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Selbstmörder-Molekül lindert Gelenkschmerzen

Von: ddp
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New York. Ein im Labor hergestelltes sogenanntes Selbstmörder-Molekül dürfte in Zukunft Menschen mit Gelenkrheumatismus helfen: US-Forscher haben jetzt ein Molekül nachgebaut, das unentdeckt in wuchernde Immunzellen eindringt, die für die schmerzhafte Krankheit verantwortlich sind.

Von innen heraus zerstört das Molekül die hyperaktive Zelle und anschließend auch sich selbst. Diese „suizidal” angelegte Atomverbindung könne Gelenkrheumatismus stoppen oder sogar rückgängig machen, haben die Wissenschaftler in Versuchen mit Mäusen herausgefunden.

Für den Einsatz von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, dass der Zellen-Zerstörungsprozess keine toxischen Nebeneffekte hervorruft: Bisherige Therapiemethoden seien in dieser Hinsicht alle höchst problematisch, schreiben die Wissenschaftler. Ihre Ergebnisse stellen Harris Perlman und seine Kollegen von der Feinberg School of Medicine in Chicago im Fachmagazin „Arthritis & Rheumatism” vor (Bd. 62, Nr. 2).

Gesunde Immunzellen sterben normalerweise ab, nachdem sie ein Virus oder ein Bakterium attackiert haben. Bei Gelenkrheumatismus leben die Fresszellen des Immunsystems jedoch weiter und werden zu fiesen Übeltätern: Sie wuchern im Blut und lagern sich im Gelenk sowie in Knorpeln und Knochen ein. Die Wissenschaftler um Perlman entdeckten nun, dass hyperaktive Immunzellen über sehr wenige sogenannter Bim-Moleküle verfügen. Diese Atomverbindungen sind für das richtige Arbeiten der Fresszellen aber sehr wichtig: Sie lösen, nach einer erfolgreichen Attacke gegen Eindringlinge den Selbstzerstörungsmechanismus in der Zelle aus. Um den Mangel an Bim-Molekülen beheben zu können, haben die Forscher die selbstmörderische Atomverbindung nachgebaut.

Um die Wirkung des neu entwickelten Wirkstoffs zu überprüfen, injizierten die Forscher die Moleküle Mäusen, die an Gelenkrheumatismus erkrankt waren. Ihre Annahme bestätigte sich: Die Atomverbindungen glitten gespenstergleich in die Immunzellen und zerstörten die kranken Zellen von innen. Bei 75 Prozent der behandelten Tiere konnte die Krankheit auf diese Weise gestoppt werden: Die Gelenkschwellungen bildeten sich zurück und sogar die Zersetzung der Knochen verringerte sich.

Bis heute wird Gelenkrheumatismus häufig mit einer Hormon- oder einer schwach dosierten Chemotherapie behandelt. Dieser Therapieansatz wirkt jedoch nicht in allen Fällen und wird häufig von Nebenwirkungen begleitet. Eine neuere Behandlungsmethode, die ergänzend angewandt wird, ist die Biologic-Response-Modifiers Therapie. Dabei werden Proteine zu den rheumatischen Gelenken geschleust, wo sie die Entzündung bekämpfen, die durch die wuchernden Fresszellen ausgelöst wurde.

Aber auch dieser Ansatz wirkt nicht bei jeder erkrankten Person und kann außerdem unangenehme Entzündungen hervorrufen. Das jetzt neu nachgebaute Molekül berge somit ein riesiges Potenzial, weil es keine toxischen Nebenwirkungen aufweise, schreiben die Forscher. Damit könnten nun effektive Medikamente gegen Gelenkrheumatismus entwickelt werden.
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