Stuttgart/Köln - Schimmel auch bei guten Dichtungen vermeidbar

Schimmel auch bei guten Dichtungen vermeidbar

Von: Katja Fischer, dapd
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Schimmel
Achtung Pilz: Ecken und Fugen werden oft von Schimmel befallen. Foto: dpa

Stuttgart/Köln. Schimmel in der Wohnung ist vermeidbar. Vorausgesetzt, die Bauqualität des Gebäudes stimmt und die Bewohner verhalten sich richtig. Oft fangen die Probleme mit der Wärmedämmung oder dem Einbau neuer Fenster an.

Die gut abgedichteten Häuser behindern den Luftaustausch zwischen drinnen und draußen. Das führt zu hoher Luftfeuchtigkeit und damit zu möglicher Schimmelbildung.

Der Gesetzgeber hat darauf mit neuen Regelwerken für Planer und Architekten reagiert. Bei Neubauten fordern die Energieeinsparverordnung (EnEV) und der Wärmeschutz im Hochbau (DIN 4108-2 + 7), jetzt eine luftundurchlässige Gebäudehülle bei gleichzeitiger Sicherstellung der Raumhygiene durch einen ausreichenden Luftwechsel.

Der erforderliche Luftaustausch ist nach DIN dann gewährleistet, wenn die Luft alle zwei Stunden einmal ausgetauscht wird. Architekten, Planer und Bauträger sind deshalb in der Pflicht, für jedes Wohngebäude ein schlüssiges Lüftungskonzept zu erstellen. Auch bei Sanierungen ist ein Lüftungskonzept obligatorisch, wenn im Ein- und Mehrfamilienhaus mehr als 30 Prozent der vorhandenen Fenster ausgetauscht beziehungsweise im Einfamilienhaus mehr als 30 Prozent der Dachfläche abgedichtet werden.

Wer nun meint, einfach auf die Dämmung verzichten zu können, um dem Schimmel vorzubeugen, liegt falsch. „Schlecht gedämmte Wände bieten eine ideale Angriffsfläche für Schimmelsporen, denn die Luftfeuchtigkeit kondensiert an solchen kalten Stellen deutlich schneller als an warmen”, sagt Roland Falk vom Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg.

Wärmeschutzfenster einzubauen und die Fassade ungedämmt zu lassen, birgt nach Ansicht des Experten ein hohes Schimmelrisiko. Da die neuen Fenster absolut dicht seien, sei der Luftaustausch eingeschränkt, sagt der Experte. Das erhöht die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung. An kalten Stellen wie ungedämmten Fensterlaibungen oder Ecken schlägt sich Feuchtigkeit nieder und fördert so das Schimmelpilzwachstum.

„Deshalb raten wir, bei einem Fenstertausch auch die Fassade inklusive Fensterlaibung zu dämmen. An warmen Oberflächen ab 15 Grad Celsius kondensiert keine Feuchtigkeit mehr”, sagt Falk. Michael Reichmann, Experte für Bauwesen beim TÜV Rheinland empfiehlt zusätzlich die Verwendung von Kalziumsilikatplatten als Innendämmung. Sie nehmen die Feuchtigkeit gut auf und geben sie nur nach und nach wieder an die Raumluft ab. „So finden Schimmelpilze keine Nährböden”, sagt der Experte.


Regelmäßig lüften, keine Wäsche in der Wohnung trocknen

Die Lüftungskonzepte der meisten Gebäude funktionieren aber nur, wenn die Bewohner sie aktiv umsetzen. Denn nur in seltenen Fällen werden schon technische Wohnungslüftungsanlagen eingebaut. Meist müssen die Bewohner selbst für ausreichenden Luftwechsel sorgen, indem sie regelmäßig die Fenster öffnen.

Wichtig ist auch, dass sie möglichst alles vermeiden, was viel Feuchtigkeit in die Raumluft abgibt, rät die Eigentümerschutzgemeinschaft Haus Grund Baden-Baden. Zu den größten Sünden gehöre das Aufhängen nasser Wäsche in der Wohnung.

Die Bewohner sollten auch vorhandene Abluftanlagen über dem Herd und im Bad regelmäßig nutzen. Sehr wirkungsvoll sei es auch, Feuchtigkeit, Kondens- oder Spritzwasser auf Fliesen oder an der Duschkabine mit einem Abzieher abzustreifen und mit einem Tuch aufzuwischen, das anschließend draußen zum Trocknen aufgehängt wird.

Da sich Schimmel bevorzugt an schlecht belüfteten Außenwandflächen bildet, z. B. hinter Schränken und Bildern, sollte der Kleiderschrank möglichst nicht an der Außenwand und alle übrigen Möbel mit einem Abstand von 5 bis 10 Zentimetern vor der Wand stehen. So ist ausreichend Platz für die Belüftung der Wand vorhanden, meinen die Experten. Bei Bildern könne man mit durchgeschnittenen Korken für einen ausreichenden Wandabstand sorgen. Wichtig sei auch, dass die Luft unter den Möbeln hindurch an die Wand gelangen und zirkulieren kann.

Ist erst einmal Schimmel im Haus, dürfen die Bewohner ihn keinesfalls dulden, sie müssen seine Ursachen zügig und nachhaltig beseitigen, am besten mit Hilfe eines qualifizierten Fachbetriebes. „Übersteigt die Schimmelpilzkonzentration ein gewisses Maß, kommt es nicht nur zu Materialschäden. Die Sporen sind auch gesundheitsschädlich”, warnt Michael Reichmann vom TÜV Rheinland.


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