Mehr als nur Kosmetik: Wann und wie Krampfadern behandelt werden

Von: Christiane Löll, dpa
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Mehr als nur Kosmetik: Wann und wie Krampfadern behandelt werden
Wechselduschen für schöne Beine: Krampfadern sind oft nur ein optisches Ärgernis - wenn sie aber zu Beschwerden führen, sollte etwas dagegen unternommen werden. Foto: dpa

Berlin/Bonn. Sie sehen nicht schön aus und werden als lästig empfunden: Krampfadern am Bein. Die Gefäßwand von oberflächlichen Venen ist geschädigt, so dass sich die Gefäße weiten, schlängeln und unter der Haut sichtbar werden.

Sie können verschieden stark ausgeprägt sein, und auch die Venenklappen, die den Fluss des Blutes steuern, können beschädigt werden. Sie machen in den meisten Fällen keine Beschwerden und sind in erster Linie ein kosmetisches Ärgernis. Doch wenn Symptome wie geschwollene, schwere Beine am Abend, Hautveränderungen in Farbe und Struktur oder ein Jucken hinzukommen, sollte abgeklärt werden, was dahintersteckt - am besten bei einem Phlebologen, wie Venenspezialisten auch genannt werden.

Bei der Hälfte der Bevölkerung tauche die eine oder andere Krampfader im Laufe des Lebens auf, sagt der Gefäßchirurg Ingo Flessenkämper aus Berlin. „Abgeklärt werden muss bei Krampfadern unbedingt, ob nicht eine Thrombose der tiefen Beinvenen dahintersteckt, durch die das Blut nicht mehr Richtung Herz fließen kann, und sich seinen Weg durch die oberflächlichen Venen bahnt”, erläutert er. Löst sich ein solches Blutgerinnsel, kann es zu lebensgefährlichen Lungenembolien kommen.

Meistens entstehen Krampfadern aber ohne eine Thrombose als Ursache. Die Veranlagung dazu ist in der Regel angeboren und familiär gehäuft. „Begünstigt werden sie durch zunehmendes Alter, bei Frauen auch durch Schwangerschaften”, sagt Prof. Eberhard Rabe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Dermatologe an der Uniklinik Bonn. Übergewicht, mangelnde Bewegung, viel Sitzen und ein hoher Blutdruck können die Entstehung von Beschwerden durch Krampfadern begünstigen, ergänzt er. Die Neigung zu Schwellungen und Hautveränderungen bis hin zum offenen Bein (Ulcus cruris) werden unter dem Begriff Chronisch Venöse Insuffizienz zusammengefasst.

Das Blut aus den Beinen fließt zu etwa 80 bis 90 Prozent über tiefe Beinvenen in Richtung Herzen ab. Die oberflächlichen Venen leiten das Blut aus den Venengeflechten der Haut über sogenannte Perforansvenen in die tiefen Venen weiter. Zwei Stammvenen und ihre Seitenäste sind hauptsächlich von Krampfadern betroffen. „Zu 85 Prozent ist es die Vena saphena magna, die vom Innenknöchel kommend wie eine Jeansnaht Richtung Leiste führt”, sagt Flessenkämper. Die Vena saphena parva sei auch häufiger befallen, sie verläuft vom Außenknöchel über die Mitte des Unterschenkels in die Kniekehle.

Die Standarduntersuchung ist eine Duplexsonografie, also eine Ultraschalluntersuchung. In seltenen Fällen wird heute noch eine Phlebografie durchgeführt, das heißt eine Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel. Teilweise, unter anderem in Apotheken, kommt laut Flessenkämper auch Infrarotlicht zum Einsatz, bei der Lichtreflektionsrheografie. Allerdings sei diese nicht so genau wie eine Sonografie.

Drei Gruppen von Methoden halten die Phlebologen bereit, um den Krampfadern zu Leibe zu rücken. Weil die oberflächlichen Beinvenen für den Körperkreislauf eine untergeordnete Rolle haben, können die Stammvenen entfernt oder verklebt werden. „Zum einen gibt es klassische operative Verfahren, bei denen die Stammvenen gezogen werden”, sagt der Gefäßchirurg Horst Peter Steffen, Chefarzt einer Venenfachklinik in Hilden. In der Fachsprache wird das Venen-Stripping genannt. Unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung wird so etwa die Vena saphena magna in der Leiste und am Unterschenkel gekappt und mit Hilfe einer Sonde herausgezogen.

Zur nächsten Gruppe gehören neuere, sogenannte endoluminale oder endovenöse Verfahren, bei denen die Venen mit thermischer Energie aus verschiedenen Quellen von innen erhitzt und die Gefäßwände „verkocht” werden. Für das Entstehen von Hitze werden Laser, Radiowellen oder heißer Dampf eingesetzt. Als dritte Methode gibt es die Verödung der Venen von innen, dabei wird oft eine Art Schaum eingespritzt, der die Venen verklebt. Die kleineren Seitenäste der Stammvenen werden bei einer sogenannten Miniphlebektomie behandelt. Dabei werden die Venen über kleine Schnitte in der Haut herausgezogen, erläutert Steffen.

Neben Risiken und Komplikationen der einzelnen Verfahren sollten sich Patienten auch über die Kosten informieren, empfehlen die Experten. „Gibt es eine klare medizinische Indikation für eine Krampfaderbehandlung, etwa durch Beschwerden, dann übernehmen die Kassen auch die Kosten für die operativen Verfahren”, betont Flessenkämper. Die modernen endoluminalen Methoden hingegen würden von den gesetzlichen Kassen meistens nicht erstattet, gleichwohl aber von den privaten Kassen. Ein Kostenvoranschlag sei sinnvoll, um ihn der Krankenkasse vor der Behandlung vorzulegen. Rabe zufolge entscheide auch die Übernahme der Kosten durch die Kassen darüber, welche Methode der Patient wähle.
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