London - Verabreichte Antibiotikamenge Körpergewicht anpassen

Verabreichte Antibiotikamenge Körpergewicht anpassen

Von: ddp
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London. Antibiotika und andere Wirkstoffe gegen Infektionen sollten nicht nach einem festen Schema, sondern zugeschnitten auf das Körpergewicht und die Körperbeschaffenheit des Patienten verabreicht werden.

Nur so könne nach Ansicht griechischer Forscher gewährleistet werden, dass jeder Betroffene die für ihn optimale Menge eines Medikaments erhält und tatsächlich alle Mikroorganismen abgetötet werden.

Dies sei von besonderer Wichtigkeit, um die Bildung von resistenten Erregern zu verhindern, betonen die beiden Mediziner Matthew Falagas und Drosos Karageorgopoulos aus Athen in einem Kommentar im renommierten Medizinerfachblatt „The Lancet” (Bd. 375, S. 248). Die aktuelle Praxis, einer 56 Kilogramm schweren, 1,50 Meter großen Frau die gleiche Dosis zu geben wie einem 1,90 großen, 90 Kilogramm schweren Mann, sei völlig veraltet und nahezu unverantwortlich - auch im Hinblick darauf, dass es immer mehr übergewichtige Menschen gibt.

Um Medikamente für Kinder, ältere Menschen sowie Nieren- und Leberkranke zuzulassen, müssen bereits jetzt spezielle Studien durchgeführt werden, die Aufnahme, Verstoffwechselung und Abbau der Wirkstoffe genauer unter die Lupe nehmen. Für alle anderen Abweichungen vom Durchschnitt gilt das hingegen nicht, monieren die Mediziner - und schon gar nicht für ein ungewöhnlich hohes oder niedriges Körpergewicht.

Dabei deuteten bereits viele Studien darauf hin, dass speziell übergewichtige Menschen nicht nur ein anderes Körpervolumen haben, in dem sich ein verabreichter Wirkstoff verteilt, sondern auch eine andere Körperchemie. So ist beispielsweise die Löslichkeit mancher Medikamente anders, weil der Körper einen höheren Fettanteil hat. Vom Fettgewebe produzierte Hormone und Botenstoffe können zudem die Wirkung eines Mittels beeinflussen.

Auch der Abbau von Wirkstoffen durch Leber und Nieren ist nicht selten aufgrund von vergrößerten oder geschädigten Organen anders als bei schlankeren Menschen. Allerdings reiche es nicht aus, lediglich den Body-Mass-Index zugrunde zu legen, betonen die beiden Ärzte und illustrieren dies anhand des oben erwähnten Beispiels: Zwar haben die 56 Kilogramm schwere, 1,50 Meter große Frau und der 1,90 große, 90 Kilogramm schwere Mann mit 24,9 Kilogramm pro Quadratmeter den gleichen Body-Mass-Index, der zudem noch im Idealbereich liegt. Die Muskelmasse des Mannes kann jedoch je nach Körperbau mehr als doppelt so groß sein wie die der Frau.

Es sei also dringend nötig, vorhandene Studien zur Dosierung von Antibiotika, antiviralen Medikamenten und Antipilzmitteln neu auszuwerten und die jeweils beste Anpassungsmethode zu ermitteln, empfehlen Falagas und Karageorgopoulos. Zudem sollten künftige Studien von Anfang an so entworfen werden, dass sie die Einflüsse des Körperbaus mit erfassten. Ansonsten drohe eine deutliche Verschärfung des Resistenzproblems - schließlich würden die meisten Krankheitserreger deswegen den verwendeten Wirkstoffen gegenüber unempfindlich, weil die Dosierung nicht hoch genug sei, um im ersten Schritt alle Mikroben auszumerzen.
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