der Tabakkonsum diese Risikofaktoren begünstigt, stellten nun Jac Charlesworth und seine Kollegen fest.

Das Team analysierte die Genaktivität von Rauchern und konnte dabei 323 Gene identifizieren, die in direktem Zusammenhang mit dem Rauchverhalten stehen. Dabei sind nicht nur einzelne Gene betroffen, sondern auch ganze Gengruppen.

Alle haben dabei eines gemeinsam: Sie stehen in direktem Zusammenhang mit den durch Zigarettenrauch verursachten Erkrankungen. Dabei wird das Immunsystem offenbar am stärksten in Mitleidenschaft gezogen.

Viele verschiedene Gene, die wichtig für die Abwehr von Krankheitserregern sind, werden in ihrer Funktion gestört. Auch übermäßig viele Prozesse, die an der Entstehung von Krebs beteiligt sind, werden durch das Rauchen begünstigt.

Die Forscher kommen daher zu dem Schluss, dass der Zigarettenkonsum einen weitaus größeren Einfluss auf die Gesundheit des Rauchers hat, als bisher angenommen. „Niemals zuvor wurde eine so klare Verbindung zwischen dem Rauchen und der Erbgutaktivität hergestellt”, sagt Charlesworth. „Es ist ernüchternd, wie sehr das Rauchen anscheinend unsere Gene beeinflusst.”
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