Schlaganfälle rechtzeitig erkennen: Erste Anzeichen ernst nehmen

Von: Nina C. Zimmermann, dpa
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Unverzüglich den Notarzt rufen: nur dann besteht die Chance, dass sich ein Schlaganfall-Patient gut erholt. Foto: dpa

Berlin. Am Telefon klingt die Patientin benommen. Sie hat eine belegte Stimme und Schwierigkeiten, ganze Sätze zu bilden. Außerdem kann sie sich nicht so genau erinnern, was sie kurz vorher gemacht hat.

Nach einer Odyssee von ihrem Hausarzt über einen Neurologen zu einer Spezialpraxis für bildgebende Verfahren steht nach einer Woche fest: Ursache für die Störungen bei der 87-Jährigen war ein leichter Schlaganfall.

Die Frau hat sich mittlerweile gut erholt. Doch das ist nur in wenigen Fällen so, wenn die Diagnose spät erfolgt. „Je früher ein Patient ins Krankenhaus kommt, umso größer ist die Chance, dass sich die Ausfälle zurückbilden und dass es im weiteren Verlauf zu keinem weiteren Schlaganfall kommt”, sagt Prof.

Otto Busse von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) in Berlin. „Man sollte es immer ernst nehmen, wenn man eine Kommunikationsstörung hat oder einen Arm nicht mehr spürt und das Ganze länger als fünf Minuten andauert”, ergänzt der Neurologe Christian Nolte vom Kompetenznetz Schlaganfall an der Universitätsklinik Benjamin Franklin in Berlin.

Der Hausarzt sei auf solche Notfälle allerdings nicht spezialisiert - es liege im System, wenn sich die Behandlung eines potenziellen Schlaganfall-Patienten dann verzögert, sagt Nolte. Er rät daher, sofort den Rettungsdienst unter der 112 zu rufen, wenn plötzlich zum Beispiel Sprachstörungen, Lähmungen, Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen, eine Sehschwäche oder „Doppelbilder” auftreten.

Ein Schlaganfall kann in jedem Alter auftreten. Besonders gefährdet sind aber ältere Menschen. Als einen der beiden Hauptgründe nennt Nolte die im Alter zunehmende Arteriosklerose. Dabei „verkalken” die Gefäße - es können sich Gerinnsel bilden, die sich im schlimmsten Fall im Hirn festsetzen. Der zweite Grund seien die im Alter häufigeren Herzerkrankungen, die zum Teil durch Arteriosklerose bedingt sind und auch zu verstärkter Bildung von Blutpfropfen führen können.

Bei einem Schlaganfall ist entweder eines der Blutgefäße im Gehirn durch einen Blutpfropfen verstopft. Dann sprechen Fachleute nach Angaben der Stiftung Schlaganfall in München von einem „unblutigen Schlaganfall” in Form einer Hirnembolie oder einer Gehirnthrombose. Bei einem „blutigen Schlaganfall” dagegen zerreißt ein Blutgefäß. In beiden Fällen sind die Zufuhr oder der Abfluss des Blutes unterbrochen. Die betroffene Region bekommt keinen Sauerstoff und keine Nährstoffe mehr, und Gehirnzellen fangen an abzusterben.

Die akuten Folgen eines Schlaganfalles vergleicht die Stiftung mit einem „Terroranschlag” auf das Versorgungszentrum einer Großstadt: Auf längere Sicht seien ein schwerwiegender Verlust geistiger und körperlicher Funktionen oder sogar der Tod möglich. Am besten sei die rasche Einlieferung in eine der rund 190 sogenannten Stroke Units, rät Busse. Das sind auf Schlaganfälle spezialisierte Klinik-Abteilungen, zu finden unter http://www.dsg-info.de.

Außer der neurologischen Untersuchung sind bildgebende Verfahren wie CT oder MRT entscheidend für die Diagnose. Etwa 40 Prozent der Schlaganfall-Patienten mit bleibenden neurologischen Schäden haben laut Busse vorher einen kleinen Schlaganfall, eine sogenannte transitorisch ischämische Attacke (TIA), erlitten.

Diese macht sich mit denselben Symptomen bemerkbar wie ein großer Schlaganfall, nur dass die Beschwerden hier nur wenige Minuten bis maximal 1 Stunde oder - je nach Definition - höchstens 24 Stunden anhalten und dann wieder verschwinden. In den ersten Tagen danach ist das Risiko für einen großen Schlaganfall besonders hoch. Es lasse sich aber deutlich senken, wenn die TIA innerhalb von 24 Stunden richtig behandelt wird, sagt Busse.

Eine einzelne TIA verursacht zwar keine Spätfolgen. „Aber wenn Sie 4, 5 oder 20 TIAs haben, gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein”, sagt Nolte. Das Gehirn schaffe es irgendwann nicht mehr, die vielen kleinen Schläge wegzustecken. „Das Grundgerüst ist dann erschüttert, und das kann mittelfristig zu einer Demenz oder zu schweren kognitiven Einschränkungen führen.” Das sei beim Hirngewebe wie bei einer Blume, die nicht mehr gegossen wird: Erst welke sie, dann vertrockne sie.

Risikofaktoren vermeiden

Neben genetischen gibt es eine Reihe von beeinflussbaren Risikofaktoren, erläutert die Stiftung Schlaganfall in München. Durch medizinische Behandlung ändern lassen sich Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes und flüchtige Durchblutungsstörungen. Wer außerdem auf seine Lebensgewohnheiten achtet und nicht raucht, kein Übergewicht hat, sich viel bewegt, nicht zu fett isst, wenig Alkohol trinkt und Stress vermeidet, senke sein Schlaganfall-Risiko weiter.
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