Stressbedingtes Herzinfarktrisiko lässt sich an den Haaren ablesen

Von: ddp
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Edinburgh. Daueranspannung hinterlässt Spuren in der Haarsubstanz und lässt sich daher per Haaranalyse nachweisen. Als Stressanzeiger dient dabei die Menge des Hormons Cortisol: Es wird bei Stress ausgeschüttet und lagert sich im Haar ab.

Diese Entdeckung hat ein internationales Forscherteam gemacht - und auch gleich eine Möglichkeit entwickelt, mit der sich das Risiko für einen Herzinfarkt anhand von Haarproben bestimmen lässt. Mit der neuen Messmethode ist es demnach möglich, nicht nur kurzzeitigen, sondern auch langanhaltenden Stress nachzuweisen. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler um Gideon Koren von der University of Western Ontario in London (Kanada) im Fachmagazin „Stress”.

Zahlreiche Studien belegen, dass chronischer Stress das Risiko für Herzerkrankungen erhöht. „Das Problem ist, diesen Stressgrad zu messen”, erklärt Koren. Versucht wurde das bislang vor allem über die Bestimmung der Konzentration des Stresshormons Cortisol in Blut-, Urin- oder Speichelproben. Dadurch ergibt sich aber nur ein punktueller Nachweis des Stressgrades zum Zeitpunkt der Probe. Aussagen über chronischen Stress über einen längeren Zeitraum hinweg waren bislang nicht möglich. Gerade diese Daueranspannung ist aber der große Risikofaktor für Herzerkrankungen.

Um dem chronischen Stress auf die Spur zu kommen, nutzen die Forscher nun die Informationen aus den Haaren, die dabei wie ein „Stress-Tagebuch” fungieren. Ein Haar wächst pro Monat etwa einen Zentimeter, und das Stresshormon lagert sich dort dauerhaft ab.

„Ein sechs Zentimeter langes Haar bezeugt also den Cortisolspiegel des letzten halben Jahres”, erklären die Forscher. Auf diese Weise kann das Stresslevel in genau dieser Zeitspanne ermittelt werden. Daraus könnten nach Einschätzung der Wissenschaftler Voraussagen über zukünftige herzbezogene Krankheitsrisiken getroffen werden.

Für ihre Studie nahmen die Forscher drei Zentimeter lange Haarproben von insgesamt 112 Männern. Die Hälfte der Probanden wurde bereits aufgrund eines Herzinfarkts in einer Klinik behandelt, die andere Hälfte hatte keine Herzprobleme. Das Ergebnis: Im Haar der Herzkranken stellten die Wissenschaftler deutlich mehr Cortisolablagerungen fest als bei den Gesunden.

Haarproben könnten daher künftig das Mittel der Wahl sein, um Dauerstress sichtbar zu machen und mögliche Herzinfarktrisiken besser abzuschätzen. Zudem könnte auf diese Weise die Wirksamkeit von Behandlungen zur Stressreduktion überprüft werden.
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