Wien - Schutz vor gefährlichen Klinikkeimen verbesserungswürdig

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Schutz vor gefährlichen Klinikkeimen verbesserungswürdig

Von: dpa
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Wien. Ein Patient kommt mit einem behandelbaren Problem ins Krankenhaus und holt sich dort eine möglicherweise tödliche Infektion. Dieses Szenario kommt auch in deutschen Kliniken nach Auskunft von Experten jedes Jahr tausendfach vor. Sie fordern mehr Aufklärung sowie sorgfältigere Hygiene bei Ärzten und Pflegepersonal.

„Die Standards zu beachten ist extrem wichtig, wir können uns das als Ärzte nicht anders leisten”, sagte der Infektionsexperte Winfried Kern der Nachrichtenagentur dpa in Wien.

Kern ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und Referent des europäischen Kongresses für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ECCMID), der am Dienstag in Wien zu Ende ging. Rund 8000 Teilnehmer hatten in der österreichischen Hauptstadt unter anderem über Krankheiten aus dem Krankenhaus diskutiert.

Zum Ausmaß des Problems gibt es nur Vermutungen: Rund 1500 Menschen sterben nach Einschätzung Kerns jährlich in Deutschland an leicht vermeidbaren Infektionen aus dem Krankenhaus - weil sich beispielsweise der Arzt nicht die Hände desinfiziert hat. Andere Experten setzen die Zahl noch höher an. Erkrankungen ohne Todesfolge gebe es Hunderttausende. Je länger ein Patient im Krankenhaus bleibe, desto größer werde das Risiko, sagte Kern. Die häufigsten Krankheiten sind nach Aussage des Experten Wundinfektionen nach chirurgischen Operationen, Blasenentzündungen oder Blutvergiftungen durch Katheter und Lungenentzündungen nach Narkosen.

Auslöser der Infektionen sind fast immer Ärzte oder Pfleger, die beispielsweise aus Zeitmangel die Schutzmaßnahmen nicht beachten. Denn auch wenn die Bettenzahl in vielen Krankenhäusern gleich bleibe, steige durch schwerere Krankheiten und kürzere Aufenthalte die Arbeitsbelastung. „Heute müssen in kürzerer Zeit viel mehr Fälle durchgeschleust werden als früher”, sagte Kern.

Eine bei dem Kongress vorgestellte Studie zur Hand-Hygiene in Intensivstationen in 13 europäischen Ländern deckte riesige Unterschiede auf: Während sich in manchen Krankenhäusern nur 7 Prozent der Beschäftigten ausreichend desinfizieren, sind es in anderen 88 Prozent. Krankenschwestern schneiden dabei am Besten ab, während Ärzte deutlich hinterherhinken.

Abhilfe könnte Kern zufolge vor allem Kontrolle - etwa mit Checklisten und Dokumentationen - geschaffen werden, was aber bisher kaum ein Krankenhaus umsetze. „Messbarkeit von solchen Standards ist das A und O”, sagte der Mediziner. Auch Aufklärungskampagnen seien hilfreich. Das alles kostet aber und macht neues Personal nötig. „Ohne Investitionen ist eine Verbesserung nicht zu schaffen”, sagte der Experte.

Auf Null werde sich die Fallzahl nie bringen lassen. Bei besonders anfälligen Patienten wie sehr alten Menschen oder Krebskranken mit langen Aufenthalten im Krankenhaus ließen sich Zusatzinfektionen kaum vermeiden.

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