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Winziges Implantat behandelt Gicht ohne äußeres Zutun

Von: ddp
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London. Die durch Harnsäureablagerungen verursachte Gicht könnte sich bald durch ein Implantat behandeln lassen: Es misst den Harnsäurespiegel selbstständig und reguliert ihn gegebenenfalls.

Zu diesem Zweck haben europäische Forscher einen winzigen Bio-Prozessor entwickelt, der sich in Tests mit Mäusen bereits bewährt hat.

Kernstück sind drei Funktionseinheiten, die ständig miteinander kommunizieren: Ein Sensor misst die Harnsäurekonzentration und alarmiert bei zu hohen Werten einen zweiten Baustein.

Dieser veranlasst eine dritte Funktionseinheit, einen Wirkstoff ins Blut abzugeben, der die Konzentration wieder in ein gesundes Gleichgewicht bringt.

Eingeschlossen in eine Kapsel mit einem Durchmesser von nur 0,2 Millimetern nehme der Prozessor keinen Einfluss auf das Erbgut des Patienten und könne jederzeit wieder entfernt werden, berichten die Wissenschaftler um Martin Fussenegger von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich im Fachmagazin „Nature Biotechnology” (Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1038/nbt.1617).

Gicht ist eine schmerzhafte Gelenkerkrankung, die viele Ursachen haben kann, etwa eine genetische Veranlagung, aber auch die Ernährung und andere Umwelteinflüsse. Sicher ist, dass die Krankheit auf einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut zurückgeht: Überschüssige Harnsäurekristalle lagern sich in den Gelenken ab, wodurch Entzündungen entstehen.

Ganz ausschalten darf man die Harnsäure allerdings nicht, da sie andererseits aggressive Sauerstoff-Verbindungen neutralisiert, die Zellen beschädigen können, die sogenannten freien Radikale. Deshalb sollte die Konzentration der Harnsäure immer innerhalb eines bestimmten Bereichs bleiben.

Die Forscher suchten nun nach einer Methode, die diese feine Steuerung bei Gichtkranken übernimmt.

Das gelang ihnen, indem sie in Zellkultur das Erbgut verschiedener menschlicher Zelltypen, darunter embryonale Nierenzellen, veränderten.

Durch den neu geschaffenen Bio-Prozessor, dem sie den Namen UREX gaben, wird ständig die Harnsäurekonzentration kontrolliert und bei einem zu hohen Harnsäurespiegel die Abgabe des Enzyms Urat-Oxidase ins Blut veranlasst.

Dieses Enzym reguliert bei den meisten Säuretieren den Harnsäurespiegel, nur hat es der Mensch im Laufe seiner Entwicklung leider verloren - was mit ein Grund für die Gichtanfälligkeit vieler Menschen ist.

Damit UREX seine Arbeit aufnehmen kann, werden zwei Millionen Zellen in einer Kapsel aus Algengelatine mit einem Durchmesser von nur 0,2 Millimetern eingeschlossen und in den Körper implantiert. Die Kapsel bewahrt dabei die Zellen vor der Abstoßung durch das Immunsystem - und umgekehrt den Körper vor den fremden Genen. Kleine Poren in der Kapsel gewährleisten die Messung des Harnsäurespiegels und die Enzymabgabe ins Blut.

Erste Versuche mit Mäusen waren erfolgreich: Die Harnsäurekonzentration im Blut der Tiere ging durch das Implantat auf ein normales Niveau zurück und auch die Harnsäurekristalle in den Nieren lösten sich auf.

Mit dem künstlichen Ersatz-Regulator könnten Gichtkranke quasi eine molekulare Prothese erhalten: „Mit diesem Hilfsmittel korrigieren wir einen fehlerhaften Stoffwechselweg und helfen dem Körper, sich optimal selbst zu therapieren”, erläutert Fussenegger.
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