Schizophrene Maus eröffnet neue Therapiewege

Von: ddp
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Washington. Die Behandlung von Schizophrenie wird künftig durch ein Tiermodell unterstützt: US-Wissenschaftler haben Mäuse künstlich in den Krankheitszustand versetzt und mit den schizophrenen Tieren die Wirksamkeit von Medikamenten überprüft.

Durch die Ausschaltung eines Gens lösten die Neurobiologen quasi die Bremsen bei den Hirnzellen, die bei komplexen Denkvorgängen und Entscheidungen über angemessenes Sozialverhalten aktiv sind. Bei den nun ungehemmten Mäusen zeigten sich eine Beeinträchtigung des Kurzeitgedächtnisses und eine erhöhte körperliche Unruhe.

Bisher existierten keine Modelle, mit deren Hilfe Mediziner Therapien gegen die psychischen Störungen entwickeln können, an denen ein Prozent der Weltbevölkerung leidet. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Forscher um Lin Mei vom Medical College of Georgia im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences” vorgestellt (Onlinevorabveröfentlichung, doi: 10.1073/pnas.0910302107).

Um die Psyche der Maus zu beeinträchtigen, zerstörten die Wissenschaftler die kritische Balance von Anregung und Hemmung spezieller Nervenzellen, mit denen das Gehirn die Flut eingehender Informationen für Entscheidungen verarbeitet. Diese sogenannten Pyramidenzellen werden von vorgeschalteten Zellen, den Interneuronen, durch biochemische Stoffe gemanagt. Indem sie bei diesen Kontrolleuren das Gen ErbB4 ausschalteten, verloren die Interneuronen ihren dämpfenden Einfluss auf die Pyramidenzellen: Die Tiere zeigten typische schizophrene Verhaltensweisen wie motorische Unruhe oder beeinträchtigte Wahrnehmung.

In Experimenten sammelten die Forscher genaue Informationen über die unkontrollierten Verhaltensweisen der gestörten Tiere. Beispielsweise lernten zwei Gruppen von normalen und psychisch beeinträchtigten Mäusen, dass sie in jedem der acht Gänge einer kleinen Kammer einen Leckerbissen fanden. Trippelten sie aber nach wenigen Sekunden in den gleichen Arm, gingen sie leer aus. Die schizophrenen Mäuse brauchten deutlich länger für den Lernvorgang und sie vertändelten auch viel Zeit damit, herumzuschnüffeln und leere Gänge erneut zu kontrollieren.

„Wir glauben, dass die gestörten Mäuse uns helfen, bessere Therapien zu entwickeln. Wir testen auch bereits die Wirksamkeit der am Markt erhältlichen Medikamente”, berichtet Studienautor Mei. So wurden in einem Versuch die Vergleichsgruppen darauf trainiert, dass auf ein leises Geräusch ein lautes folgt. Die schizophrenen Tiere zeigten sich über das Folgegeräusch stets überrascht, bis ihnen der Wirkstoff Diazepam verabreicht wurde, ein Psychopharmakon zur Behandlung von Angstzuständen.
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