Medizinerin: Arzneien zielen zu sehr auf Männer

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Wiesbaden. Sogar Labormäuse sind meist männlich. Die gesamte Entwicklung von Arzneimitteln orientiert sich nach Ansicht der Medizin-Professorin Vera Regitz-Zagrosek zu sehr an Männern, obwohl die Wirkungen bei Männern und Frauen oft unterschiedlich sind.

Dabei könnten auch Männer von einer differenzierten Entwicklung von Medikamenten profitieren, sagte Regitz-Zagrosek am Dienstag beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden. So schienen Frauen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen biologische Vorteile zu haben. Wenn die Gründe dafür erforscht würden, ließen sich die Erkenntnis für Männer nutzen.

Die Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin am Berliner Universitätsklinikum Charité berichtete von einer klinischen Studie über einen neuen Wirkstoff, an der nur 20 Prozent Frauen beteiligt worden seien. Die Substanz wirke bei Frauen sehr gut, bei Männern kaum. Ihre Entwicklung solle aber nicht weiterverfolgt werden.

Ein Tierexperiment, bei dem erstaunlicherweise je zur Hälfte männliche und weibliche Mäuse eingesetzt worden seien, habe für einen anderen Wirkstoff eine gute Wirkung gezeigt. Der sei aber ausschließlich bei männlichen Tieren auftreten. Der Wirkstoff solle weiterentwickelt werden. Wenn er bei Menschen wirke wie bei Mäusen, dann hätten Männer den Vorteil und Frauen die Nebenwirkungen.

Laut Regitz-Zagrosek treten Nebenwirkungen bei Frauen 1,5 mal häufiger auf als bei Männern. Der bei Männern hilfreiche Wirkstoff Digitalis zur Behandlung einer chronischen Herzschwäche erhöhe bei Frauen die Sterblichkeit. Es gebe auch Hinweise, nach denen Frauen auf Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen stärker reagieren als Männer und vermehrt unter Nebenwirkungen leiden.

Für die Bevorzugung von männlichen Mäusen bei Tests nannte Regitz- Zagrosek mehrere Gründe: So seien männliche Mäuse billiger als weibliche, die zudem für die Zucht gebraucht würden. Die Männchen hätten auch keinen Zyklus, der zu Streuungen der Testergebnisse führe, und außerdem zeigten Männchen meist stärkere Reaktionen auf Wirkstoffe.
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