Wissenswert: Sind Blutegel wirklich kleine Heiler?

Von: ddp
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Schorndorf. Ein schleimiger Wurm, der Blut saugt ­- für viele Menschen gibt es kaum ein ekelhafteres Tier als den Blutegel: Er lauert in trüben Gewässern, hungrig nach dem Blut badender Opfer.

Andererseits werden diesem bizarren Wesen auch fast magische Heilkräfte nachgesagt: Wo er sein Blut saugt, vergehen Schmerzen und gereizte Gelenke heilen, heißt es. Doch was wahr daran? Ist der Blutegel wirklich ein kleiner Heiler oder sein Einsatz nur eine abergläubische Heilmethode aus grauer Vorzeit? „Der Blutegel hat nachweislich große Erfolge vor allem bei Gefäßerkrankungen und Gelenksbeschwerden”, sagt Claudia Moser von der Internationalen Gesellschaft für Blutegeltherapie. Die Heilkraft der Blutegel ist schon seit Jahrtausenden bekannt.

Das hat auch seinen wissenschaftlichen Namen geprägt: Hirudo medicinalis. Seit einiger Zeit legt der kleine Wurm aber auch wieder einen regelrechten Siegeszug durch die moderne Medizin hin, denn seine medizinische Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt. Wenn Blutegel beißen, saugen sie nicht nur Blut, sie geben auch Substanzen in die Wunde ab: „Der bekannteste Wirkstoff ist das Hirudin, mit seinen blutverdünnenden Eigenschaften”, sagt Moser.

Forscher haben eine Reihe weiterer hochwirksamer Substanzen im Speichel der Blutsauger identifiziert -­ der Blutegel ist quasi eine lebende Apotheke mit blutverdünnenden, schmerzstillenden und entzündungshemmenden Substanzen. All seine Geheimnisse hat er allerdings noch nicht preisgegeben: Die volle Heilkraft entsteht erst durch einen ganzen Cocktail an Wirkstoffen, deren exakte Wirkung noch nicht bekannt ist. Bei Krampfadern, Gelenkserkrankungen und sogar bei Migräne werden mit der Blutegeltherapie große Erfolge erzielt, um nur einige Anwendungsmöglichkeiten zu nennen.

In ihrer Wirkung lässt die Anwendung der schleimigen Tiere teilweise moderne Medikamente und Salben hinter sich. Die kleinen Heiler in Wurmgestalt stammen dabei keineswegs aus irgendeinem trüben Teich, sondern werden extra für medizinische Zwecke gezüchtet. „Ekel ist immer eine Frage des Leidensdrucks”, sagt Moser. „Wem der Blutegel einmal geholfen hat, der wird dieses Tier mit anderen Augen betrachten.”
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