Ohne Rausch prickelnd ins Neue Jahr

Von: Monika Hillemacher, dpa
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Genuss ohne Reue: Alkoholfreier Sekt verursacht keinen Kater - und hat ein Drittel weniger Kalorien. Foto: dpa

Köln. Deutschland ist das Land der Sekttrinker. 425 Millionen Flaschen wurden 2008 verkauft, etwa ein Viertel des weltweiten Konsums. Statistisch gesehen trank jeder Bürger ab 15 Jahren 45 Gläser Schaumwein, ein Glas mehr als 2007.

Vor allem im Dezember und zu Silvester steigt der Konsum sprunghaft an. Schließlich gehört ein Gläschen Sekt zum Jahreswechsel wie das Feuerwerk. Für diejenigen, die morgens ohne Kater aufwachen wollen, sind entalkoholisierte Sekte und Weine eine Alternative.

Der Schaumwein „ohne” erfreut sich wachsender Beliebtheit. Der Marktführer Schloss Wachenheim aus Trier setzte 2008 mehr als fünf Millionen Flaschen ab - Tendenz steigend. Die Hersteller versprechen den Verbrauchern Genuss, der „sorglos und unbeschwert” ist.

Ein Drittel weniger Kalorien bescheinigt Jürgen Petershans vom Entalkoholisierungszentrum Baden-Württemberg in Waiblingen-Bittenfeld den Getränken. Der Grund liegt im Herstellprozess: Durch den Entzug des Alkohols fällt ein Dickmacher weg. Das gilt für Schaumwein ebenso wie für Wein.

Der Entzug beeinträchtigt das Aroma. „Alkohol ist ein Geschmacksträger”, erläutert Christina Fischer, Mitglied der Sommelier-Union Deutschland. Beim Sekt werde außerdem auf die zweite Gärung verzichtet, die üblicherweise für die prickelnde Säure sorge, erläutert die Gastronomin aus Köln.

Zur Rettung setzen die Produzenten auf Technik und Zusatzstoffe. Schloss Wachenheim vertraut nach Auskunft seines technischen Direktors Dirk Gloden auf Vakuumdestillation bei niedriger Temperatur, anschließend wird das Produkt mit Kohlensäure versetzt. Zusätzlich kommt Traubensaft hinzu, Gloden spricht von Restsüße.

Die Aromen bleiben dank der Kohlensäure besser erhalten als bei entalkoholisiertem Wein. Außerdem muss niemand auf das vertraute „Plopp” beim Entkorken verzichten. Sommelière Fischer ist dennoch skeptisch und empfiehlt, aus Sprudel, Saft und Sirup schäumende Eigenkreationen zu mixen: „Pfirsichsirup, Grapefruitsaft, einen Schuss Ananassaft mit Sprudel aufgießen.”

Ihrer Überzeugung nach übertreffen die Säfte entalkoholisierten Sekt geschmacklich. Wer Pfirsich und Aprikose einsetze, könne sogar das typische Rieslingsekt-Aroma schmecken. Das Mineralwasser sorgt für Frische. Damit die Komposition harmonisch schmeckt, rät Fischer zu Sprudel mit ausgewogenem Mineralstoffanteil, geringem Natrium- und Kalziumanteil sowie wenig Kohlensäure. Im Sektkelch serviert, kommt das Bouquet der Saft-Sprudel-Kombination gut zur Geltung.

Die Mischung ist im Unterschied zu entalkoholisiertem Sekt und Wein absolut promillefrei. Denn der Begriff „alkoholfrei” führt in die Irre: Laut Weinverordnung dürfen Getränke diese Bezeichnung bereits tragen, wenn sie höchstens 0,5 Volumenprozent haben. „Ein schäumendes Getränk aus alkoholfreiem Wein”, wie es offiziell heißt, enthält nach Angaben des Verbraucherinformationsdienstes aid in Bonn weniger als 0,5 Prozent.

Steht „alkoholreduziert” auf dem Etikett, können es maximal 4 Prozent sein. Für normalen Schaumwein schreibt die Verordnung einen Alkoholgehalt von mindestens 9,5 Prozent vor.

Flaschen und Getränkekarten müssen entsprechende Hinweise tragen. Ein prüfender Blick ist auf jeden Fall angebracht. Vor allem, wenn trockene Alkoholiker oder Kinder mitfeiern sollen. Für sie ist ein perlender Traubensaft wie „Trauben-Secco” eine Option. Verbraucher, die aus religiösen Gründen abstinent leben, auf das Prickeln aber nicht verzichten wollen, werden in Frankreich fündig. Dort ist alkoholfreier Sekt namens „Cham halal” - ein Wortspiel aus halal und Champagner - auf dem Markt.

Diabetiker müssen zu den Feiertagen weder auf Sekt noch auf Wein verzichten. Sie sollten beim Einkauf auf die Etikettierung achten: Geeignete Getränke müssen den Zusatz „für Diabetiker geeignet - nur nach Befragen des Arztes” tragen. Sie dürfen unter anderem keine Saccharose und höchstens vier Gramm Glukose enthalten. In der Regel kommt ein trockner, sehr kalorienarmer Wein infrage, den es inzwischen auch aus biologischem Anbau gibt.

In der Gastronomie fristen die Produkte ein Nischendasein. Hauptgrund, sagen die Sommelière Christiane Fischer und ihr Kollege, der ehemalige Sommelier-Weltmeister Marcus Del Monego, sei nach wie vor der Geschmack. Del Monego hält den Alkohol als prägendes Element für Duft und Aroma für unersetzlich.

Verbraucher bekommen alkoholfreie Weiß- und Rotweine deshalb überwiegend im Direktverkauf. Eine Reihe renommierter Winzer offerieren ihre Angebote im Internet, wo auch Informationen zum Herstellprozess zu finden sind. Alkoholfreier Sekt hat es dagegen in die Regale der Supermärkte geschafft.
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