San Francisco - Überreaktion des Immunsystems begünstigt Blasenentzündungen

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Überreaktion des Immunsystems begünstigt Blasenentzündungen

Von: ddp
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San Francisco. Wer immer wieder unter Blasenentzündungen leidet, hat möglicherweise eher ein übereifriges als ein zu schwaches Immunsystem. Das schließen US-Forscher jetzt aus einer Studie an Mäusen, die sie gezielt mit typischen Erregern von Harnwegsinfektionen infiziert hatten.

Danach bildeten sich zwei Gruppen von Tieren - eine, die problemlos mit der Infektion fertig wurde und eine, die unter heftigen Beschwerden litt und bei der sich anschließend eine chronische Blasenentzündung entwickelte. Der Hauptunterschied war dabei offenbar die anfängliche Reaktion des Immunsystems: In der ersten Gruppe fiel sie nur moderat aus, während sie in der zweiten extrem stark war.

Diese überschießende Abwehrreaktion verändere vermutlich die Schleimhaut der Blase derart, dass diese kommenden Erregern nichts mehr entgegenzusetzen habe, schreiben Thomas Hannan von der Washington University in St. Louis und seine Kollegen im Fachmagazin „PLoS Pathogens” (Bd. 6, Nr. 8, Artikel e1001042).

Während Männer kaum betroffen sind, erleidet etwa jede zweite Frau im Lauf ihres Lebens mindestens eine Blasenentzündung - meist hervorgerufen durch die im Darm heimischen E. coli-Bakterien. Bei einigen heilt die Infektion problemlos ab, andere entwickeln eine chronische Entzündung oder werden immer wieder von den Bakterien befallen.

Warum das so ist und was die relativ resistenten von den anfälligen Frauen unterscheidet, ist laut den Wissenschaftlern bislang jedoch unklar. Verdächtigt wird, wie immer bei Infektionskrankheiten, das Immunsystem, beziehungsweise eine nicht angepasste Reaktion desselben. Vermutet wurde bisher, dass die Körperabwehr bei den anfälligen Frauen zu schwach ist und es deswegen nicht schafft, die Erreger zu eliminieren.

Die aktuellen Ergebnisse werfen jetzt jedoch Zweifel an dieser Vorstellung auf. Zumindest bei den Mäusen waren nämlich vor allem die Tiere anfällig für eine chronische Entzündung, bei denen das Immunsystem besonders heftig auf die erste Infektion reagierte.

Schlüsselfaktoren waren dabei offenbar ein Rezeptor namens TLR4 und eine Gruppe weißer Blutkörperchen, zeigten weitere Versuche: Waren diese entweder medikamentös oder durch eine genetische Veränderung unterdrückt, entwickelten die Tiere praktisch nie chronische Blasenentzündungen. Auch einen Zusammenhang zwischen den chronischen Entzündungen und einem häufigen Wiederaufflammen der Infektionen konnten die Forscher nachweisen: Die für die chronischen Verläufe anfälligen Tiere neigten später signifikant häufiger zu erneuten Entzündungen.

Es ist für den Körper anscheinend schwierig, die Immunreaktion bei einer Infektion der Harnwege richtig auszubalancieren, schreiben die Forscher: Sie muss so stark sein, dass sie die Erreger eliminiert, ohne dabei jedoch gleichzeitig das Gewebe zu beschädigen und damit folgenden Infektionen Tür und Tor zu öffnen.

Diese Balance gelingt offenbar nicht immer - und das ist nach Ansicht der Wissenschaftler nicht nur bei Mäusen der Fall, sondern auch beim Menschen. Sollte sich das in weiteren Studien bestätigen, hätten die Forscher möglicherweise bereits einen Ansatzpunkt, wie sich besonders anfällige Frauen identifizieren lassen: Bei den empfindlicheren, nicht aber bei den resistenten Mäusen war etwa 24 Stunden nach der Infektion ein Entzündungsmarker namens IL-5 im Blut stark angestiegen.
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