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Vegane Ernährung: Nichts für Faule und Spontane

Von: Larissa Kessner, ddp
Letzte Aktualisierung:
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Wer dauerhaft auf Fleisch verzichtet, muss nicht zwangsläufig vom selbigen fallen. Foto: ddp

<b>Gießen. </B>Wer dauerhaft auf Fleisch verzichtet, muss nicht zwangsläufig vom selbigen fallen. Wie aber sieht es bei sogenannten Veganern aus? Kommt der Mensch auf Dauer auch ohne Eier, Milch, Käse und andere tierische Produkte aus?

Ja, sagen die Befürworter, die sich meist aus ethischen Gründen für eine rein pflanzliche Ernährung entscheiden. Deutsche Fachgesellschaften sehen das etwas kritischer.

„Patienten mit einem erhöhten Nährstoffbedarf, Säuglingen und Kleinkindern, Senioren, Schwangeren und Stillenden rate ich von einer rein pflanzlichen Kost eher ab”, sagt der Ernährungswissenschaftler Stefan Weigt vom Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e. V. (UGB) in Gießen: „Auch für Erwachsene und vor allem für Kinder und Jugendliche ist eine vegane Ernährung nur bei sorgfältiger Nahrungszusammenstellung geeignet.”

Dabei steht der Verband einer vegetarischen Ernährung mit Ei und Milch durchaus positiv gegenüber. Bei einer Zusammenstellung einer solchen fleischlosen Kost im Sinne der Vollwert-Ernährung überwiegen eindeutig die gesundheitlichen Vorteile, so der UGB.

Im Vergleich zu Vegetariern gehen Veganer jedoch einen Schritt weiter und streichen auch Honig, Eier und Milchprodukte von ihrem Speiseplan. Bei einer westlichen Ernährung sind diese Lebensmittel wichtige Lieferanten für Eiweiß, Kalzium und die Vitamine B2, B12 und D. Veganer laufen deshalb eher Gefahr, einen Mangel an diesen Nährstoffen zu entwickeln.

Als kritisch gilt vor allem die Versorgung mit Vitamin B12. Wie die Deutsche Vegan Studie vor einigen Jahren gezeigt hat, sind die meisten Veganer schlechter mit diesem Vitamin versorgt als sogenannte Mischköstler. Je länger sich die Studienteilnehmer bereits vegan ernährten, desto niedriger waren ihre Blutwerte und umso höher damit ihr Risiko, das Nervensystem dauerhaft zu schädigen.

„Vitamin B12 ist tatsächlich der einzige Nährstoff, den Veganer in Form von Tabletten oder Tropfen einnehmen sollten”, erklärt Iris Berger. Die Ernährungswissenschaftlerin und Veganerin hat sich mit alternativen Vitamin-B12-Quellen, zum Beispiel Algen, auseinandergesetzt, kommt aber zu dem Schluss, dass Veganer entsprechende Nahrungsergänzungsmittel brauchen: „Selbst angereicherte Lebensmittel wie Sojadrinks oder Cornflakes enthalten hierzulande pro Portion nicht genug Vitamin B12, um damit den täglichen Bedarf zu decken.”

Bei allen anderen Nährstoffen, die Mischköstler meist aus tierischen Lebensmitteln aufnehmen, sieht Berger keine Probleme. Sie ließen sich durch pflanzliche Alternativen „gut bis sehr gut” ersetzen.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die Amerikanische Gesellschaft der Ernährungswissenschaftler (American Dietetic Association, ADA). Sie vertritt die Position, dass eine gut geplante vegane Ernährung für alle Lebensphasen geeignet ist. In manchen Fällen könnten aber angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel hilfreich sein.

Was gut geplant heißt, zeigen die Ernährungstipps des UGB für Veganer. So nimmt der Körper beispielsweise mehr Eisen aus Gemüse- und Getreidegerichten auf, wenn diese mit Vitamin-C-haltigem Obst oder Säften kombiniert werden. Dunkelgrüne Gemüse wie Brokkoli liefern besonders viel Kalzium, Kohlsorten sind gut für die Zinkversorgung. Neben reichlich Gemüse und Obst sollten außerdem regelmäßig Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und pflanzliche Öle auf den Tisch kommen, erklärt Weigt. Darüber hinaus empfiehlt der Experte ein kalziumreiches Mineralwasser und Jodsalz.

Wer all diese Ratschläge sorgfältig beachtet, ernährt sich gleichzeitig auch ausgewogen und damit gesundheitsfördernd - schließlich bilden pflanzliche Lebensmittel die Basis einer gesunden Ernährung. Trotzdem ist die Entscheidung für einen veganen Lebensstil noch keine Garantie für ein gesundes Leben.

„Wer sich von veganem Fastfood ernährt, lebt damit nicht automatisch gesünder als ein Nicht-Veganer”, betont Berger. Denn auch derartige Fertigprodukte können viel Fett, zum Beispiel Palmkernfett, enthalten. Dieses liefert genau wie Fleisch- und Milchfett die eher ungünstigen gesättigten Fettsäuren.

Der Vegan Studie zufolge leben die meisten Veganer sehr gesundheitsbewusst. Doch auch wenn Zivilisationskrankheiten wie der Herzinfarkt unter Veganern deutlich seltener auftreten, halten der UGB und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) diese Ernährungsform nicht in allen Lebensphasen für geeignet. Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und Stillende können leicht einen Nährstoffmangel entwickeln. „Schon durch den gelegentlichen Verzehr von Milch und Milchprodukten lassen sich kritische Versorgungslücken zum Beispiel an Vitamin B2 und B12 oder Kalzium schließen”, meint Weigt.

In Deutschland ernähren sich etwa ein Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen vegetarisch. Das heißt, sie verzichten auf Fleisch, meist auch auf Fisch. Als Veganer bezeichnen sich laut der Nationalen Verzehrsstudie II hingegen nur etwa 0,1 Prozent der Befragten. Sie ernähren sich nicht nur rein pflanzlich, also ohne Fleisch, Eier, Milchprodukte und Honig, sondern vermeiden meist auch Kleidung und andere Konsumprodukte, die vom Tier stammen.

Ausschlaggebend für den Wechsel zu einem veganen Lebensstil sind ethische und moralische Gründe. Bei einer Befragung von 150 Veganern zwischen 1997 und 1999 nannten über 90 Prozent ethische Gründe, während nur 15 Prozent die Gesundheit anführten. Immerhin 20 Prozent nannten auch ökologische Motive. So haben Fleisch, Eier und Milchprodukte beispielsweise eine schlechtere CO2-Bilanz als pflanzliche Lebensmittel.
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