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Streit mit Kasse oder Arzt: Manchmal ist unabhängiger Rat sinnvoll

Von: Nina C. Zimmermann, dpa
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Streit mit Arzt: Manchmal ist unabhängiger Rat sinnvoll
Vertrauen ist eine wichtige Basis in der Medizin - ist dieses nicht mehr gegeben, sollten Patienten den Arzt wechseln und sich von einer neutralen Stelle beraten lassen. Foto: DAK/Schläger/dpa/tmn

Berlin. Läuft bei einer medizinischen Behandlung etwas schief, empfiehlt sich ein klärendes Gespräch mit dem Arzt. Auch die Krankenkasse kann ein guter Ansprechpartner sein. Doch manchmal hilft das alles nicht weiter: Dann brauchen Patienten unabhängigen Rat.

Wer dieser Tage die Nummer der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) wählt, hört nur eine Ansage vom Band. Wie auf der Website wird darauf hingewiesen, dass die UPD derzeit neu organisiert wird und daher im Moment keine Beratung möglich ist. Aus diesem Grund sind auch alle regionalen Beratungsstellen geschlossen - zumindest vorübergehend.

Für Patienten, die zum Beispiel wegen eines Behandlungsfehlers oder eines Streits mit ihrer Krankenkasse Rat suchen, ist das eine missliche Situation: Zwar ist seit dem 1. Januar durch das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) eine unabhängige Patientenberatung gesetzlich fest verankert.

Doch weil die bislang bestehende Form der UPD nur ein Modellprojekt war, das Ende 2010 zu Ende ging, läuft derzeit noch ein Ausschreibungsverfahren, über das ein neuer UPD-Träger für die kommenden fünf Jahre gefunden werden soll.

„Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe des Januar eine Entscheidung treffen können”, sagt Florian Lanz, Pressesprecher des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in Berlin.

Der Verband bestimmt mit Unterstützung des Patientenbeauftragten der Bundesregierung sowie von Patientenorganisationen, Wissenschaftlern und privaten Krankenversicherern, wer die UPD weiterführen soll. Sobald der Beschluss gefallen ist, könnte es laut Lanz „sehr rasch wieder Beratungsmöglichkeiten” geben.

Zentral sei, dass die Versicherten ihre Rechte möglichst selbstständig gegenüber den sogenannten Leistungserbringern im Gesundheitswesen - also Ärzte, Kliniken, Kassen - wahrnehmen können.

Jeder besprochene Fall - mehr als 250.000 waren es in den vergangenen vier Jahren - soll Lanz zufolge systematisch ausgewertet werden, um zu ermitteln, was im System schief läuft. Die Beratung sei eine „fantastische Informationsquelle”, um aus Fehlern zu lernen.

Schwerpunkt werde in Zukunft die Telefon- und Onlineberatung sein. Aber es solle auch weiterhin möglich sein, sich persönlich vor Ort Rat zu holen, sagt der Sprecher. Auf jeden Fall erhalten bleiben soll der Name Unabhängige Patientenberatung Deutschland, die Internetadresse www.upd-online.de und die Nummer der kostenfreien bundesweiten Hotline 0800/011 77 22.

Der neue UPD-Träger könnte der alte sein: Ins Leben gerufen wurde die gemeinnützige GmbH vom Sozialverband VdK Deutschland, dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und dem Verbund unabhängige Patientenberatung VuP. Damit Patienten in der Zwischenzeit nicht ganz vor verschlossenen Türen stehen, versuchen die Träger zumindest teilweise die Beratung aufrecht zu erhalten, sagt Bertram Lingnau, der bis 31. Dezember 2010 UPD-Pressesprecher war.

Doch nur in den wenigsten der 22 Beratungsstellen deutschlandweit werden Ratsuchende auch tatsächlich Hilfe bekommen - die Überbrückung kann und soll die entstandene Lücke nicht dauerhaft schließen. Auch das bekannte UPD-Logo verwenden sie dafür nicht.

Welche Möglichkeiten haben Patienten derzeit stattdessen? „Sie können sich zum Beispiel an die Bürgerhotline der Bundesgesundheitsministeriums wenden”, sagt Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte vom vzbv. Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung sei ein Ansprechpartner.

In der Regel kostenpflichtig ist eine Beratung in einer der regionalen Verbraucherzentralen. Außerdem können sich Patienten mit Beschwerden an ihre Krankenkasse oder die zuständige Ärztekammer wenden. „Die mag qualitativ gut sein, erfüllt allerdings nicht unseren Anspruch an Unabhängigkeit”, schränkt Etgeton ein.

Eine weitere Adresse ist der sogenannte Patientenfürsprecher, den viele Krankenhäuser etabliert haben. Ob diese für Abhilfe sorgen können, hänge vom Gegenstand der Beschwerde ab. „Bei vielen kleineren Beschwerden können sie sicher helfen”, sagt Etgeton. Bei einem Behandlungsfehler sei aber eine Rechtsberatung erforderlich, die ein solcher Fürsprecher nicht leisten könne.

Er sollte aber trotzdem über Vorfälle in seinem Krankenhaus informiert werden. Gibt es eine solche Stelle nicht, empfiehlt GKV-Mann Lanz, sich an die Verwaltungsspitze der Klinik, in der Regel den Geschäftsführer, zu wenden. In solchen Fällen sei es aber auch Aufgabe der Krankenkasse, ihre Versicherten zu unterstützen.

Da ein Arzt-Patienten-Verhältnis auf beiderseitigem Vertrauen beruht, kann eine übereilte Beschwerde dieses leicht unwiederbringlich zerstören. „Zu allererst sollte man bei Problemen im Behandlungsablauf versuchen, das Thema mit dem behandelnden Arzt selbst zu klären”, rät daher Günther Jonitz, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer und Kammerpräsident in Berlin.

Nützt das nicht, empfehle sich ein Arztwechsel. Das sei „oft die beste Möglichkeit, sowohl eine medizinische Klärung des bisherigen Verlaufes als auch die weitere Behandlung zu gewährleisten”.

Erst wenn das nicht weiterhilft, sei die Ärztekammer die richtige Adresse. „Die Ärztekammern prüfen gemäß der Berufsordnung, ob sich der Arzt seinen Pflichten dem Patienten gemäß verhalten hat”, erläutert Jonitz.

Dies betreffe unter anderem „die Einhaltung der Regeln der ärztlichen Kunst”. Dazu würden in der Regel Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen einbezogen, um gutachterlich zu prüfen, ob ein Behandlungsfehler vorliegt.

Wer grundsätzlich auf ein gravierendes Problem aufmerksam machen, aber nicht als „Meckerheini” da stehen will, kann sich auch anonym beschweren. Dazu bietet der GKV-Spitzenverband online ein Formular an. Entweder gehen die Kassen der Sache dann selbst nach oder schalten im schlimmsten Fall sogar die Staatsanwaltschaft ein.

Laut Gesetz ist die UPD ab sofort kein Modellprojekt mehr, sondern gehört zur Regelfinanzierung der Gesetzlichen Krankenkassen. Sie wird wie vorher auch mit 5,2 Millionen Euro im Jahr finanziert - allerdings mit dem Unterschied, dass nun aus dieser Summe auch die wissenschaftliche Begleitforschung bezahlt wird. Neben der Gesetzlichen Krankenversicherung wird sich auch die Private beteiligen: Sie will 364.000 Euro zuschießen.
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