Uniklinik testet Schweinegrippe-Impfstoff

Von: Andrea Löbbecke, dpa
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Mainz. Das fliegende Schwein mit Pilotenbrille und Engelsflügeln trägt eine Impfspritze in den Klauen. Es ist rasant unterwegs und hat die Erde hinter sich gelassen.

Der bunte Aufkleber an der Tür zu einem Behandlungszimmer passt gut in das Zentrum für klinische Studien der Mainzer Universitätsmedizin. Die Ärzte testen hier derzeit den neuen Schweinegrippe-Impfstoff an Kindern und Erwachsenen. Die Zeit drängt: So schnell wie möglich soll der Impfschutz für die ganze Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Behandlungsraum nicht von einer normalen Arztpraxis. Es gibt eine Liege, ein EKG, es stehen Flaschen mit Desinfektionsspray herum.

Aber die Patienten hier heißen Probanden und ihre Arztbesuche werden akribisch dokumentiert - um von etwaigen schweren Nebenwirkungen bei einem Medikament oder Impfstoff zu erfahren, bevor das Mittel für die gesamte Bevölkerung eingesetzt wird. Solche Zulassungsstudien sind für alle Arzneimittel vorgeschrieben.

Gerade wird eine Frau gegen Schweinegrippe geimpft. Es ist schon ihre zweite Spritze. In den vergangenen drei Wochen hatte sie ihren Gesundheitszustand nach der ersten Injektion in einem Tagebuch dokumentiert.

In längeren Telefonaten wird sie zudem den Prüfärzten detailliert über mögliche Nebenwirkungen berichten. Sie ist eine der rund 2000 Probanden, an denen der Impfstoff unter anderem an 15 Kliniken in ganz Europa getestet wird. Mainz hat dabei die Federführung für die Tests an Kindern und Jugendlichen.

„Wir sind von freiwilligen Probanden geradezu überrannt worden”, berichtet die Prüfärztin Dorothee Kieninger. Die Plätze für Erwachsene seien daher rasch vergeben gewesen. „Wir suchen allerdings noch Eltern, die ihre Kleinkinder bei uns impfen lassen”, sagt die Ärztin.

Vor allem bei der Altersgruppe bis zum Ende des zweiten Lebensjahres sind noch Plätze frei, auch bei den bis zu Achtjährigen werden Teilnehmer gesucht. „Es ist wichtig, den Impfstoff an Kindern zu testen, denn nur dann kann er auch für diese Altersgruppen zugelassen werden”, betont die Kinderärztin.

Dass Eltern bei Tests an ihren Kindern eher zurückhaltend seien, liegt nach der Einschätzung von Kieninger unter anderem an den Blutabnahmen, die für die Dokumentation unerlässlich sind. „Wir richten uns nach strengen ethischen Kriterien, die weltweit speziell für kindliche Probanden gelten. Dazu zählt auch, dass Eingriffe wie etwa Blutabnehmen so minimal wie möglich gehalten werden.” Damit die Kinder keine Schmerzen erleiden, werde beispielsweise die Einstichstelle lokal mit einer Creme betäubt.

Bei den Erwachsenen habe es dagegen viele Anrufer gegeben, die geradezu auf eine Teilnahme gepocht hätten. „Sie wollten möglichst schnell vor der Schweinegrippe geschützt sein”, berichtet Kieninger. Oft gebe es in der Familie Schwangere, chronisch Kranke oder kleine Kinder. Viele Probanden wollten das Risiko vermindern, andere anzustecken. Aber auch Menschen, die auf ihrer Arbeitsstelle viel Publikumsverkehr haben oder in Risikogebiete verreisen wollen, suchten den schnellen Impfschutz. Dass die Testpersonen 50 Euro für jeden der fünf nötigen Besuche bekommen, ist nach Meinung der Ärztin meist nicht ausschlaggebend.

Die Bedenken wegen möglicher Nebenwirkungen des neu entwickelten Impfstoffs seien bei den Freiwilligen eher gering - und würden in einem sehr ausführlichen Beratungsgespräch erläutert, sagt Kieninger. Alle Probanden würden vor und während der Studie gründlich untersucht. Seit dem Start der Tests an dem Mainzer Zentrum Anfang August wurde der Impfstoff bislang mehr als 80 Erwachsenen und 50 Kindern verabreicht. Über erste Ergebnisse können die Mediziner nichts sagen - dies ist Sache des Pharma-Herstellers.
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