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Naturkosmetik ist im Kommen: Aber nicht für jede Haut gut

Von: Britta Schmeis, dpa
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Aus der Öko-Ecke: Naturkosmetik wie diese Seifen aus natürlichem Glyzerin wird beliebter. Foto: dpa

Berlin/Stuttgart. Nach Lebensmittelproduzenten und Modemachern haben nun auch die Kosmetikhersteller die Lohas entdeckt: die Anhänger des „Lifestyle of Health and Sustainability”, also einer gesunden und nachhaltigen Lebensweise.

Statt mit Öko-Muff und Reformhaus-Image kommt die neue Naturkosmetik mit hellen Farben und Leichtigkeit daher - und ist so zum Lifestyle-Accessoire geworden. Doch automatisch verträglicher und besser als konventionelle Produkte ist sie nicht. „Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen”, sagt der Dermatologe Wolfgang Klee aus Mainz. Bei empfindlicher Haut sei sogar Vorsicht geboten.

Es gibt zwar keine gesetzlichen Richtlinien, dafür aber Naturkosmetik-Siegel, die durchaus verlässlich sind. Dazu gehören „Kontrollierte Natur-Kosmetik” vom Bundesverbandes deutscher Industrie- und Handelsunternehmen (BDIH) oder „NaTrue” vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW). „Im Groben kann man sagen, dass diese Produkte nur Zutaten beinhalten, die in der Natur vorkommen oder naturnah sind”, sagt Laura Gross von der Verbraucher Initiative in Berlin.

So müssen nach BDIH-Standard die pflanzlichen Rohstoffe aus zertifizierten ökologischen Quellen stammen. „Das bedeutet auch, dass die Zutaten gegebenenfalls aus kontrollierten Wildsammlungen stammen und kein Raubbau an der Natur betrieben wird”, führt sie weiter aus.

Synthetische Farb-, Duft und Konservierungsstoffe wie etwa Formaldehyd, Paraffine, Silikone und Benzylalkohol sind tabu. „Die Hersteller von Naturkosmetik haben sich zudem verpflichtet, selbst keine Tierversuche durchzuführen”, erklärt Hanne Vedder von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Ausgeschlossen sind allerdings Tierversuche, die durch Dritte ausgeführt wurden, erklärt der BDIH in seinen Kriterien.

„Der Vorteil ist, dass es bei den Naturprodukten jahrhundertealte Erfahrungen gibt”, sagt Gross. Zudem enthielten die Salben, Lotionen und Duschgels in der Regel weniger Inhaltsstoffe - und damit auch weniger potenziell allergene Stoffe. Sie sind ganz einfach reiner. „Das schränkt aber auch ein.”

Jens Burfeindt vom IKW fügt hinzu, dass rein pflanzliche Stoffe nicht alle Funktionen moderner Kosmetik erfüllen können. Kaltgepresstes Olivenöl etwa sei zwar für Cremes oder Duschgels hervorragend geeignet, für Shampoo oder auch Sonnenschutzmittel aber weniger. „Da ist es oftmals eine Gratwanderung”, sagt Burfeindt.

Deshalb gilt bei Naturkosmetik wie bei konventionellen Produkten: Erst mal ausprobieren. Inzwischen gibt es auch von den Naturprodukten Pröbchen in Apotheken, Reformhäusern oder Drogerien. „Am besten trägt man die Creme erstmal zwei bis drei Tage in der Ellenbeuge auf”, rät Klee. Da würde sich schnell herausstellen, ob man das jeweilige Produkt verträgt. Ein „Riesenproblem” sei, dass viele natürliche Stoffe wie etwa Vanillin, Zimt, Lavendel- oder Teebaumöl hochpotente Allergene sind.

Die häufig für Kinderpflegemittel verwendete Ringelblume - auch Calendula genannt - verursache bei empfindlicher Haut oft Hautrötungen, und auch der sogenannte Peru-Balsam sei nicht jedermanns Sache. Nicht ganz unproblematisch sind außerdem natürliche Färbemittel wie Kobalt, Nickel oder Henna.

Daher sollte unbedingt auf der Verpackung stehen, was drin ist. „Bei allen Inhaltsstoffen mit den Vorsilben Bromo-, Jodo-, Chloro-, oder Floro- sollte man skeptisch werden”, warnt Gross. Ansonsten sei besondere Sorgfalt bei der Handhabung geboten. „Da meist keine Konservierungsstoffe enthalten sind, muss man auf die Haltbarkeit achten und penibel für saubere Hände sorgen, damit die Produkte nicht verunreinigt werden.” Gross rät, eher kleine Tuben und Tiegel zu kaufen und diese dunkel und kühl zu lagern. Ob die Naturkosmetika aus der Apotheke oder als preiswerte Ausführung aus der Drogerien kommen, spiele keine Rolle.

Manche der Mittel haben allerdings einen eigenartigen Geruch. „Natürliche Duftstoffe wie Rosenöl sind sehr teuer, andere wie Sanddorn oder Lavendel für viele noch sehr gewöhnungsbedürftig”, sagt Gross. Lange Zeit hätten diese Produkte nur sehr wenige Käufer angesprochen, fügt Hanne Vedder hinzu. Doch nun werde mit der Naturkosmetik auch ein Lebensgefühl verkauft und damit die Aura absoluter Natürlichkeit. „Letztendlich ist es eine ideologische Frage, ob man sich für die Naturprodukte entscheidet”, sagt Gross.
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