Rostock - Veränderte Hirnaktivität in der Schwangerschaft stoppt Migräneattacken

Veränderte Hirnaktivität in der Schwangerschaft stoppt Migräneattacken

Von: ddp
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Rostock. Ein Forscherteam aus Kiel und Rostock ist der Antwort auf die Frage ein Stück nähergekommen, warum Frauen in der Schwangerschaft seltener unter Migräneattacken leiden als sonst.

Während Migränepatientinnen normalerweise Probleme damit haben, unwichtige Geräusche auszublenden, scheint sich ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft die Hirnaktivität so zu verändern, dass diese Fähigkeit wiederhergestellt wird.

Allerdings ist die Veränderung nicht dauerhaft: Bereits vier Wochen nach der Entbindung tritt wieder das typische Migräne-Muster auf, entdeckten Peter Kropp von der Universität Rostock und seine Kollegen. Über ihre Arbeit berichtet die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.

Im Fokus der Wissenschaftler stand die sogenannte kortikale Habituation - die Fähigkeit des Gehirns, immer wiederkehrende Geräusche wie etwa das Ticken einer Uhr nach und nach auszublenden, so dass es gar nicht mehr bewusst wahrgenommen wird. Bereits frühere Studien hatten gezeigt, dass die kortikale Habituation bei Migränepatienten häufig vermindert ist - sie schaffen es also nicht, das Ticken des Weckers zu ignorieren und fühlen sich mehr und mehr gestört.

Da viele Frauen berichten, während der Schwangerschaft weniger unter Migräne zu leiden als sonst, wollten Kropp und seine Kollegen in ihrer Studie prüfen, ob sich die kortikale Habituation in der Schwangerschaft normalisiert. Zu diesem Zweck untersuchten sie die Hirnaktivität bei 29 Schwangeren, 14 davon Migränepatientinnen, und 28 Nicht-Schwangeren, davon 12 Migränepatientinnen. Die Probandinnen sollten auf Töne achten, die kurz zuvor von einem Warnton angekündigt wurden, während die Wissenschaftler gleichzeitig ihre Hirnströme per EEG aufzeichneten. Bei den Schwangeren führten die Forscher den Test dabei einmal in der 36. Schwangerschaftswoche und einmal vier Wochen nach der Entbindung durch.

Die schwangeren Migränepatientinnen hatten während des Tests genau die gleiche Hirnaktivität wie die gesunden Probandinnen, ergab die Auswertung. Bereits vier Wochen nach der Entbindung ließ der Effekt jedoch nach, und die Fähigkeit zur kortikalen Habituation nahm wieder ab. Verantwortlich für die vorübergehende Normalisierung der Hirnaktivität ist nach Ansicht der Forscher der veränderte Hormonstatus in der Schwangerschaft - in dieser Zeit treten deutlich weniger Hormonschwankungen auf als während des normalen Zyklus. In Zukunft könnten die Ergebnisse daher helfen, neue Behandlungsansätze für die Migräne zu entwickeln.
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