Neue Sprachanforderungen für ausländische Ärzte

Von: Angela Delonge
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Die Gesundheitsminister wollen, dass ausländische Ärzte besser deutsch sprechen. Foto: dpa

Düsseldorf. Wenn einer von zwei Gesprächspartnern nicht die Sprache des anderen spricht, wird es schwierig. Sagt ein türkischer Patient „Mir brennt die Leber“, klagt er nicht etwa über physische Schmerzen, sondern meint: „Mir liegt etwas auf der Seele.“ Kommunikationsprobleme zwischen Arzt und Patient sind nicht selten in deutschen Krankenhäusern.

Denn es geht natürlich auch andersherum: Patienten klagen über die mangelnden Deutschkenntnisse von ausländischen Ärzten in hiesigen Kliniken. Damit soll nun Schluss sein.

Ab sofort gelten höhere Anforderungen an die Sprachtests für Ärzte, die aus dem Ausland kommen und in Deutschland ihre Approbation bekommen wollen – und zwar einheitlich in allen Bundesländern. Einen entsprechenden Beschluss hat die Bundesgesundheitsministerkonferenz noch vor der Sommerpause gefasst. Die Vorreiterrolle für diese Entwicklung hatte Nordrhein-Westfalen übernommen, weil das Land die höchsten Anforderungen an die Deutschkenntnisse von Ärzten aus dem Ausland hat. Besonders stark gemacht für die einheitlichen Standards auf hohem Niveau hatte sich NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne), und sie hat gute Gründe dafür.

Fachsprachliche Kenntnisse

In erster Linie würden einheitlich hohe Sprachstandards in allen Bundesländern gebraucht, „um den Prüfungstourismus von Ärztinnen und Ärzten mit mangelnden Deutschkenntnissen zu stoppen“, sagt die Ministerin. Nun werde es nicht mehr möglich sein, dass sich ausländische Ärzte mit schwachen Deutschkenntnissen „gezielt“ Bundesländer mit niedrigen Anforderungen an das Sprachniveau – wie zum Beispiel Bayern oder Hamburg – aussuchen, um dort eine bundesweit gültige Approbation zu erhalten. Steffens findet: „Es darf nicht sein, dass eine Ärztin oder ein Arzt nicht in der Lage ist, die Vor- und Nachteile einer Operation in verständlichem Deutsch zu erklären.“

Auch damit wird nun hoffentlich Schluss sein. Denn der nordrhein-westfälische Standard beinhaltet neben dem Nachweis des Sprachniveaus B2 als Grundvoraussetzung auch eine Prüfung über die fachsprachlichen Kenntnisse von Ärzten auf C1-Niveau vor der Ärztekammer. Dort, wo die Sprache Teil der Therapie oder die Therapie selbst ist, gelten noch strengere Anforderungen: Psychotherapeuten und Psychiater müssen Sprachkenntnisse auf C2-Niveau nachweisen.

Um in Deutschland arbeiten zu dürfen, sollen Ärzte aus dem Ausland nun in allen Bundesländern neben dem erforderlichen B2-Sprachzertifikat in einer fachsprachlichen Prüfung vor der jeweiligen Ärztekammer nachweisen, dass sie ein Arzt-Patientengespräch eben­so angemessen führen können wie den fachlichen Austausch mit Kollegen.

Die Prüfung beinhaltet unter anderem ein 20-minütiges simuliertes Patientengespräch und das Verfassen eines medizinischen Schriftstücks (Arzt-Brief). Vor allem das Patientengespräch als zentraler Teil des ärztlichen Alltags enthält gerade für Ausländer viele Fallstricke. Hier sind sprachliche Fähigkeiten ebenso gefragt wie die Bereitschaft, kulturelle Unterschiede zu überwinden. Der Patient soll als ebenbürtiger Gesprächspartner wahrgenommen, er soll aufgeklärt und in die ärztlichen Entscheidungen miteinbezogen werden.

In Nordrhein-Westfalen arbeiten insgesamt etwa 77.000 Ärzte, rund 7000 kommen aus dem Ausland, davon arbeiten 6000 an Krankenhäusern. Die neue Regelung gilt für alle rückwirkend zum 1. Januar 2014.

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