Zähe Blutsauger: Zecken sind nicht totzukriegen

Von: Sabine Maurer, dpa
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Zähe Blutsauger: Zecken sind nicht totzukriegen
Ausdauernde Viecher: Zecken warten oft stundenlang auf hohen Grashalmen, bis ein geeignetes Opfer vorbeikommt. Foto: dpa

Berlin/Jena. Sie haben die Dinosaurier überlebt, sind wahre Hungerkünstler und haben nur Sex, wenn das Weibchen gerade Blut trinkt. Dreimal im Jahr möchten sie Nahrung zu sich nehmen, zur Not können sie aber auch zwei Jahre lang auf die nächste Mahlzeit warten. Doch diese Nahrungsaufnahmen haben es in sich, denn die Zecke kann dabei eine Vielzahl von Krankheitserregern auf ihr Opfer übertragen.

Die bekanntesten unter ihnen sind FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Borreliose. Im Frühjahr werden die gefährlichen Tierchen aktiv, bis Juni sind sie am häufigsten unterwegs.

Dann macht sich die Zecke, die nur wenige natürliche Feinde hat, auf die Suche nach einem Wirt: Das können Rehe und Wildschweine sein, Hunde und Katzen oder eben auch ein Mensch. „Sie halten sich meist in Knie- oder Hüfthöhe auf, höher als 1,50 Meter krabbeln sie nicht”, erklärt der Biologe Olaf Kahl aus Berlin. Weltweit gibt es über 900 Zeckenarten, in Deutschland ist der Gemeine Holzbock am meisten verbreitet. Er mag Orte mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, direkte Sonne scheut der kleine Blutsauger. Gerne hält er sich in den höheren Gräsern im Park, Garten und Wald auf.

Dort sitzt er dann und wartet, bis endlich jemand vorbei kommt. Das ist ein riskanter und doch bewährter Lebensstil. Zecken in der heutigen Form gibt es bereits seit 250 Millionen Jahren. Auch der Gemeine Holzbock ist geduldig und robust. Ihm reicht es, wenn er drei Mal im Jahr Nahrung bekommt. Zur Not hält er es auch ein bis zwei Jahre aus. Sehen kann er nichts, doch er hat eine Art Nase auf seinen Vorderbeinen. „Mit diesem Hallerschen Organ nimmt er Stoffe wahr, die seine potenziellen Opfer absondern, etwa Schweiß oder Kohlendioxid”, erklärt der Biologe Martin Komorek aus Heidelberg.

Streift den Holzbock ein Mensch oder ein Tier, ist seine große Stunde gekommen. Er krallt sich in Bruchteilen von Sekunden mit seinen Vorderbeinen an sein Opfer. Dann sucht er sich eine geeignete Stelle zum Trinken, sie sollte möglichst dünnhäutig und gerne auch etwas feucht sein.

Zu den Lieblingsstellen beim Menschen gehören daher Kniekehlen, Augenlider, Armbeugen, der Schritt und die Stelle hinter den Ohren. Männchen sind nicht so gefräßig. „Sie saugen immer nur kurz, und leben eigentlich von Luft und Liebe”, sagt Komorek. Denn das Männchen sucht auf seinem Wirt im Prinzip nur nach Sex. Dazu braucht er ein Weibchen, das gerade saugt - anders funktioniert die Fortpflanzung in der Welt der Zecken nicht.

Das Männchen stirbt kurz nach der Fortpflanzung. Doch auch das Weibchen überlebt ihn nicht sehr lange. Es saugt sich noch einmal richtig voll, lässt sich dann fallen und legt ihre etwa 3000 bis 5000 Eier. „Eine erfolgreiche Zecke lebt etwa drei bis fünf Jahre”, erklärt der Biologe Kahl. Der Gemeine Holzbock macht drei Entwicklungsphasen durch: Larve, Nymphe und erwachsene Zecke. Um jeweils zur nächsten Stufe zu gelangen, muss die Zecke Blut saugen. Larven befallen meist kleine Tiere, Nymphen bevorzugen schon Menschen.

Um möglichst unbemerkt ihre Nahrungsquelle anzustechen, injiziert die Zecke ihrem Opfer mit dem Rüssel einen raffinierten Cocktail. Er sorgt dafür, dass der Stich nicht bemerkt wird, das Blut trotz der Wunde nicht verdickt und das Immunsystem keine Antistoffe bildet. „Sie haben vorne kleine Scheren, mit denen sie die Haut ihres Wirtes aufritzen”, sagt Komorek. Der Stechrüssel - häufig irrtümlich als Kopf der Zecke bezeichnet - bleibt während des Saugens stecken.

Damit er trotz der gewaltigen Gewichtszunahme nicht herausfällt, hat er Widerhaken. Manche Zecken bilden außerdem noch eine Art Zement. Das ist auch nötig, denn Weibchen können beim Saugen ihr Gewicht um das Zweihundertfache vergrößern. Dafür saugen sie etwa eine Woche lang. Um Luft zu kriegen, atmen sie durch ihr Hinterteil.

Das alles wäre für das Zeckenopfer nicht so schlimm, wenn der Blutsauger nicht auch gefährliche Krankheiten übertragen könnte. „Sie haben ein ganzes Arsenal von Bakterien und Viren in sich”, sagt Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena. Außer FMSE und Borreliose können sie andere Krankheitserreger übertragen, die beim Menschen etwa für Geschwüre und Fieber sorgen. Auch Hundemalaria kann übertragen werden - und für den betroffenen Hund den Tod bedeuten.

Wer an sich selbst oder an seinem Tier eine Zecke entdeckt, sollte sie am besten mit einer Zeckenzange herausdrehen. Gelingt das nicht, sollte vorsichtshalber ein Arzt aufgesucht werden. Es ist im Übrigen gar nicht so einfach, die ertappte Zecke zu töten. „Sie sind extrem hart im Nehmen”, sagt Komorek. Einen Waschmaschinengang einschließlich Schleudern bei 40 Grad überstünden sie, berichtet er von durchgeführten „Zeckenhärtetests”. Sie tot zu treten funktioniere nur bei großen Zecken.

Impfung nur gegen FSME

Durch einen Zeckenstich können gleich mehrere Krankheitserreger übertragen werden. „Es ist durchaus möglich, gleichzeitig mit FSME und Borreliose infiziert zu werden”, sagt Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena. So könnten in einer Zecke auch schon mal sieben verschiedene Krankheitserreger lauern.

An Borreliose erkranken jedes Jahr in Deutschland zwischen 60.000 und 80.000 Menschen. Die Zahl der an FSME erkrankten Menschen liegt zwischen 200 und 400. Gegen diese Erkrankung kann man sich jedoch impfen lassen.

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