Köln - Walken gegen den Herzinfarkt: Bewegung hilft auch älteren Kranken

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Walken gegen den Herzinfarkt: Bewegung hilft auch älteren Kranken

Von: Carina Frey, dpa
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Bewegung
Gymnastik- und Fitnessübungen sind wichtig um Rückenprobleme vorzubeugen. Foto: dpa

Köln. Walken nach dem Herzinfarkt, Krafttraining nach Brustkrebs - Bewegung als Therapieform bei schweren Erkrankungen fristet immer noch ein Nischendasein. Dabei können Kraft- und Ausdauertraining Erkrankten durchaus helfen - selbst wenn diese schon älter sind und bisher eher unsportlich waren.

Ganz ersetzen lassen sich Medikamente dadurch nicht, ihre Dosis kann aber häufig reduziert werden. Bevor sich Patienten aber auf das Fahrrad schwingen oder ins Fitness-Studio gehen, sollten sie unbedingt mit ihrem Arzt sprechen.

„Alle Tumorerkrankten profitieren von sportlichen Belastungen”, sagt Freerk Baumann vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. Das gelte sowohl in der Akutphase, also während einer Chemotherapie oder Bestrahlung, als auch für die Nachsorge. Bewegung könne Ängste und Depressionen nehmen und das Vertrauen in den eigenen Körper wiederherstellen.

Neben den psychischen Effekten scheint die körperliche Aktivität auch Auswirkungen auf die Tumorentstehung zu haben. Es gebe zwar keinen Beleg dafür, dass die Bewegung einen bestehenden Tumor beeinflusst. Allerdings könne die Chance, dass ein Tumor wieder auftritt, reduziert werden. „Bei Brust-, Darm- und Prostatakrebs gibt es Hinweise darauf”, erläutert Baumann.

Welche Faktoren wirken dann? Es werde davon ausgegangen, dass bestimmte Hormone wie Insulin oder Östrogen einen Einfluss auf das Wachstum bestimmter Tumoren haben. „Die Hormone sind eine Art Nahrungsgrundlage für die Tumoren”, erklärt Baumann. Es gebe Theorien, dass Bewegung diese Hormone reduziert.

In Studien nachgewiesen wurden die positiven Effekte von Bewegung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einer Untersuchung am Herzzentrum der Universität Leipzig konnte ein Team um Prof. Rainer Hambrecht zeigen, dass es bei leichteren Formen der Herzgefäßerkrankung körperlich aktiven Patienten genauso gut ging wie solchen, die auf herkömmliche Weise mit einem Stent oder Ballon behandelt wurden.

Die Mechanismen, die wirken, seien immer besser bekannt, sagt Prof. Hambrecht. So könne Training eine Zunahme des HDL-Cholesterins bewirken, das eine gefäßschützende Wirkung hat. Auch der Blutdruck werde durch körperliches Training günstig beeinflusst. Intensiver Sport führe zu einer Verbesserung der Funktion der Gefäßinnenschicht, der sogenannten Endothelfunktion. „Die Geschmeidigkeit der Gefäße wird besser”, erklärt der Chefarzt vom Herzzentrum Bremen. Außerdem werde die Durchblutung der Herzmuskulatur verbessert.

Körperliches Training führe zu einer Reduktion der Infarktraten, sagt Prof. Hambrecht. Außerdem gingen Angina-Pectoris-Beschwerden - die Herzschmerzen - zurück, ergänzt Claudia Walther, Oberärztin der Klinik für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig.

Für diese positiven Effekte reicht es aber nicht, spazieren zu gehen oder gelegentlich zu walken. „Man muss für eine halbe Stunde am Tag den Puls hochbringen”, erklärt Walther. Und das sollte möglichst an fünf Tagen pro Woche passieren.

Für alle Herzkranken gilt laut Walther: Bevor es richtig losgeht, muss ein Belastungs-EKG erstellt werden. Dabei wird der Trainingspuls festgestellt, an dem sich Patienten besser orientieren. „Sie sollten den Trainingspuls nicht überschreiten, sonst kann es zu einer mangelnden Sauerstoffversorgung des Herzens kommen”, warnt die Oberärztin. Sie rät, mit einem Pulsmessgerät zu trainieren. Wer keines hat, sollte so Sport treiben, dass er sich noch unterhalten kann, rät Hambrecht. „Dann überfordert man sich nicht.” Nach vier Wochen Training steht erneut ein Termin beim Kardiologen an.

Besonders empfehlenswert sind dem Herzspezialisten zufolge Ausdauersportarten wie Walken, Radfahren oder leichtes Joggen. Beim Schwimmen sei dagegen Vorsicht geboten, da es dort leichter zu einer Überlastung kommen kann. Das Ausdauertraining lasse sich durch Kraftübungen ergänzen. Wer nicht nur allein trainieren will, kann sich einer Herzsportgruppe in einem Verein anschließen. Diese Gruppen werden von einem Trainer und einem Arzt betreut.

Bei Krebspatienten müsse das Training auf die jeweilige Erkrankung abgestimmt werden, erläutert Freerk Baumann. So sei zum Beispiel Bewegung im Wasser sehr gut bei Brustkrebs, aber nicht bei Leukämie oder unmittelbar nach einer Prostata-Entfernung. Je kürzer die Behandlung zurückliegt, desto spezifischer sollten die Übungen sein. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand vergrößere sich das Spektrum. „Dann geht es darum, worauf der Einzelne Lust hat.”

Allerdings ist es auch hier nicht mit einer gelegentlichen Radtour getan. Wer gesundheitlich profitieren will, muss regelmäßig aktiv sein. „Man sollte sich schon dreimal pro Woche eine Stunde bewegen”, rät Baumann. Wer durchhält, wird belohnt. Nach drei bis sechs Wochen ließen sich bei Patienten deutliche Verbesserungen feststellen, sagt Prof. Hambrecht. Wer regelmäßig dabei bleibt, könne auf lange Sicht sogar die Menge der täglich eingenommenen Medikamente verringern.

Die Deutsche Krebshilfe hat einen Ratgeber „Bewegung und Sport bei Krebs” herausgegeben. Er kann kostenlos im Internet heruntergeladen werden unter http://www.krebshilfe.de Stichwort „Infomaterial” - „Blaue Ratgeber”.
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