Studie: Spermien scheinen die Infektion mit HIV zu erleichtern

Von: ddp
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Aids / HIV
Beschnittene Männer übertragen den Aids-Erreger HIV ebenso leicht auf Frauen wie unbeschnittene.

New York. Spermien könnten bei der Übertragung von HIV eine wichtigere Rolle spielen als bisher gedacht, haben Forscher jetzt gezeigt: Sie können an ihrer Oberfläche haftende Viren direkt auf Immunzellen übertragen und tragen damit stärker zur schnellen Verbreitung der Erreger im Körper bei als angenommen.

Bislang galten die Samenflüssigkeit und infizierte Immunzellen, die mit der Flüssigkeit transportiert werden, als die Hauptüberträger des Virus. Zusätzlich scheint der direkte Kontakt zwischen den Spermien und den Immunzellen die Abwehrreaktion des Körpers zu dämpfen, so dass die Viren weniger effektiv bekämpft werden. Die Samenzellen sind also weitaus mehr als passive Transportmittel für die HI-Viren, schreiben Ana Ceballos von der Universität von Buenos Aires und ihre Kollegen im Fachmagazin „Journal of Experimental Medicine”

Beim Geschlechtsverkehr mit Männern gibt es vor allem drei Infektionsquellen für HIV: die Samenflüssigkeit, die frei schwimmende Viruspartikel enthält, infizierte Immunzellen und die Samenzellen, an deren Oberfläche ebenfalls Viren angeheftet sein können. Während bereits klar ist, dass sowohl die Samenflüssigkeit als auch die Immunzellen wichtige Überträger der Viren sind, war die Rolle der Spermien bisher eher unklar, ebenso wie der Mechanismus, mit dem sich die Viren an die Samenzellen anheften.

Ceballos und ihr Team entdeckten nun, dass das Virus an einen bestimmten Vielfachzucker auf der Oberfläche der Spermien andockt. Kommt eine derartig beladene Samenzelle dann in Kontakt mit einer sogenannten dendritischen Zelle - einer Immunzelle, die eine Art Wächterfunktion für das Immunsystem innehat -, wird das Virus sofort übertragen und infiziert die Immunzelle. Diese gibt den Erreger wiederum an die ebenfalls zum Immunsystem gehörenden T-Zellen ab, in denen er sich dann explosionsartig vervielfältigt.

Gleichzeitig bringt der Kontakt mit dem Spermium die dendritische Zelle dazu, beruhigende Botenstoffe auszusenden, die eine aggressive Reaktion des Immunsystems verhindern. Diese Zusammenarbeit funktioniert besonders gut bei leicht sauren pH-Werten, wie sie beispielsweise in der Vagina herrschen.

Beim Geschlechtsakt gibt es immer wieder kleiner Verletzungen der Schleimhäute in Vagina und am After, erläutern die Forscher. Diese Risse dienen den Spermien vermutlich als Pforte in die Blutbahn, wo sie dann mit den dendritischen Zellen in Kontakt kommen. Die Forscher nehmen an, dass auch andere Zellen, die dem HI-Virus als Wirtszelle dienen können, über die Spermien infiziert werden.

Vor allem die immununterdrückende Wirkung, die beim Kontakt zwischen Spermium und Immunzelle angestoßen wird, könnte zur schnellen Ausbreitung des Virus im Körper beitragen, spekulieren die Forscher. Um bessere Strategien gegen die Übertragung von HIV zu entwickeln, sollte dieser Aspekt genauer untersucht werden, empfehlen sie.
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