Ungesund ist oft nur das Verhalten: Stolperfallen in der Ernährung

Von: Bettina Levecke, dpa
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Ernährung
Vitaminpillen sind unnötig: Wenn man sich ausgewogen ernährt, bekommt der Körper alles, was er braucht. Foto: dpa

Berlin/Erlangen. Zu fett, zu süß, zu salzig: Viele Lebensmittel bekommen schnell das Etikett „ungesund”. Doch oft sind es nicht die Produkte, sondern die Verbraucher, die sich selbst schaden. So kommt es zum einen auf die Menge der als ungesund geächteten Nahrungsmittel an. Zum anderen sind auch vermeintlich gesunde Dinge wie Vitaminpillen nicht immer unbedenklich.

Viele wollen ihrem Körper mit teuren Vitaminpillen und Nahrungsergänzungsmitteln etwas Gutes tun. Jedoch: „Die wenigsten Menschen in Deutschland brauchen zusätzliche Vitamine, der Bedarf ist in der Regel gedeckt”, sagt Prof. Alfonso Lampen vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin.

Auch die verbreitete Annahme, Vitamine seien generell gesund, ist falsch: „Die Dosis macht das Gift - zu viele Vitamine können dem Körper auch schaden.” So hat eine Studie belegt, dass die Zufuhr von Beta-Karotin, einer Vorstufe von Vitamin A, bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko sogar verstärkt. Und obwohl Folsäurepräparate bei jungen Frauen mit Kinderwunsch ratsam sind, kann zu viel bei älteren Menschen das Risiko von Krebs erhöhen.

Statt Vitamine zu schlucken, sollten Gesundheitsbewusste lieber die Regel „Fünfmal Obst und Gemüse pro Tag” der Deutschen Gesellschaft für Ernährung befolgen. „Mit einer ausgewogenen Ernährung bekommt der Körper im Normalfall alles, was er braucht”, sagt Brigitte Neumann, Ökotrophologin aus Uttenreuth bei Erlangen.

Im Gegenzug kann eine einseitige Ernährung das Risiko eines Nährstoffmangels erhöhen: Bei Menschen, die zum Beispiel ausschließlich Rohkost essen, kann ein Mangel entstehen. „Wenn Sie Zweifel haben, ob Ihre Ernährung ausgewogen ist, lassen Sie sich am besten von einer Ernährungsfachkraft beraten oder anhand eines Blutbildes überprüfen, ob bei Ihnen ein Nährstoffdefizit vorliegt”, rät Britta Klein vom Verbraucherinformationsdienst aid in Bonn.

Panierte Schnitzel, Pommes, Chips und Pizza: Wer gerne zu deftig-herzhaftem Essen greift, nimmt schnell zu viel Fett und Salz auf. „Unsere Geschmacksnerven sind sehr auf Salz getrimmt”, erklärt Lampen. „Die meisten Menschen essen zu viel Salz, ein Grund für zu hohen Blutdruck und daraus resultierende Folgeerkrankungen.” Das hilft: Etwas weniger und bewusster würzen und weniger Fertigprodukte.

Für die Gefäße schädlich sind auch gesättigte Fette und Transfettsäuren, wie sie häufig in Fertigprodukten vorkommen. „Ab und zu Pommes ist okay”, urteilt Neumann. Aber täglich sollten Chips, Leberwurst, fettreiche Süßigkeiten und Backwaren nicht auf dem Speiseplan stehen.

„Mit der Süße aus Früchten” - die Werbung lässt viele Verbraucher glauben, dass Getränke mit Fruktose beziehungsweise Fruchtzucker gesünder und kalorienärmer seien als gezuckerte Säfte und Limonaden. „Ein großer Irrtum”, warnt Lampen. „Fruktose kann die Zähne genauso schädigen wie Zucker und liefert nicht weniger Energie.”

Außerdem braucht der menschliche Körper sogar länger, um die Fruktose zu verarbeiten. „Viele Menschen leiden auch unter eine Fruktose-Intoleranz, bekommen von diesen Produkten Magen- oder Darmbeschwerden”, ergänzt Neumann. Auch für Diabetiker sei Fruktose keine empfehlenswerte Alternative zu normalem Zucker.

Bei Kopfschmerzen hilft Pfefferminztee, bei Bauchweh Kamille: Seit Jahrhunderten wissen Menschen um die Heilkräfte aus der Natur. Fälschlicherweise werde aber auch angenommen, dass die Pflanzenstoffe völlig harmlos sind, sagt Lampen. Doch das ist nicht immer so: Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass zum Beispiel die Inhaltsstoffe von Ginkgoblatt-Tee ein Potenzial für Allergien und Gehirnblutungen aufweisen.

Auch andere Kräuter wie Johanniskraut, Brennnessel oder Süßholzwurzel können Nebenwirkungen hervorrufen. „So zeigten zum Beispiel Estragol und Methyleugenol, die in Fencheltee enthalten sind, in mehreren Versuchsreihen krebsauslösende und Erbgut verändernde Wirkungen.” Wer seine Teesorte jedoch regelmäßig wechselt, hat keine Nebenwirkungen zu befürchten.


Vorsicht bei rohen Lebensmitteln

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung erkranken jedes Jahr mehr als 100.000 Menschen an einer Lebensmittelinfektion - viele davon im Urlaub, manchmal aber auch aufgrund eigener Küchenfehler. Schuld sind oft Salmonellen, zum Beispiel in rohem Fleisch, Geflügel oder Eiern.
Alles, was frisch gekauft wurde, sollte möglichst bald verbraucht werden, frischer Hackepeter möglichst noch am Tag des Einkaufs. Vom Schlachter lose in Frischhaltefolie gewickelte Fleisch oder Wurst wird zu Hause am besten in einen sauberen, verschließbaren Behälter umgepackt. Bei der Zubereitung sollten separate Bretter, Schüsseln und Messer benutzen werden.

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