Psychologische Hilfe für Krebspatienten nötig

Von: dpa
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Erfurt/Bonn. Fast jeder dritte Krebspatient benötigt nach Einschätzung der Deutschen Krebshilfe außer der Tumortherapie auch professionelle psychologische Hilfe. Allerdings mangele es in der Bundesrepublik an entsprechenden Angeboten, sagte Verbandspräsidentin Dagmar Schipanski in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

„Eine flächendeckende, qualitätsgesicherte psychoonkologische Betreuung gibt es noch nicht.” Die Krebshilfe fordert für den Aufbau solcher Beratungsstellen innerhalb der nächsten fünf Jahre rund zehn Millionen Euro. In Deutschland erkranken jährlich rund 436.000 Menschen an Krebs.

Mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe werden zurzeit 28 Beratungsstellen aufgebaut. Bundesweit sind nach Angaben ihrer Präsidentin 500 derartige Anlaufstellen nötig. Derzeit gibt es 260, überwiegend in den größeren Städten und an zertifizierten Tumor- oder Organkrebszentren. Allerdings werde ein Großteil der betroffenen Patienten nicht in diesen Zentren behandelt, sondern in kleineren Kliniken ohne entsprechende Beratungsangebote, sagte Schipanski. „Auch die Beratungsqualität ist sehr unterschiedlich.” Demnach erfüllen derzeit nur etwa 60 Beratungsstellen die erforderlichen Qualitätskriterien wie die Besetzung mit speziell ausgebildeten Ärzten und Psychologen sowie die fachübergreifende Zusammenarbeit von Medizinern, Therapeuten und Sozialarbeitern.

Ziel der Psychoonkologie ist es, Krebspatienten bei der seelischen Bewältigung ihrer Krankheit zu helfen. Dazu gehören die Verarbeitung von Diagnoseschock und Todesangst, die Begleitung während der strapaziösen, meist mit erheblichen Nebenwirkungen verbundenen Behandlung und die Unterstützung bei der Rückkehr in einen möglichst normalen Lebensalltag. „Jeder zweite Krebspatient kann heute geheilt werden”, sagte Schipanski. „Viele überleben aber mit körperlichen Beeinträchtigungen und müssen sich deshalb neu orientieren. Dazu bedürfen sie auch psychologischer Hilfe.”

Die Deutsche Krebshilfe unterstützt auch die Forschung auf dem Gebiet der psychosozialen Onkologie. Davon sollen außer den Patienten auch deren Angehörige profitieren, sagte Schipanski. „Die Familien sind mit der Diagnose Krebs meist genauso überfordert wie die Patienten selbst.”

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