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Nicht einfach drauflos wischen: Frühjahrsputz für Allergiker

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Frühjahrsputz
Herkömmliche Staubsauger machen das Putzen zur Gefahr - Allergiker sollten lieber Geräte mit speziellen Filtern verwenden. Foto: dpa

Hannover. Im Frühling haben Allergiker besonders zu kämpfen: nicht nur, dass draußen immer mehr Pollen unterwegs sind. Auch im Haus lauern Gefahren: Beim Frühjahrsgroßputz können Reiniger und aufgewirbelte Allergene zu Beschwerden führen. So lassen sie sich vermeiden.

Endlich wird es wärmer, der Winter geht zu Ende - für viele Menschen der Zeitpunkt, ihren Frühjahrsputz zu starten. Die Wohnung oder das Haus sollen auf den Kopf gestellt, entrümpelt und entstaubt werden. Doch nicht alle sollten enthusiastisch und sorglos den Frühjahrsputz beginnen. Gerade für Allergiker geht das Großreinemachen nicht immer ohne Probleme. Immerhin wird dabei einiges an Staub aufgewirbelt, und auch die Putzmittel können die Atemwege reizen.

„Alle Menschen, die chronische Atemwegserkrankungen oder chronische Lungenerkrankungen wie Asthma oder chronische Bronchitis haben, sollten beim Frühjahrsputz vorsichtig sein”, erklärt Prof. Harald Morr, Vorsitzender der Deutschen Lungenstiftung in Hannover. „Asthmatiker zum Beispiel leiden in der Regel unter überempfindlichen Bronchien und Luftwegen.” Ein gründlicher Frühjahrsputz könne ähnliche Folgen wie der Besuch einer verrauchten Kneipe haben: Die Putzmittel und der Kontakt mit allergenen Stoffen können Niesattacken, Husten und Atemnot auslösen.

Die Ursachen dafür können unterschiedlich sein. Häufig sind es schon die Putzmittel allein. „Wenn die Atemwege durch Erkrankungen so stark empfindlich sind, reichen Chemie und Inhaltsstoffe fast aller Reinigungsmittel aus, die Atemwege mit höchst unangenehmen Folgen zu reizen”, sagt Morr. Wer merkt, dass das Reinigungsmittel im Hals oder in den Bronchien Beschwerden auslöst, sollte daher die Konzentration möglichst gering halten. „Oft kann man das Putzmittel etwas mit Wasser verdünnen”, sagt Morr. „Dadurch ist die Konzentration der krankmachenden Reize über dem Putzeimer und über den gewischten Stellen geringer - und das verkleinert die Gefahren.”

Neben den Putzmitteln, die bei manchen Menschen zu Problemen führen können, leiden besonders Allergiker unter ausgiebigen Putzaktionen. Ein Grund kann zum Beispiel eine Hausstaubmilben-Allergie sein. „Schätzungen zufolge sind etwa zehn Prozent der Menschen in Deutschland von einer solchen Allergie betroffen”, sagt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund in Mönchengladbach. Betroffene reagieren allergisch auf sogenannte Hausstaubmilbenallergene, die hauptsächlich im Kot der kleinen Tiere, aber auch in deren Körpern vorkommen.

„Beim Putzen wirbelt man Staub auf und kann dabei in Kontakt mit diesen allergieauslösenden Stoffen - den Allergenen - kommen”, sagt Schwalfenberg. Es kann daher schon helfen, feucht Staub zu wischen. „So wird der Staub nicht so stark aufgewirbelt.” Teppichböden sollten kurzflorig sein und regelmäßig gesaugt werden. Dabei werden am besten spezielle Staubsauger benutzt, deren Filtersysteme die Allergene nicht in die Raumluft zurückpusten, sondern festhalten. Glatten Bodenbelägen könne der anfallende Staub nicht so gut anhaften. Sie sollten sehr regelmäßig am besten feucht gewischt werden.

Eine andere Ursache für Probleme beim Frühjahrsputz kann eine Allergie gegen die Sporen von Schimmelpilzen sein, wie Dirk Heinrich vom Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte in Neumünster ergänzt. „Schimmelpilze können besonders in feuchten Räumen entstehen, beispielsweise im Badezimmer oder eher kühlen Schlafzimmern.” Außerdem können die Pilzsporen in andere Räume getragen und dort aufgewirbelt werden.

„Die Pilzsporen können als Allergene wirken und Beschwerden auslösen”, erklärt Heinrich. Deswegen sollte man schon versuchen zu vermeiden, dass sich Schimmelpilze überhaupt bilden. „Man muss dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit immer aus den Räumen heraus kann - gutes und regelmäßiges Lüften ist wichtig.” Sollten sich dann doch Stellen mit Schimmelpilzen bilden, müssen sie entfernt werden, um unter anderen die Atemwege nicht zu belasten.

Egal, ob reizende Putzmittel oder beim Putzen aufgewirbelte Allergene die Ursache sind: „Das Problem wird häufig dadurch verstärkt, dass man in eher kleinen Räumen putzt und dadurch die Belastung durch die chemischen Stoffe sowie die Allergene relativ hoch ist”, erklärt Morr. Wenn man dann noch sehr gründlich jede Ecke reinigt und sich ziemlich lange in diesen Räumen aufhält, verstärkt das die Belastung noch mehr.

„Ein wichtiger Tipp ist daher immer, gut zu lüften”, sagt Morr. Während des Putzens sollten möglichst Türen und Fenster weit geöffnet sein. Wer dennoch Probleme hat, könne sich auch einen Mund- und Nasenschutz kaufen. „Ein einfacher aus der Apotheke oder dem Baumarkt reicht meist schon, um Staub, Milben und Schimmelpilze wie in einem Filter abzufangen.”

Probleme nicht ignorieren

Wer beim Frühjahrsputz gesundheitliche Beschwerden bemerkt, sollte sie nicht einfach ignorieren. „Je länger man den Belastungen ausgesetzt ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Beschwerden stärker werden”, sagt Prof. Harald Morr von der Deutschen Lungenstiftung. Hustenattacken und erhebliche Luftnot könnten die Folge sein. Auch chronische Schäden der Bronchien seien nicht ausgeschlossen. Soweit muss es aber nicht kommen, wenn rechtzeitig gehandelt wird.
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