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Mehrheit der Deutschen lehnt Immunisierung ab

Von: ddp
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Berlin. Die Mehrheit der Deutschen lehnt eine Schweinegrippe-Impfung ab. Nur 13 Prozent der Bevölkerung wollen sich gegen den H1N1-Erreger impfen lassen, 25 Prozent wollen die Spritze „wahrscheinlich” haben.

Das ergab eine am Samstag veröffentlichte Umfrage des Nachrichtenmagazins „Spiegel”. Auch die Bundesärztekammer rechnet mit einer schwachen Resonanz. „Die Impfaktion wird kein Renner”, sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. Das Bundesgesundheitsministerium entgegnete, man könne sich beim Schutz der Bevölkerung „nicht von augenblicklichen Stimmungen” leiten lassen.

Laut Umfrage sind junge Menschen besonders impfmüde. Nur 28 Prozent aller 18- bis 29-Jährigen stehen der Impfung positiv gegenüber. Dabei stammten aus dieser Altersgruppe viele der bislang 15 600 offiziell registrierten Fälle in Deutschland.

Montgomery prognostizierte: „Von jenen, denen das Vakzin empfohlen wird - Übergewichtige, chronisch Kranke, Einsatzkräfte -, wird die Hälfte Folge leisten, in der Gesamtbevölkerung 15 bis 20 Prozent.”

Für mehr reichten die Kapazitäten ohnehin nicht aus. Die ersten Chargen des Impfstoffs sollen Mitte Oktober kommen. Der Ärztefunktionär sagte, er habe Informationen, dass die Firmen nur 1,5 bis 2 Millionen Dosen pro Woche ausliefern würden.

„Jeder Impfling erhält zwei Spritzen”, sagte er, „bis Jahresende kann man also vielleicht nur weniger als zehn Millionen Menschen schützen.”

Die Vorbereitungen und Vorhersagen der vergangenen Wochen bezeichnete Montgomery als „Hysterie”. Als Klinikarzt habe er mehrere Dutzend Fälle gesehen, die unter normalen Umständen größtenteils gar nicht in medizinische Behandlung gegangen wären. Noch dazu äußerte sich Montgomery „beunruhigt, dass die verwendete Kombination von Verstärkersubstanz und Impfstoff nicht nach normalen Standards getestet” sei.

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Johannes Löwer, wies die Warnungen als unbegründet zurück. Die Impfstoffe, die in Deutschland zum Einsatz kämen, hätten Zulassungs­verfahren durchlaufen und seien nach üblichen Standards auf Wirksamkeit und Verträglichkeit getestet worden.

Auch das Gesundheitsministerium widersprach Montgomerys Aussagen. „Wir sind verantwortlich für den Schutz der Bürger”, teilte das Ministerium mit. Dies könne sich nicht nach aktuellen Stimmungen oder Umfragen ausrichten. Die Schweinegrippe-Impfung sei freiwillig und jeder, der sich impfen lassen wolle, könne das tun.

„In der Bevölkerung herrscht die Vorstellung vor, die Grippe verlaufe mild”, sagt der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger. Er warnte jedoch, dies sei nur „eine scheinbare Friedenszeit”.

Sein Institut plant gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium für die nächsten Wochen eine Informationskampagne, um vor allem junge Menschen vom Sinn der Schweinegrippe-Impfung zu überzeugen.

Die überschüssigen Impfdosen „könnten in der Wintersaison 2010/2011 zum Einsatz kommen”, sagte Burger. Schließlich werde das Virus H1N1 die Menschheit auch künftig noch befallen.
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