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NRW bietet 51 Behandlungszentren gegen Brustkrebs

Von: dpa
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Brustkrebs
Die vom Gewebe zurückgeworfenen Ultraschallsignale werden in Bilder umgerechnet.

Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen gibt es inzwischen 51 auf die Behandlung von Brustkrebs spezialisierte Brustzentren.

Damit sei eine flächendeckende professionelle Versorgung der Patientinnen erreicht, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag in Düsseldorf. Jährlich erkranken in NRW etwa 10.000 Frauen neu an Brustkrebs, bundesweit mehr als 45.000. Bei der interdisziplinären Bekämpfung von Brustkrebs in Zentren sei NRW Vorreiter in Deutschland, sagte Laumann.

Um als Brustzentrum anerkannt zu werden muss eine Klinik regelmäßig eine Reihe von Qualitätskriterien, umfassende Behandlungsangebote, Vernetzung mit Spezialisten und Gynäkologen der Region sowie Mindestfallzahlen nachweisen. Zielgruppe sind vor allem Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Jährlich soll ein Brustzentren mindestens 150 Operationen bei Neuerkrankungen vorzuweisen haben. Die größere praktische Erfahrung sichere auch Qualität, erläuterte Laumann. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass die vorgegebene Quote im Einzelfall auch zu überflüssigen Operationen verleite.

„Ich würde immer dazu raten, bei einer gefährlichen Krankheit eine zweite Meinung einzuholen und der Qualität Vorzug vor der Ortsnähe zu geben”, empfahl der Gesundheitsminister. Auch gesetzlich Versicherte hätten bei schweren Diagnosen ein Recht auf eine zweite Meinung.

Wo das beste Brustzentrum in NRW ist, ist derzeit für Patientinnen allerdings noch nicht ersichtlich. Zwar gibt es Vergleichszahlen, an denen die Brustzentren ihren eigenen Stellenwert im Qualitätsranking ablesen können. Da sie diese Untersuchungen selbst finanzieren, könnten aber auch nur die Brustzentren über eine Veröffentlichung der Daten entscheiden, erläuterte Prof. Holger Pfaff von der Universität Köln.

Da die ersten Brustzentren in NRW erst vor fünf Jahren zertifiziert worden seien, sei es derzeit sehr schwer, einen unanfechtbaren „Führer” für Orientierung suchende Patientinnen herauszugeben, sagte Laumann. Künftig seien solche Qualitätsberichte aber geplant.

Erste Daten zur Einführung der Brustzentren haben Wissenschaftler aber bereits im Auftrag des Ministerium erhoben. Eine Befragung aller 51 Brustzentren und von 172 Patientinnen ergab folgende Ergebnisse: Die Versorgung in Brustzentren wird von den Patientinnen besser beurteilt als in nicht zertifizierten Kliniken. Der Anteil der Patientinnen, die lieber ein Brustzentrum aufsuchen, steigt jährlich um zwei Prozent. „Es hat eine Abstimmung mit den Füßen stattgefunden”, stellte der an der Studie beteiligte Herner Professor Ludger Pientka fest.

95 Prozent der befragten Patientinnen äußerten sich über ihren Krankenhausaufenthalt im Brustzentrum insgesamt zufrieden. Im Bereich der psychologischen Unterstützung - etwa durch Gespräche und Entspannungstherapien - galt das aber für fast ein Drittel der Patientinnen nicht. Zufrieden äußerten sich Patientinnen häufig an Brustzentren, die mit Selbsthilfegruppen zusammenarbeiteten, die auch der Chefarzt betreue, stellte Laumann fest.

In Brustzentren ist der Anteil brusterhaltender Eingriffe höher. Die Erhaltung der Brust erhöhe nicht die Mortalitätsrate, sagte Prof. Pfaff, der ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war. Es gebe aber Frauen, die sich mit einer radikalen Lösung sicherer fühlten und eine Amputation wählten, auch wenn der Arzt eine Brusterhaltung vorschlage. Fünf Prozent der Frauen entscheiden sich für eine andere Therapie als von ihrem Arzt empfohlen.

Die Zertifizierung der Brustzentren wird regelmäßig von der Ärztekammer Westfalen-Lippe überprüft. Wer die Qualitätskriterien und die Fallzahlen nicht mehr erfülle, erhalte „ohne Rücksicht auf Einzelinteressen der Krankenhäuser” eine Aberkennung, sagte Laumann.

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