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Neurodermitis: Juckende Ekzeme erfordern individuelle Behandlung

Von: Christiane Löll, dpa
Letzte Aktualisierung:
Neurodermitis
Wenn die Haut verrückt spielt: Solche geröteten, rauen Stellen sind typisch für eine Neurodermitis.

Bonn. Starker Juckreiz an geröteten, rauen Stellen in den Arm- oder Kniebeugen, vor allem auch nachts: Das sind typische Beschwerden bei einer Neurodermitis. Die Hauterkrankung kann sich jedoch auch an anderen Stellen zeigen. Sie verläuft meist schubweise, tritt im Winter verstärkt und häufig parallel zu Asthma, Heuschnupfen und Nahrungsmittelallergien auf.

„Allein vom Aussehen und der Lokalisation der Ekzeme kann die Neurodermitis sehr unterschiedlich sein”, sagt Prof. Regina Fölster-Holst von der Universitäts-Hautklinik Kiel. „Bei Kindern sind häufig die Wangen und der Halsbereich befallen, und sie haben eine typische Falte unter den Augen. Die betroffenen Stellen wandern im Lauf der Jahre den Körper hinunter, erst auf die Streckseiten von Armen und Beinen, schließlich in die Arm- und Kniebeugen.” Bei Kindern bilden sich zudem häufiger nässende Krusten, teils auch Papeln oder Bläschen. Auch münzförmige Stellen an Händen, Brust oder Rücken können vorkommen.

Viele Faktoren gemeinsam sind verantwortlich

Woher rührt diese Hauterkrankung? „Die Neurodermitis ist ein Zusammenspiel von genetischen und äußeren Umweltfaktoren”, sagt Prof. Thomas Bieber vom Universitätsklinikum Bonn. Grundlage sei eine trockene Haut. Verschiedene Gengruppen seien identifiziert worden, die im Zusammenhang mit der Neurodermitis stehen, unter anderem die Filaggrin-Gene. Filaggrin-Eiweiße spielen eine Rolle in den obersten Hautschichten und helfen dabei, eine Schutzbarriere aufzubauen. Etwa acht bis zehn Prozent der Europäer tragen laut Bieber Veränderungen an diesen Genen in sich. Eine zweite Gruppe von veränderten Genen betreffe die Funktion des Immunsystems.

Oft beginnt die Krankheit schon im Säuglingsalter, seltener im Kindergarten- oder Schulalter. Die Experten gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent aller Kinder davon betroffen sein könnten. „Bei manchen Kindern ist der Juckreiz besonders stark ausgeprägt, so dass sie sich nachts teilweise blutig kratzen. Das kann sehr belastend für die ganze Familie sein”, sagt Fölster-Holst.

Sind die Beschwerden besonders stark, empfehlen die Experten die tägliche Behandlung mit Salben oder Cremes mit antientzündlichen Wirkstoffen wie Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren. „Nach etwa einer Woche sollten sich die Beschwerden bessern”, sagt Bieber. Allerdings hätten viele Eltern Bedenken, ihren Kindern Kortison zu geben. „Eltern haben oft Angst, Schaden anzurichten, und es werden oft halbe Sachen gemacht.” Das könne aber eine Ausbreitung der Hauterscheinungen bewirken. Teils setzen sich laut Fölster-Holst Bakterien auf den aufgekratzten Stellen fest, die zu eiternden Papeln und Pusteln führen könnten. Dann müssten Antibiotika gegeben werden.

Nach einem Schub ist Basispflege angesagt

Ist der Schub gestoppt, empfehlen die Dermatologen eine Basistherapie mit fetthaltigen Cremes oder Salben. Ab dem Alter von zwei Jahren kann darin auch Harnstoff enthalten sein. Die Zusammensetzung muss den Experten zufolge sehr individuell bestimmt werden. Darüber hinaus habe es sich bewährt, etwa zweimal wöchentlich weiter Salben mit Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren auf die zuvor betroffenen Stellen zu schmieren - also vorbeugend aktiv zu sein, bevor ein neuer Schub kommt. Allerdings seien die Calcineurin-Inhibitoren erst ab dem Alter von zwei Jahren zugelassen.

Als Auslöser für einen Neurodermitis-Schub gelten unterschiedliche Faktoren. Dazu können Nahrungsmittel wie Milch, Eier, Soja oder Nüsse zählen, aber auch Tierhaare, Hausstaubmilben oder Pollen. Inhaltsstoffe in Cremes wie Duftstoffe oder Emulgatoren können Kontaktallergien auslösen, die die Ekzeme bei den Patienten verschlimmern. Aufregung, auch im positiven Sinn, gehört ebenso dazu.

„Sind die Hauterscheinungen über einen längeren Zeitraum besonders ausgeprägt, so lohnt es sich, bei einem Hautarzt Allergietests durchführen zu lassen”, sagt Prof. Thomas Werfel von der Medizinischen Hochschule Hannover. „Allerdings muss man sagen, dass viele Neurodermitispatienten bei diesen Haut- und Bluttests empfindlich auf eine Reihe von Allergenen reagieren, ohne das gleich eine Allergie vorliegt”, betont er. Nicht grundsätzlich empfehlenswert sei daher, all diese Stoffe zu meiden. Und nicht jedes Ekzem sei gleich eine Neurodermitis. Es müsse unter anderem abgeklärt werden, ob vielleicht eine andere Art von Ekzem vorliege oder ein Pilz die Hautveränderungen hervorgerufen habe.

Haben beide Eltern eine atopische Erkrankung, ist das Risiko für die Kinder laut Bieber recht hoch, auch daran zu erkranken. Die Mediziner empfehlen, Neugeborene wenn möglich vier Monate lang voll zu stillen. Bei einer großen Zahl der Kinder verschwindet die Neurodermitis bis zur Pubertät, jedoch können gegebenenfalls Asthma oder Heuschnupfen an ihre Stelle treten. Dies betrifft laut Bieber aber vor allem Kinder, die die Neurodermitis stark ausgeprägt hatten. Im Erwachsenenalter leiden laut Werfel noch etwa ein bis drei Prozent der Menschen in Deutschland an Neurodermitis.
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