Hamburg - Mit Yoga in die Tiefe: Apnoetauchen lernen

Mit Yoga in die Tiefe: Apnoetauchen lernen

Von: Florian Sanktjohanser, dpa
Letzte Aktualisierung:
Mit Yoga in die Tiefe: Apnoetauchen lernen
Erstmal treiben lassen: Beim Apnoetauchen ist es entscheidend, sich zu entspannen. Foto: dpa

Hamburg. Die betörenden Bilder kennt man von Hochglanzfotos oder aus dem Film „Im Rausch der Tiefe”: Geschmeidige Körper in hautengen, schwarzen Neoprenanzügen schweben durchs grenzenlose Blau, frei vom Ballast der Sauerstoffflasche, gerne fotografiert im Gegenlicht der Sonne.

Die Realität des Apnoetauchens beginnt für die Teilnehmer eines Anfängerkurses aber meist auf einer Fitness-Matte. „Zuerst lernen Sie, richtig zu atmen”, sagt Andreas Falkenroth, Apnoetauchlehrer in Lindau. „Das ist der Schlüssel.”

Im Grunde kann jeder apnoetauchen. Die meisten fangen in der Badewanne an: Luft anhalten, Kopf unter Wasser drücken. Seit Jahrtausenden tauchen Menschen in die Tiefe, um Fische mit Speeren zu jagen oder Perlen zu sammeln. Doch das Luftanhalten will gelernt sein. Wenn die Schüler in Andreas Falkenroths Kurse kommen, schnappen sie in der Regel nach gut einer Minute nach Luft. Am Ende des eintägigen Kurses gelinge es jedem, zwei Minuten Luft anzuhalten.

„Entscheidend ist, sich zu entspannen”, sagt Dagmar Andres-Brümmer, die ein Buch zum Thema geschrieben hat. Viele der Entspannungs- und Atemübungen kommen aus dem Yoga. Andreas Falkenroth bringt den Schülern zuerst bei, die Luft so einzusaugen, dass sich der Bauch wölbt, ohne dass der Brustkorb sich hebt. „Die Umgewöhnung ist für viele schwierig.” Denn die meisten Erwachsenen atmen fast nur mit der Brust. Der Vorteil der Bauchatmung ist, dass sie entspannt. Und wer entspannt ist, verbraucht weniger Luft - und kann länger unter Wasser bleiben.

Auch der zweite wichtige Schritt bei den Atemübungen soll den Organismus beruhigen: Die Schüler konzentrieren sich darauf, mindestens doppelt so lange auszuatmen, wie sie einatmen. Beim Ausatmen sinkt die Herzfrequenz. Profis können sie auf 12 Herzschläge pro Minute herunterfahren.

Erst wenn den Schülern die Atemtechnik in Fleisch und Blut übergegangen ist, taucht Falkenroth mit ihnen ab - allerdings erst nur ein paar Zentimeter. Wie Ertrunkene lassen sich die Schüler bäuchlings treiben, das Gesicht unter Wasser, Arme und Beine sind schlaff. Nun geht es darum, vollkommen abzuschalten. „Jeder Gedanke kostet Energie”, erklärt Jörg Eyber, Leiter der Apnoeausbildung beim Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) in Offenbach.

Doch irgendwann beginnt für jeden das, was Andreas Falkenroth die „Struggle Phase” nennt: das Blut pocht in den Ohren, das Zwerchfell zuckt, der Körper giert nach Luft. „Dann wird es eine Willenskraft-Geschichte.”

Die nächste Übung im Kurs lässt die Schüler trotz aller Beherrschung wesentlich schneller nach Luft japsen: Sie tauchen der Länge nach durch das Schwimmbecken. Dabei lernen sie wichtige Tauchtechniken, sagt Eyber: das richtige und nicht zu schnelle Abtauchen, den Flossenschlag in großen, ruhigen Bewegungen, das korrekte Austarieren mit Gewichten.

Bei all diesen Übungen steht die Sicherheit über allem. „Jedes Luftanhalten muss von jemandem abgesichert sein, der im Notfall zugreifen kann”, erklärt Falkenroth. Deshalb wird den Anfängern immer wieder die oberste Regel des Apnoetauchens eingebläut: Niemals allein tauchen. „Das Risiko eines Blackouts ist immer da”, warnt Andres-Brümmer. Geht der Sauerstoff im Gehirn zur Neige, wird der Taucher ohnmächtig. Deshalb ist Hyperventilieren vor dem Abtauchen tabu. Denn dadurch sinkt der Kohlendioxidspiegel im Blut, der Atemreflex wird verzögert - vielleicht zu lange.

Solche Zusammenhänge sollte jeder Apnoetaucher kennen. Deshalb werden zwischen die Übungen in Schwimmbad und Turnhalle immer wieder Theorieblöcke eingeschoben. „Hier lernen die Anfänger die Grundlagen der Tauchmedizin und Tauchphysik kennen”, sagt Falkenroth. Beim Freitauchen verändere sich viel im Körper: So quetscht der Wasserdruck die Hohlräume mehr zusammen als beim Gerätetauchen. Und wenn der Sauerstoff-Partialdruck beim Auftauchen zu weit absinkt, droht der berüchtigte Flachwasser-Blackout.

Die Anfänger im Apnoekurs müssen ihn nicht fürchten. Tiefer als drei Meter tauchen sie in der Regel nicht ab - mehr ist in Schwimmbädern einfach nicht drin. Wen die Tiefe lockt, der kann einen Fortgeschrittenen-Kurs im Freiwasser buchen. Hier dürfen die Teilnehmer bis zu 25 Meter tief tauchen - das Limit beim VDST. „Dafür bieten sich aber eher Seminare im Ausland an”, sagt Eyber. In Ägypten gibt es unter Wasser einfach mehr zu sehen als im Bodensee.

Den richtigen Apnoekurs finden

In Deutschland bieten vor allem der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) und AIDA Anfängerkurse an. Die Seminare des VDST richten sich an Breitensportler, dauern zwei Tage und kosten zwischen 70 und 120 Euro. Pro Jahr gibt es 30 bis 40 Wochenendseminare, die von den Landesverbänden ausgerichtet werden. Die Kurse von AIDA sprechen eher Wettkampforientierte an. Ein eintägiger Anfängerkurs kostet etwa 110 Euro. Bei allen Kursen müssen Teilnehmer in der Regel ein ärztliches Unbedenklichkeits-Attest mitbringen sowie eigene Taucherbrille, Schnorchel und Flossen.

Literatur: Dagmar Andres-Brümmer: Apnoetauchen: Grundlagen, Trainingstipps, Praxis, ISBN: 978-3-768-82431-6, Preis: 16,90 Euro.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert