Aachen - Schritt für Schritt zum Schadenersatz: Biallos Ratgeber Behandlungsfehler beim Arzt

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Schritt für Schritt zum Schadenersatz: Biallos Ratgeber Behandlungsfehler beim Arzt

Von: Annette Jäger und Horst Biallo
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Früher war das, was der Arzt gesagt hat, in Stein gemeißelt. Das hat sich geändert: Zunehmend hört man von Behandlungsfehlern durch Ärzte. Nicht etwa weil es mehr Fälle als früher gibt, sondern weil die Patienten selbstbewusster geworden sind und die ärztliche Leistung hinterfragen.

Allerdings begibt sich der Patient beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler auf Glatteis: „Die Beweislast liegt zunächst bei ihm”, sagt Wolfgang Schuldzinski, Jurist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Einen Fehler bei der Diagnose oder Therapie nachzuweisen ist gar nicht so einfach. Deshalb sollte man Schritt für Schritt vorgehen und die Chancen auf Schadenersatz zunächst sorgfältig prüfen, rät der Jurist.

Was ist ein Behandlungsfehler? Man spricht von einem Behandlungsfehler, wenn der Arzt oder ein anderer Behandler - Zahnarzt, Heilpraktiker, Pflegepersonal - die Sorgfaltspflicht verletzt hat. Das heißt: Bei der Diagnose, der Therapie, der Aufklärung oder bei Hygienemaßnahmen ist ein Fehler unterlaufen, durch den der Patient einen Schaden erlitten hat.

Der Arzt, beziehungsweise seine Haftpflichtversicherung, ist dann zu Schadenersatz verpflichtet. Nur wenn man dem Arzt „mangelnde Aufklärung” anlasten kann, kehrt sich die Beweislast um, und der Arzt muss selbst beweisen, dass er den Patienten umfassend informiert hat und die anschließende Behandlung fehlerfrei war.

Kostenloser Rat: Im ersten Schritt sollte man sich an seine Krankenkasse wenden. Sie kann mit einem Gutachten des Medizinischen Dienstes (MDK) die Chancen auf Schadenersatz einschätzen. Dafür muss der Patient alle Unterlagen vorlegen: OP-Berichte, Krankenakte, Laborberichte und Röntgenbilder.

„Der Patient hat ein Recht auf Akteneinsicht und Kopien der Dokumente. Hier sollte er sich von Arzt oder Klinik nicht einschüchtern lassen”, rät Schuldzinski. Einige Kassen haben inzwischen Zentren eingerichtet, die das Vorgehen gegen Behandlungsfehler managen, zum Beispiel die AOK oder die Techniker Krankenkasse.

Außergerichtliche Schlichtung: Bei der Gutachterkommission beziehungsweise Schlichtungsstelle der Landesärztekammern kann man eine außergerichtliche Einigung anstreben. Das Verfahren ist kostenlos, wenn auch langwierig, zwölf bis 18 Monate.

„Dieser Weg empfiehlt sich, wenn die Beweislage eindeutig ist”, sagt Schuldzinski. Denn entschieden wird nur nach Aktenlage. Handelt es sich bei dem Fall um „mangelnde Aufklärung” durch den Arzt, kann die Kommission nichts ausrichten.

Dann muss man gleich den Klageweg beschreiten. Bevor man sich an die Kommission wendet, sollte man sich von einem Fachanwalt für Medizinrecht beraten lassen. Eine Entscheidung der Schlichtungsstelle ist nicht verbindlich, gerichtlich vorgehen kann man trotzdem noch.

Klageweg: Vor Gericht benötigt man einen Rechtsanwalt - am besten einen durch entsprechende Fallzahlen ausgewiesenen Fachanwalt für Medizinrecht oder Versicherungsrecht. Anwaltsvereine helfen bei der Suche.

Ab jetzt entstehen Kosten für den Patienten. Und die können erheblich sein. Denn die Kosten für den Anwalt und das Gericht richten sich nach dem Streitwert des Verfahrens, also der Höhe der Schadenersatzforderung. „Möglicherweise übernimmt die Rechtsschutzversicherung die Kosten. Das sollte man aber vorher klären”, rät Jurist Schuldzinski.

Prävention: Damit es gar nicht erst zu einem Behandlungsfehler kommt, muss der Patient selbstbewusst seine Krankheit in die Hand nehmen: Nachfragen hat oberste Priorität - wenn man etwas nicht verstanden hat, sollte man so lange nachbohren, bis alles klar ist. Kommt einem etwas komisch vor, sollte man ein Patiententagebuch führen und darin Aussagen von Krankenschwestern oder Ärzten mit Datum und Uhrzeit festhalten - da kann auch der Bettnachbar als Zeuge wichtig sein.
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