Wenn Stress das Herz bricht: Broken-Heart-Syndrom trifft oft Frauen

Von: Sabine Maurer, dpa
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Beängstigende Symptome: Ein Broken-Heart-Syndrom kann sich durch Schmerzen in der Brust, Atemnot und Übelkeit bemerkbar machen. Foto: dpa

Aachen. Gebrochene Herzen gibt es nicht nur in Kitschromanen, sondern auch in der Kardiologie. Broken-Heart-Syndrom nennt sich die Krankheit, an der fast nur ältere Frauen leiden. Es fühlt sich an wie ein Herzinfarkt, ist aber bei weitem nicht so gefährlich. Die Betroffenen haben meist kurz zuvor Schlimmes erleben müssen, etwa den Tod eines nahestehenden Menschen oder die Trennung vom Partner.

Die Symptome sind beängstigend: Atemnot, Schmerzen in der Brust, Übelkeit. Kein Wunder, dass die betroffenen Frauen zunächst an einen Herzinfarkt denken. Und nicht nur sie, sondern auch die Ärzte. „Die Ergebnisse der ersten Untersuchungen wie EKG sind die gleichen wie bei einem Herzinfarkt”, erklärt Michael Becker, Kardiologe an der Uniklinik Aachen. Die Frauen bekommen - wie bei Herzinfarkt-Patienten üblich - einen Herzkatheter gelegt.

Erst dann sehen die Ärzte, dass der vermeintliche Herzinfarkt doch keiner ist. Denn die Herzkranzgefäße werden normal durchblutet, von einer Verstopfung oder gar einem Verschluss keine Spur. Allerdings bewegt sich ein Teil des Herzens nicht mehr.

„Mehr als 90 Prozent aller Patientinnen sind über 60 Jahre alt”, sagt Rainer Schubmann, Chefarzt der Dr.-Becker-Klinik Möhnesee bei Soest (Nordrhein-Westfalen). Seit mehr als zehn Jahren behandelt er Menschen mit Broken-Heart-Syndrom, im vergangenen Jahr waren es fünf Patientinnen. Verlässliche Daten, wie viele Menschen jährlich in Deutschland erkranken, gibt es nicht.

Das Krankheitsbild ist noch relativ jung und entsprechend schlecht erforscht. Zum ersten Mal beschrieben wurde es 1991 nach einem Erdbeben in Japan. In Europa und den USA wurden Anfang des neuen Jahrtausends die ersten Berichte veröffentlicht. „Es gibt erst seit 2006 überhaupt eine Definition dieser Krankheit”, ergänzt Becker.

Die Ursache des Syndroms liegt vermutlich in den Stresshormonen, die bei Belastungen ausgeschüttet werden. Das belastende Ereignis muss nicht immer besonders schlimm oder negativ sein. „Manchmal reicht eine Überraschungsparty oder ein Verfahren in der Stadt”, sagt Becker. Und Schubmann erzählt, dass auch die Aufregung über einen Lottogewinn zum Broken-Heart-Syndrom führen könne. Die meisten Patientinnen haben allerdings Schlimmes erlebt: Das Spektrum reicht von einem Unfall über Naturkatastrophen bis hin zu dem Tod eines nahestehenden Menschen.

Vermutlich schüttet die Nebenniere bei ihnen zu viele Stresshormone aus, es kommt zu einer wahren Hormonexplosion. So findet sich etwa im Blut der Patientinnen eine deutlich höhere Konzentration von Adrenalin und Dopamin als bei gesunden Menschen. So viele Hormone auf einmal verkraftet das Herz nicht, ein Teil davon stellt einfach die Arbeit ein. Dass vor allem ältere Frauen betroffen sind, liegt eventuell an dem immer weniger werdenden Östrogen in ihrem Körper nach den Wechseljahren. Östrogene - also die weiblichen Geschlechtshormone - wirken normalerweise herzschützend.

Die Universität Köln wollte vor einigen Jahren dem Rätsel auf die Spur kommen und erstellte gemeinsam mit Pharmakologen und Molekularbiologen eine Studie. Es ging um den Einfluss von Östrogen. Die aufgestellten Hypothesen bewahrheiteten sich jedoch nicht. „Im Augenblick läuft meines Wissens keine Studie zu diesem Thema”, sagt Prof. Erland Erdmann von der Universität Köln.

Die gute Nachricht: Fast alle Patientinnen mit Broken-Heart-Syndrom überleben. Die Mortalität liegt nur bei etwa drei Prozent. Außerdem heilt das Herz von selbst. „Die Veränderungen bilden sich innerhalb von Wochen fast immer vollständig zurück”, erklärt Schubmann. Vorsichtshalber bleiben die Frauen zunächst einmal auf der Intensivstation, falls Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen auftreten. Sie werden aber oft bereits nach wenigen Tagen entlassen - und sind froh, dass es kein Infarkt war.

Vorbeugen lässt sich kaum

Es gibt verschiedene Angaben darüber, wie groß die Wiederholungsgefahr eines Broken-Heart-Syndroms ist. Betablocker glätten zwar die Wirkung der Stresshormone ab. Eine wirkliche Vorbeugemöglichkeit besteht aber wohl nicht. Die Patientinnen können sich jedoch psychotherapeutisch behandeln lassen, damit sie besser mit Stress umgehen lernen.
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